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Villiger ruft zu Respekt und Offenheit auf

Eröffnungszeremonie des 9. Frankophoniegipfels in Beirut. Keystone

Bundespräsident Kaspar Villiger hat am Frankophoniegipfel in Beirut zu gegenseitigem Respekt und zu Offenheit gegenüber anderen Kulturen aufgerufen.

Er lud die Staatschefs zur Teilnahme am UNO-Weltgipfel «Informations-Gesellschaft» nach Genf ein.

Die Globalisierung werde oft kritisiert, sagte Villiger. Die Kritik sei teilweise auch gerechtfertigt, da zwei Drittel der Menschheit nicht von der Globalisierung profitieren könnten.

Aber sie biete wertvolle Chancen, um Millionen von Menschen aus der Armut heraus zu helfen. Wichtig sei aber, dass es zu einem Dialog zwischen den Kulturen und Religionen komme.

Denn der Terrorismus lebe von religiösen und kulturellen Konflikten. Deshalb sei ein Erfolg beim Dialog unerlässlich.

Beispiel Schweiz

Villiger nannte die Schweiz als Beispiel dafür, dass verschiedene Kulturen friedlich miteinander leben könnten. Er betonte die Bedeutung des gegenseitigen Respektes, ohne den sich kein Dialog der Kulturen entwickeln könne.

Der Bundespräsident bezeichnete auch die direkte Demokratie und den Föderalismus als Erfolgsfaktoren. Zu den traditionellen Kulturen seien auch ausländische hinzugekommen, von denen die Schweiz profitiert habe.

Die Schweiz wolle deshalb den anderen Kulturen gegenüber offen bleiben, auch wenn dies manchmal mit Spannungen verbunden sei.

Einladung zum UNO-Weltgipfel «Informations-Gesellschaft»

Ohne geeignete Mittel der Kommunikation sei der Dialog zwischen den Kulturen aber nicht möglich, sagte Villiger und hob die Bedeutung des UNO-Weltgipfels zur Informations-Gesellschaft hervor. Er lud die anwesenden Staatschefs und die Delegationsleiter ein, an dem Gipfel vom Dezember nächsten Jahres in Genf teilzunehmen.

Zur Vorbereitung diene unter anderem die Ministerkonferenz der Frankophonie, die vom kommenden 11. bis 13. Dezember erstmals in der Schweiz stattfindet, und zwar in Lausanne.

Der Frankophoniegipfel in Beirut dauert noch bis zum Sonntag. Die Staats- und Regierungschefs von 55 frankophonen Länder befassen sich schwergewichtig mit dem Dialog der Kulturen und wollen unter anderem die Nachfolge des amtierenden Generalsekretärs der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF), Boutros Boutros-Ghali, regeln.

Der Beiruter Gipfel hätte ursprünglich schon im Oktober 2001 stattfinden sollen, wurde aber auf Grund der damaligen internationalen Lage um ein Jahr verschoben.

Die Schweiz möchte Reformen

Bereits auf der letzten Ministerkonferenz der Francophonie in Paris hatte der Schweizer Aussenminister Joseph Deiss eine Reform der Organisation verlangt. Deiss war der Meinung, die Öffentlichkeit nehme die OIF «wie durch einen Nebel» wahr.

So zeigte eine Untersuchung in der Schweiz, welche im März veröffentlicht wurde, dass die meisten deutschsprachigen Schweizerinnen und Schweizer wenig oder nichts von der OIF wissen. Die welsche Schweiz wiederum nimmt die Organisation eher als ein kulturelles denn ein politisches Gremium wahr.

Treffen Villiger – Chirac

Am Rande des Gipfels der französisch-sprachigen Länder traf der Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger unter anderem auch mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac zusammen.

Gesprochen wurde über die bilateralen Verhandlungen Schweiz-EU, namentlich über die Frage der Zinsbesteuerung und über das Bankgeheimnis.

Weiter sprachen die beiden Präsidenten über den kommenden G-8-Gipel, der im Sommer im französischen Evian am Genfersee stattfindet sowie über die aktuelle Irak-Debatte. Hier unterstütz die Schweiz die französische Position, die auf Diplomatie setzt.

Neuer Präsident

Der ehemalige senegalesische Präsident Abdou Diouf wird neuer Generalsekretär der Frankophonie, der Organisation der mit Frankreich politisch und kulturell verbundenen Staaten. Diouf wird Nachfolger von Butros Butros-Ghali. Der
ehemalige UN-Generalsekretär wurde 1997 erster Generalsekretär der
Frankophonie.


swissinfo, Bernard Weissbrodt und Agenturen

Die Schweiz tritt 1989 der Frankophonie bei
Seit 1996 ist sie Mitglied der Agence de la Francophonie
Die Schweiz bezahlt jährlich 6 Mio. Franken Beiträge
Juli 2002: Parlamentarische Versammlung der Frankophonie in Bern
Dezember 2002: Ministerkonferenz der Frankophonie in Lausanne

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