Bob: Alles oder Nichts bei Olympia?
38 Jahre ist es mittlerweile her, seit Schweizer Bobteams zum letzten Mal ohne olympische Medaille heimreisen mussten.
An der Hauptprobe vor einem Jahr verbuchten Christian Reich, Martin Annen und Reto Götschi auf der Olympiabahn in Park City mit vier von sechs Podestplätzen eine grandiose Bilanz.
Auf den ersten Blick zeichnen sich also rosige Perspektiven ab, zumal bei der olympischen Premiere des Bobsports für Frauen mit Françoise Burdet auch eine Schweizerin unter die ersten drei fahren kann.
Lieblingsbahn
Reich wie Annen bezeichnen den Kurs im Utah Park unisono als eine ihrer Lieblingsbahnen. Im Weiteren zählen alle Schweizer Mannschaften am Start zu den weltweit stärksten Crews. Zudem brauchen Reich und Annen auch bezüglich Material den Vergleich mit der Konkurrenz nicht zu scheuen.
«Ich bin nun schon zum vierten Mal dabei. Olympische Diplome habe ich genug, Vierter war ich auch. Jetzt sollte es schon zu einer Medaille reichen», sagt der 35-jährige Reich.
Für den 28-jährigen Annen hat sich bereits mit der Qualifikation ein Bubentraum erfüllt. «Und wenn einer das Schweizer Ausscheidungs-Prozedere mit Erfolg überstanden hat, kann er an Olympischen Spielen auch bei der Vergabe der Medaillen mitreden», sagt Annen.
Chance für Neuling?
Gegen Annen spricht in erster Linie die mangelnde Erfahrung. Der Schwyzer bestritt erst seine zweite Weltcup-Saison und geriet vorübergehend in ein Tief. Die Baisse sollte zwar überwunden sein, doch haben Neulinge bei Olympia insbesondere im Bobsport einen schweren Stand.
Reich ist zwar weitaus routinierter als Annen und hat schon mehrere WM- und EM-Medaillen gewonnen, als «Winner» gilt der Aargauer aber nicht.
Seine ersten Titelrennen hat Reich erst in diesem Winter für sich entschieden. Einziger noch aktiver Schweizer Welt- und Europameister ist Reto Götschi (36), der nach der missratenen Saison aber nur als Ersatz-Steuermann mit nach Salt Lake City darf.
Amerikaner und Deutsche als Topfavoriten
Reich und Annen ist mithin zuzutrauen, dass sie je zwei Medaillen gewinnen. Im gleichen Atemzug ist freilich festzuhalten, dass auch ein «Nuller» herausspringen könnte.
Denn die Topfavoriten heissen nicht Reich oder Annen, sondern Todd Hays (USA), Christoph Langen (De) und mit dem schweren Schlitten auch Andre Lange (De).
Erfahrene Françoise Burdet
Nahezu gleich wie bei den Männern präsentiert sich die Ausgangslage bei den Frauen: Mit Françoise Burdet (35) startet die Weltmeisterin und dreifache Siegerin im Gesamt-Weltcup für die Schweiz, die ersten Anwärterinnen auf olympische Weihen sind allerdings die beiden deutschen Athletinnen Susi Erdmann und Sandra Prokoff sowie die Amerikanerin Jean Racine.
Die in Silvaplana lebende Burdet hat die Anfangs-Epoche der Sportart zwar dominiert, in den letzten Jahren geriet ihre Vormachtstellung aufgrund der grösseren Konkurrenz und wegen athletischer Defizite aber ins Wanken.
swissinfo und Daniel Good (Si)
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