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Armstrong: Tour-Sieg vor Augen

Der Deutsche Jan Ullrich kämpfte hart an diesem Etappentag der Tour de France. Keystone

Lance Armstrong (USA) verlässt die Berge im Gelben Trikot und hat seinen dritten Tour-Sieg dicht vor Augen. Jan Ullrich (Merdingen) stemmte sich am Wochenende auch in den Pyrenäen mit allem, was er hatte, gegen die Niederlage.

Den Tagessieg auf der 14. Etappe von Tarbes nach Luz-Ardiden sicherte sich unweit der Heimat der Baske Roberto Laiseka, der sich zehn Kilometer vor dem Ziel von der Ullrich/Armstrong-Spitzengruppe gelöst hatte. 1:08 Minuten hinter Laiseka hatte Armstrong Ullrich diskret den Vortritt auf Rang drei gelassen. Der deutsche Meister bedankte sich mit einem Händedruck. «Das Gesamtklassement ist gemacht», sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage nach der 14. Etappe.

Die 13. Etappe am Vortag über sechs Pyrenäen-Riesen, auf der Armstrong seinen dritten Tagessieg gefeiert und Ullrich endgültig aller Illusionen beraubt hatte, war hoch dramatisch verlaufen. Bei der Abfahrt vom Peyresourde hatte Ullrich mit Tempo 80 eine Kurve verpasst und war geradeaus die Böschung hinuntergerast. Wie durch ein Wunder war dem 27-Jährigen bei dem spektakulären Sturz nichts passiert. Ullrich konnte das Rennen sofort wieder aufnehmen, und Armstrong präsentierte sich als Musterknabe in Sachen Fairplay, weil er auf der Abfahrt sein Tempo so lange verzögerte, bis sein Herausforderer wieder den Anschluss gefunden hatte.

Danach ging das gnadenlose Duell der beiden weiter. Wie in den Alpen musste Ullrich allerdings die Überlegenheit des zwei Jahre älteren Texaners anerkennen und verlor wie beim Bergzeitfahren in Chamrousse in Saint-Lary-Soulan eine Minute. Durch seinen unbändigen Kampfgeist hatte Ullrich am Samstag endgültig viele Skeptiker auf seine Seite gezogen. Allerdings mäkelte die Veranstalter-Zeitung «L’Equipe» an seiner Taktik und kritisierte, dass es der Telekom- Kapitän im Finale immer wieder auf den Kampf Mann gegen Mann ankommen lasse, dem er gegen Armstrong nicht gewachsen sei.

Eine ähnliche Situation hatte sich beim Aufstieg zum Tourmalet ergeben. Die Nummer 1 und 2 des Vorjahres machten die letzten 38 km zur Chefsache. Zuletzt waren die Ullirch-Helfer Andreas Klöden (Cottbus), Kevin Livingston (USA), im Vorjahr noch in Armstrong-Diensten, und Giuseppe Guerini (Italien) zurückgefallen. Wie an den Vortagen bildete nur noch die Elite des Gesamtklassements die Spitze des Rennens. Am Schlussanstieg waren die beiden Hauptdarsteller der Tour hinter Laiseka und dem Italiener Wladimir Belli allein. Ullrich konnte sich zum ersten Mal im Ziel über einen Zentimeter-Vorsprung vor dem zweifachen Tour-Sieger aus USA freuen.

Der Abschied aus den Bergen fiel den meisten Fahrern leicht. Der Kurs der letzten Pyrenäen-Etappe hatte es trotz kurzer Distanz mit sechs Bergwertungen noch einmal mächtig in sich. Die Schlusssteigung nach Luz-Ardiden war steiler als die nach L’Alpe d’Huez. Die letzten 35 km glichen einer riesigen Achterbahn: Vom Tourmalet (2115 m) hinunter und sofort wieder hoch nach Luz Ardiden (1715). Den zweiten Ruhetag der Tour hatten sich die Fahrer bitter verdient.

swissinfo und Agenturen

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