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Schweizer Nati in Kanada: «Für Vancouver ist es Business as usual – für die Schweiz ein Jackpot»

Vancouver Skyline mit Fussball
Die Schweizer Fussballnationalmannschaft trifft in Vancouver auf Gastgeber Kanada. Copyright 2026 The Associated Press. All Rights Reserved

Die Fussball-WM ist in Vancouver allgegenwärtig. Für Thomas Schneider, den Schweizer Generalkonsul vor Ort, ist das Duell zwischen der Schweiz und Gastgeber Kanada ein Glücksfall. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen – und die Hoffnung auf weitere Nati-Spiele an der Westküste lebt.

Auf der Granville Street spielen Fans Fussball zwischen Foodtrucks und Fotoboxen, vor den Pubs sammeln sich Anhänger aus aller Welt, und an Spieltagen strömen mehr als 50’000 Menschen ins Stadion.

Doch nur wenige Strassen weiter wirkt alles überraschend normal.

«Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue, merke ich ehrlich gesagt nicht viel von der WM», sagt Thomas Schneider, Generalkonsul der Schweiz in Vancouver. Sein Büro liegt direkt am Canada Place, wo täglich Kreuzfahrtschiffe anlegen, die Tausende Touristen und Touristinnen in die Stadt bringen. Viele Leute in Vancouver: «Das ist Business as usual.»

Ganz so gewöhnlich sind die letzten Monate für Schneider und sein Team allerdings nicht verlaufen. Seit vergangenem Herbst bereitet sich das Generalkonsulat auf die Fussball-Weltmeisterschaft vor. Es gab Briefings mit den Organisatoren, Gespräche mit Polizei und Behörden sowie Vorbereitungen für den Fall, dass Schweizer Fans Hilfe benötigen.

Das Schweizer Generalkonsulat.
Das Schweizer Generalkonsulat in Vancouver liegt direkt am Canada Place. Svetlana Day / Dreamstime.com

Eine grosse Chance für die Schweiz

«Seit mehr als einem halben Jahr beschäftigen wir uns intensiv mit der WM», sagt Schneider. Aber auch solche Vorbereitungen seien «Business as usual» für eine Schweizer Vertretung im Ausland.

Besonders glücklich hat Schneider die Auslosung der Gruppen für die Fussballweltmeisterschaft im vergangenen Dezember gemacht. Dass die Schweiz ausgerechnet in Vancouver gegen Gastgeber Kanada spielt, bezeichnet er als «Jackpot».

Für die Schweizer Präsenz in Kanada sei das Spiel eine grosse Chance. Die Schweiz bekomme im Moment viel Aufmerksamkeit. Seit der Auslosung sei das Duell zwischen den beiden Ländern immer wieder Gesprächsthema, sei es im beruflichen oder privaten Kontext.

Mit 41’958 registrierten Schweizerinnen und Schweizern lebt in Kanada die fünftgrösste Auslandschweizer-Gemeinschaft der Welt – nach Frankreich, Deutschland, den USA und Italien.

Hoffnung auf weitere Nati-Spiele in Kanada

Auch die Schweizer Community vor Ort interessiert sich für die Fussball-WM. Das Generalkonsulat informiert über Newsletter, soziale MedienExterner Link und eine eigens eingerichtete WM-ZusatzseiteExterner Link. In einem Pub im Stadtzentrum wurde eine Schweizer Fanbase eingerichtet.

Das Resultat gegen Katar sorgte allerdings für Ernüchterung. Schneider verfolgte die Partie ebenfalls. «Die Erwartungen waren sehr hoch», sagt er. Der späte Ausgleich sei «extrem ärgerlich» gewesen. «Wir waren alle ein bisschen sprachlos», so Schneider. Nach dem Sieg gegen Bosnien-Herzegowina seien die Chancen auf den Gruppensieg intakt.

Wenn die Schweizer Nationalmannschaft in Nordamerika antritt, jubeln ihr nicht nur angereiste Fans zu. Sie spielt auch vor vielen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, die in den USA und Kanada leben.

Swissinfo hat im Vorfeld der WM mit Schweizerinnen und Schweizern in San Francisco, Los Angeles und Vancouver gesprochen – drei Städte, in denen die Nati spielen wird. Wie erleben sie das Turnier in ihrer neuen Heimat? Und was bedeutet es für sie, die Schweiz plötzlich vor der eigenen Haustür spielen zu sehen?

Den Auftakt machte eine Schweizer Familie im Silicon Valley. Danach sprachen wir mit Micky Hohl in LA. Das letzte Schweizer Gruppenspiele in Nordamerika ist:
Schweiz – Kanada, 24.06.2026, Vancouver

Ganz uneigennützig sind diese Hoffnungen nicht: Gewinnt die Schweiz ihre Gruppe, würde auch das Sechzehntelfinale in Vancouver stattfinden. Mit weiteren Erfolgen könnte sogar noch ein drittes Spiel hier vor Ort stattfinden. «Im Hinterkopf planen wir natürlich damit», sagt Schneider und lacht. Zu viel Druck wolle er damit aber der Schweizer Nati nicht machen.

Er ist aber überzeugt: «Vancouver ist eine coole Stadt und ein idealer WM-Austragungsort.» Das Meer, die Berge und das gut gelegene Stadion seien nur einige wenige Vorzüge.

Fussballfan seit Kindheitstagen

Thomas Schneider
Generalkonsul Thomas Schneider zVg

Die WM beschäftigt das Generalkonsulat aber nicht nur aus organisatorischen Gründen. Schneider ist selbst ein leidenschaftlicher Fussballfan. Er wuchs in Muri bei Bern auf, sein Vater war Präsident des FC Muri-Gümligen. «Ich sage immer, ich sei auf dem Fussballplatz zur Welt gekommen.»

Während seiner langen Karriere beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten erlebte er bereits eine Weltmeisterschaft an seinem Einsatzort: Die WM 1998 in Frankreich. Damals schaffte er es sogar, Tickets für den Final in Paris zu ergattern und den französischen Triumph live mitzuerleben.

2022 fieberte Schneider als Fan mit der Schweizer Nati in Katar mit. Und jetzt freut er sich auf das Spiel im BC Place-Stadion in Vancouver.

Ticketfrust trotz WM-Euphorie

Doch längst nicht alle Auslandschweizer:innen vor Ort hatten Glück: «Es ist praktisch unmöglich, Tickets zu bekommen, und die Preise sind verrückt», schrieb uns etwa eine Schweizerin aus Vancouver. Schneider bestätigt, dass die hohen Ticketpreise viele Fans von einem Stadionbesuch abhalten.

Wie viele Schweizer Fans tatsächlich extra fürs Spiel nach Kanada reisen werden, wisse niemand ganz genau. Schneider rechnet mit rund 4000 Schweizerinnen und Schweizern, aber auch das: Business as usual. «Es gibt täglich einen Direktflug von Zürich nach Vancouver. Mit 10’000 Schweizer Touristinnen und Touristen pro Jahr sind wir es uns gewohnt, Landsleute hier zu haben», so der 59-Jährige.

Für Schneider steht vor dem Spiel vor allem eines im Vordergrund: «Ich erwarte ein Fussballfest.» Die Voraussetzungen dafür sind gut. Die Schweizer Nationalmannschaft hat noch alle Chancen. Nun muss sie nur noch den Schalter umlegen.

Dass die Mannschaft dazu fähig ist, daran zweifelt Schneider nicht. Gefragt nach seinem Lieblingsspieler muss Schneider nicht lange überlegen. Seine Wahl fällt auf Breel Embolo. «Er ist auch neben dem Platz eine interessante Persönlichkeit», sagt er. Schneider schätzt Spieler mit Ecken und Kanten – und hofft, dass Embolo und seine Teamkollegen in Vancouver noch für grosse WM-Momente sorgen werden.

Editiert von Marc Leutenegger

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