Es braucht nur noch gute Sicht
Mehr als 200 Leute haben der Piste am Lauberhorn in diesen Tagen den letzten Schliff gegeben. Sie ist in einem "hervorragenden Zustand", sagt Rennleiter Urs Näpflin.
«Die Piste ist so gut präpariert, dass ihr eigentlich nichts passieren kann. Auch ein Wärmeeinbruch würde uns nicht in Verlegenheit bringen», erklärt Urs Näpflin. «Schlimm wäre Wetter, welches ein Rennen wegen schlechter Sicht verhindert.»
Noch nah ist die Erinnerung an letztes Jahr, als die Abfahrt abgesagt werden musste. Dies, weil im Tal dickster Nebel lag, während oben beim Starthaus die Sonne schien. Nur der Slalom konnte durchgeführt werden.
Bis zu 700 Helferinnen und Helfer
Doch an schlechtes Wetter mag in Wengen zur Zeit niemand denken. OK-Präsident Viktor Gertsch vertraut auf die Wetterprognosen, die für Samstag, den Tag der Abfahrt, «eigentlich gut» seien. Und die Helferinnen und Helfer denken momentan wohl in erster Linie an ihre Arbeit. Seit Anfang Januar haben alleine an der Piste 260 Leute gearbeitet. In dieser letzten Woche vor dem Rennen haben sie auf der Abfahrtsstrecke die Kurven mit Wasser präpariert. Und zum Schluss Torstangen gesetzt und kleinere Abpolsterungen montiert.
An den Renntagen werden noch mehr Helfer dazustossen: Insgesamt 600 bis 700 aus der ganzen Schweiz werden es sein. «Ohne sie wären wir nicht mehr in der Lage, diese riesigen Anstrengungen und die wirklich sehr grossen Arbeiten noch auszuführen», sagt Näpflin. Denn: Wengen hat gerade mal 1’000 Einwohner, wie Viktor Gertsch betont. Ein Grossteil sei in der Zeit des Lauberhornrennens damit beschäftigt, die Infrastruktur des Ortes zu betreiben.
Die Helfer sind zum grössten Teil Armee- und Zivilschutzkräfte. Aber auch ein paar Hundert Fans helfen jedes Jahr in Wengen aus, dies sind etwa Vereine oder auch Einzelpersonen. Zum Dank erhalten sie einen Skipass, ein Lunchpäckli und laut Gertsch «etwa alle drei Jahre einen Hut»…
In Sicherheit investiert
Wichtige Arbeiten leisten die Helferinnen und Helfer unter anderem im Bereich der Sicherheit. So werden die Sicherheits-Netze laut Näpflin von Armee und Zivilschutz platziert. Geführt würden diese Leute von Chefs, die bereits seit Jahren am Lauberhorn im Einsatz sind und genau wissen, was wie installiert werden muss.
Unweigerlich schweifen die Gedanken beim Thema Sicherheit zu Silvano Beltrametti, der bei der Weltcup-Abfahrt in Val d’Isère stürzte, das Sicherheits-Fangnetz durchschlug und nun gelähmt ist. Gedanken, die auch Urs Näpflin nah sind. Er betont jedoch, es habe am Lauberhorn «nicht erst seit dem tragischen Unfall von Silvano» eine starke Entwicklung in der Sicherheit stattgefunden.
1986 seien beispielsweise 4 Kilometer B-Netze verwendet worden (2m hoher Zaun), heute würden 13 Kilometer aufgestellt. In den letzten zwei Jahren wurden für die Abfahrtsstrecke 320’000 Franken in Sicherheits-Vorkehrungen investiert.
Dank dem Kunstschnee und Wetter
Gearbeitet wird an der Lauberhornpiste seit dem ersten Frost Ende November. «Der Schnee auf der Rennstrecke ist zu hundert Prozent künstlich hergestellter Schnee», sagt Urs Näpflin. «Man verstösst den sehr kompakten Schnee in genügender Breite, dass auch die Sturzräume abgedeckt sind». Gebe es dazu etwas Neuschnee, so helfe dies natürlich.
Neben dem Beschneien und dem Einsatz der Helfer habe auch das gute Wetter in letzten Tagen dazu beigetragen, dass die Piste in «hervorragendem Zustand» sei. Die Schneelage sei kompakt, auf der ganzen Abfahrtsstrecke und auch am Slalomhang – beste Voraussetzungen also für die Athleten.
Nach seinem Triumph im Riesenslalom visiert Didier Cuche denn auch in der Abfahrt einen Podestplatz an. Franco Cavegn verpasste diesen in den letzten fünf Abfahrten nur um Sekundenbruchteile, und auch Bruno Kernen rückt immer näher an Spitze heran. Cheftrainer Dieter Bartsch steckt selbst das Ziel sehr hoch: «Jetzt wollen wir nicht nur Podestplätze, sondern Siege.»
Kathrin Boss Brawand
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