Davis-Cup: 1:1
In der Davis-Cup-Begegnung Russland - Schweiz brachte der erste Tag keine Entscheidung: Roger Federer schlug Marat Safin deutlich in drei Sätzen, Michel Kratochvil unterlag Jewgeni Kafelnikow.
Vor der Abreise nach Moskau hätte der neue Schweizer Teamchef Peter Carter ein Remis nach den ersten beiden Einzeln wohl ohne zu zögern unterschrieben. Nach dem ersten Spieltag konnte der Coach mit dem Zwischen-Ergebnis aber nicht mehr ganz zufrieden sein, denn Kratochvil hatte gegen Kafelnikow, die Nummer 4 der Weltrangliste, lange Zeit alle Trümpfe in der Hand, um den zweiten Punkt einzufahren.
«Wir haben heute eine grosse Gelegenheit verpasst. Wenn wir aber berücksichtigen, was für Spieler die Russen im Team haben, ist unser Abschneiden sicherlich nicht schlecht.» Er könne Kratochvil jedenfalls keinen Vorwurf machen, sagte Carter: «Er wird aus dieser Niederlage lernen.»
Der Ostermundiger führte 2:1 in den Sätzen, lag im vierten Abschnitt zweimal mit Breakvorsprung voran und konnte beim Stande von 6:5 zum Matchgewinn aufschlagen. Dass ihm die Nerven in jenem Moment einen Streich gespielt haben sollen, stellte Kratochvil in Abrede. «Ich habe mir sicher nicht ‚in die Hosen gemacht‘. Vielmehr hatte ich mich auf jenes Game gefreut.»
Noch alles offen
Am Ende stand Kratochvil, der im Rahmen des Davis Cups erst sein drittes Einzel bestritt und erstmals im Ausland antrat, mit leeren Händen da.
«Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich nehme das Positive mit aus dieser Niederlage. Ich habe gesehen, dass ich von den besten Spielern nicht mehr weit entfernt bin. Ich muss mir sicherlich nichts vorwerfen, denn ich habe mein Bestes gegeben.» Mental und körperlich sei er für die Partie vom Sonntag gegen Safin auf jeden Fall bereit. «Ich habe jetzt einen Tag Pause. Ich weiss, dass ich die Chance habe, um ihn zu packen.»
«Trotz der ärgerlichen Duplizität der Ereignisse bei Kratochvil – Kafelnikow hat sich das Schweizer Team alle Optionen offen gehalten, um wie im Vorjahr und zum vierten Mal insgesamt seit der Final-Niederlage von 1992 gegen die USA die Viertelfinals zu erreichen.
Weg weisend wird einmal mehr das Doppel sein, in dem am Samstagnachmittag Federer und Rosset bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Davis Cup aller Voraussicht nach auf Kafelnikow/Safin treffen werden.
Federer brauchte nur 95 Minuten
Federer hatte mit dem 7:5, 6:1, 6:2 gegen Safin für einen idealen Schweizer Auftakt gesorgt. Dem gewonnenen Startabschnitt mass Federer verständlicherweise vorentscheidende Bedeutung zu, zumal Safin zu den ausgesprochenen Stimmungsspielern zählt.
Dass der Russe nicht mehr ins Spiel zurückfand, dafür sorgte Federer gleich zu Beginn der Sätze 2 und 3, in denen er dem Russen jeweils das erste Servicegame abnahm.
Ihm habe zu Beginn das Timing gefehlt, zudem sei er auf dem Sand schlecht zum Ball gerutscht, analysierte Federer. In den heikelsten Momenten des ersten Satzes agierte er indes ruhig und abgeklärt: Zweimal machte er bei eigenem Service ein 0:30 wett, beim Stand von 1:2 wehrte er einen Breakball Safins ab.
Federer hat damit auch die zweite Begegnung mit Safin für sich entschieden. Erstmals hatte er den 22-Jährigen im vergangenen Mai in Rom ebenfalls auf Sand bezwungen. Jene Partie war allerdings wesentlich umkämpfter gewesen; Federer siegte damals im Tiebreak des dritten Satzes.
Demgegenüber hat sich für Safin vorerst nicht ausbezahlt, dass er nach seiner Final-Niederlage im Australian Open kein Turnier mehr bestritten und sich während rund anderthalb Wochen auf den Davis Cup vorbereitet hat.
swissinfo und David Bernold, Moskau (Si)
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