The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Borodin in Genf in Haft

Pawel Borodin sitzt nun im Genfer Gefängnis Champ Dollon in Untersuchungshaft. swissinfo.ch

Pawel Borodin ist in Genf in Untersuchungshaft und muss sich dort wegen Geldwäscherei und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation verantworten. Der ehemalige Kreml-Verwalter hofft auf eine baldige Haftentlassung. Die Schweiz machte aber keinerlei Zusicherungen.

Borodin traf am Samstagmorgen (07.04.) in Begleitung von drei Genfer Kantonspolizisten mit einem Swissair-Linienflug von New York her kommend auf dem Flughafen Genf-Cointrin ein. Nach Angaben des Bundesamts für Justiz (BJ) wurde er umgehend in der Strafanstalt Champ-Dollon in Untersuchungshaft genommen.

Berichte, wonach der 54-jährige Russe noch am Samstag vom Genfer Untersuchungsrichter Daniel Devaud einvernommen werden sollte, wurden vom BJ nicht bestätigt. Die Durchführung des weiteren Verfahrens sei Sache der Genfer Justiz, sagte BJ-Sprecher Folco Galli. Im Genfer Justizpalast war zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Devaud muss nach der direkten Befragung Borodins über die formelle Anklageerhebung entscheiden.

Keine Zusicherung

Borodin hatte am vergangenen Montag überraschend seiner Auslieferung an die Schweiz zugestimmt. Nach drei negativen Entscheiden zu Haftentlassungs-Gesuchen in den USA hatte Borodin sein Einverständnis zur Auslieferung mit der Hoffnung begründet, in der Schweiz rasch auf freien Fuss zu kommen. Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa hatte aber schon letzte Woche auf die Fluchtgefahr aufmerksam gemacht und erklärt, eine provisorische Haftentlassung komme aus seiner Sicht nur gegen Bezahlung einer bedeutenden Kaution in Frage.

Die Genfer Anklagekammer dürfte voraussichtlich nächste Woche über die Haftentlassung entscheiden. BJ-Sprecher Galli sagte, die Schweiz habe Borodin keinerlei Zusicherungen mit Blick auf die vereinfachte Auslieferung gemacht.

Schwerwiegende Anschuldigungen

Die Genfer Justiz hatte Borodin im Januar letzten Jahres zur Verhaftung ausgeschrieben, nachdem dieser Vorladungen keine Folge geleistet hatte. Es geht um den Vorwurf, Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe über die Schweiz gewaschen zu haben.

Borodin wurde am 17. Januar bei der Einreise in die USA verhaftet. Untersuchungsrichter Devaud ergänzte darauf den Haftbefehl und warf dem Vertrauensmann von Expräsident Boris Jelzin neben Geldwäscherei auch Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vor.

Die Vorwürfe gehen auf ein russisches Rechtshilfegesuch aus dem Jahre 1998 zurück, in dem Borodin zusammen mit anderen hohen Funktionären der Entgegennahme von Bestechungsgeldern der Tessiner Baufirmen Mabetex und Mercata verdächtigt worden war. Das russische Verfahren wurde im letzten Dezember eingestellt. Die Genfer Justiz hielt aber an ihrem eigenen Ermittlungs-Verfahren fest.

Das russische Aussenministerium erinnerte am Samstag an die frühere Stellungnahme von Aussenminister Igor Iwanow, in der er die Schweizer Behörden um ein korrektes Verfahren gegen Borodin ersucht hatte. Es sei sehr wichtig, dass die Angelegenheit nicht verpolitisiert werde, hatte Iwanow damals gesagt.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft