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Die internationale Presse

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Die internationale Presse leuchtet viele Aspekte der Terroranschläge gegen die USA aus. Ein Haupttenor ist dabei: Es waren Anschläge gegen die Menschlichkeit und gegen das Zusammenleben auf diesem Planeten.

Die NEW YORK TIMES schreibt in ihrer Mittwochs-Ausgabe, die USA seien in einen Kampf gestossen worden. In einen Kampf mit einem Feind, der schwierig auszumachen sei:

«Amerikas Sicherheitsgefühl wurde ein schwerer Schlag versetzt. Genauso schlimm aber wird der Schock danach sein, wenn die Leute feststellen, dass Verwandte und Freunde unter schrecklichen Umständen ums Leben kamen.»

Die WASHINGTON POST meint, dass das Land irgendwie «geschlossen wurde», als der Schock des «Schwärzesten Tages» um sich griff:

«Disney World schloss die Pforten. Auch die Liberty Bell, Sears Tower in Chicago. Dann das Hauptquartier von Coca Cola in Atlanta, die Gateway Arch in St. Louis und auch die Transamerica Pyramide in San Francisco. Geschlossen wurde ebenfalls das grösste Einkaufszentrum der Welt in Minnesota. Geschlossen auch die 3’700 Starbucks Kaffees.»

Die INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE nennt den unfassbaren Anschlag ein «modernes Pearl Harbour» und fährt fort:

«So wie der japanische Angriff seinerzeit die USA überrascht aber auch aufrüttelte und letztlich zu Tokios Niederlage führte, könnte die Gräueltat vom Dienstag eine amerikanische Gegenreaktion auslösen, die ihrerseits wieder neue Terroranschläge zur Folge hat.»

Herausforderung beginnt erst

Die LOS ANGELES TIME schreibt in ihrer Mittwoch-Ausgabe, dass der wahre Test für Präsident Bush in den kommenden Wochen anstehe:

«Die grösste Herausforderung, die ein amerikanischer Präsident zu bewältigen hat, ist ein Krieg. Präsident Bush, der die Wahlen in einer Zeit des Friedens und der Prosperität gewonnen hat, ist urplötzlich in eine härtere Bewährungsprobe gestossen worden, als das irgend jemand erwartet hätte.»

In Europa schreibt die italienische LA REPUBBLICA in Rom, dass der Westen im Herzen getroffen wurde:

«Das ist der erste Akt der Geschichte, die wir nicht kennen, weil es um einen für den Westen unsichtbaren Feind geht sowie um die plötzliche Verletzlichkeit der Welt-Supermacht. Wir wissen nur, dass das Datum 11. September 2001 den Gang der Epoche verändert.»

LE FIGARO, die konservative französische Tageszeitung, spricht nach den Anschlägen in den USA von einem neuen Krieg gegen den Westen:

«Es ist ein Krieg, der ganz bewusst einbezieht, dass dies eine visuelle Gesellschaft der Bilder ist. Und welcher der Welt die Gewalt und die Stärke dieser islamischen Bedrohung zeigt, von der manche meinten, sie nehme ab.»

Für LE MONDE ist nun ein «point de non-retour», ein Punkt an dem man nicht mehr zurückkönne, erreicht. Das alles gehe eigentlich viel tiefer, es sei zu einer Angelegenheit der zivilisierten Menschheit geworden:

«Die Zerstörung in New York ist wie eine symbolische Zerstörung von New York. Das alles ist ein Angriff gegen die Idee der Stadt. Und so ein Angriff gegen das Zusammenleben.»

Knackpunkt Raketenschutzschild

Über die Konsequenzen aus den Terroranschlägen in den USA schreibt die niederländische sozialdemokratisch orientierte Zeitung DE VOLKSKRANT:

«Der Angriff auf Amerika wirft ein neues Licht auf das umstrittene Streben Amerikas nach einem Raketenschutzschild. Man darf gar nicht daran denken, was geschehen würde, wenn Städte wie New York, Washington oder Berlin nicht durch gekaperte Flugzeuge sondern durch eine Rakete mit atomarer, chemischer oder biologischer Ladung getroffen würde.»

Die Terroranschläge in den USA interpretiert die russsiche Tageszeitung ISWESTIJA als Ankündigung der Konflikte des 21. Jahrhunderts:

«Der grösste Albtraum und die allerschlimmste Katastrophe waren die triumphierenden Menschen auf den Strassen der moslemischen Städte. Ihre Freude bedeutet Krieg. Für Krieg gibt es immer nur eine Ursache und einen Anlass: Wahnsinn.»

KOMSOMOLSKAJA PRAWDA findet auch, nun komme niemand mehr zur Ruhe und die Terroranschläge seien eine Herausforderung für die Weltgemeinschaft:

Weltpolitik radikal verändert

«Seit dem Dienstag hat sich die Situation in der Weltpolitik radikal geändert. Der Terrorismus galt zuvor schon als eine Bedrohung der Welt. Nun ist er zum Hauptfeind der Weltgemeinschaft geworden.»

Die auflagenstärkste und unabhängige bulgarische Tageszeitung TRUD meint:

«Die Welt ist nicht mehr die selbe. Beginnt die Apokalypse?»

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt von einem Anschlag auf die gesamte Menschheit und dass die Taliban in Afghanistan nun die Reaktion der USA fürchten, denn sie würden Osama bin Laden, der im Zentrum der Schuldvermutung steht, schützen:

«Sie müssen die Blicke gespürt haben, die aus aller Welt auf sie gerichtet waren. Sonst hätten sie nicht so schnell reagiert. Der Rauch über den Trümmern in New York und Washington hatte sich noch nicht verzogen, da setzten die ansonsten so medienscheuen Taliban-Herrscher aus Afghanistan gleich zwei Pressekonferenzen an um mitzuteilen: Wir haben nichts mit dem Terror-Inferno zu tun, und Osama bin Laden ist unschuldig.»

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE spricht ganz klar von einer Kriegserklärung und relativiert diesen harten Ausdruck aber dann:

«Dies dürfte in der Debatte um die richtige Sicherheitspolitik diesseits und jenseits des Atlantiks möglicherweise europäischen Szenarien Auftrieb geben, die neben allen Konzepten von Rüstung und Abschreckung auch auf Einbindung und Dialog setzen.»

swissinfo und Agenturen

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