Hürde Halbfinal
Wieder einmal war ein Halbfinal Endstation für Martina Hingis. Bei ihrem Comeback nach fünfwöchiger Pause unterlag die Schweizerin in San Diego in Kalifornien der Amerikanerin Monica Seles mit 3:6, 4:6.
In beiden Sätzen gab Hingis gleich zu Beginn ihren Aufschlag ab und konnte die Verluste nicht mehr wettmachen. Seles, WTA-Nummer 10 und in San Diego als Nummer 7 gesetzt, liess sich von Hingis‘ Taktik, die Gegnerin mit langen Ball- und vielen Tempowechseln zu ermüden, nicht einschüchtern, sondern hiel mit solidem Grundlinienspiel und viel Laufarbeit dagegen. «Monica spielte stark. Wenn sie selber attackierte, tat sie dies mit grosser Genauigkeit. Zudem war sie konditionell absolut auf der Höhe», fasste Hingis die 68 Minuten dauernde Partie zusammen. Die 27-jährige Amerikanerin, die wegen eines Ermüdungsbruchs im Fuss fünf Monate lang ausfiel, spielte ihr erst drittes Turnier seit März. Offensichtlich hat sie inzwischen zur alten Stärke zurück gefunden und einen Tag nach der Nummer 2 (Capriati) auch die Nummer 1 der Weltrangliste eliminiert.
Gegen Monica Seles hatte Hingis zuvor in 15 Partien erst zweimal verloren. Beide Niederlagen erlitt sie im Sommer 1998 in Paris und in Montreal. Danach feierte sie sieben Siege in Serie. Schon vier Mal blieb Martina Hingis im letzten halben Jahr bei einem WTA-Turnier in den Halbfinals hängen, und jedes Mal war eine andere Spielerin ihre Bezwingerin: In Indian Wells scheiterte sie an Kim Clijsters, in Key Biscayne an Venus Williams, in Rom an Amélie Mauresmo und beim French Open an Jennifer Capriati. Letztmals hat Hingis Ende April in Charleston einen Final erreicht, wo ihr ebenfalls Capriati im Weg stand. Der letzte Turniersieg der Schweizerin datiert vom 25. Februar, als sie in Doha die Französin Nathalie Tauziat im Endspiel bezwang.
Für den Sieg im Viertelfinal gegen die Japanerin Ai Sugiyama (6:3, 6:4) benötigte Hingis 71 Minuten. Es wären sogar weniger geworden, wenn die Schweizerin im zweiten Satz nicht einen 0:3-Rückstand hätte aufholen müssen. «Ich glaube einen sehr guten Match geliefert zu haben», sagte Hingis, nachdem sie die schlechte Erinnerung an die Olympischen Spiele in Atlanta getilgt hatte; vor fünf Jahren hatte sie dort in der 2. Runde gegen Sugiyama verloren.
swissinfo und Agenturen
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