Joe Ackermann muss vor Gericht
In der Mannesmann-Affäre kommt es zum Prozess: Das Gericht in Düsseldorf hat die Anklage gegen den Schweizer Josef Ackermann, den Chef der Deutschen Bank, zugelassen.
Neben Ackermann finden sich fünf weitere Top-Manager auf der Anklagebank.
Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte am Freitag, dass das Landgericht Düsseldorf die Anklage gegen Ackermann zugelassen habe.
Am Samstag erklärte ein Sprecher des Landgerichts, auch die Anklagen gegen die fünf weiteren Beschuldigten seien vom Gericht zugelassen worden.
Damit kommt es in Deutschland zu einem spektakulären Wirtschafts-Strafverfahren. Es geht um eine mutmassliche Schadenssumme von insgesamt knapp 60 Mio. Euro (damals 111 Mio. DM).
Ackermann hat Rückendeckung
Der Bank-Sprecher erklärte, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Unternehmens seien informiert worden. Der Aufsichtsrat und der Vorstand stünden hinter Ackermann, der ihre «volle Unterstützung» habe.
Das Management sei überzeugt, dass sich Ackermann, der die Vorwürfe stehts bestritten hatte, korrekt und sachgerecht verhalten habe. Man halte die Anklage daher für unbegründet.
In der Mitteilung an die Mitarbeiter heisst es weiter, die Deutsche Bank hoffe, dass sich in dieser Angelegenheit, die weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben könnte, «Recht und Vernunft durchsetzen» würden.
Ackermann erhielt über das Wochenende auch Unterstützung von höchster politischer Ebene. Der deutsche Finanzminister Hans Eichel wies Forderungen nach einem Rücktritt des Schweizer Bankers wegen des bevorstehenden Prozesses zurück. Und Angela Merkel, Chefin der CDU (und damit der Opposition) warnte vor Vorverurteilungen.
Ackermann selbst erklärt am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Dubai: «Meine Position ist klar … wir sollten hier nicht über politische Themen aus Deutschland diskutieren.» Er verwies lediglich auf das am Freitag veröffentlichte Statement der Deutschen Bank.
Langwierige Ermittlungen
Die Ermittlungen in der Mannesmann-Affäre hatten sich über rund zwei Jahre hingezogen. Es geht um Abfindungen und Prämien in Millionenhöhe. Die Beträge sollen nach der Übernahme-Schlacht um den Industriekonzern Mannesmann durch die britische Mobilfunk-Gesellschaft Vodafone an Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre von Mannesmann verteilt worden sein.
Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank und ehemaligen Aufsichtsrat bei Mannesmann, droht ein Prozess wegen besonders schwerer Untreue. Im Falle einer Verurteilung könnte das Strafmass bis zu zehn Jahre Haft betragen.
5 Weitere Personen im Visier
Neben Josef Ackermann sind IG Metall-Chef Klaus Zwickel – ebenfalls ehemaliger Aufsichtsrat bei Mannesmann – und der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser angeklagt.
Zu den weiteren Angeschuldigten zählen der ehemalige Mannesmann- Aufsichtsratschef Joachim Funk, Betriebsratschef Jürgen Ladberg und Personalchef Dietmar Droste, gegen den als einzigen nur wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt wird.
Verstoss gegen das Aktienrecht
Bei der unfreundlichen Übernahme von Mannesmann durch Vodafone hatten die Beschuldigten nach Angaben des Landgerichts Düsseldorf einen Schaden von bis zu knapp 60 Mio. Euro verursacht. Mehrere Zahlungen von Prämien und Pensionen hätten den Interessen des Unternehmens und den Bestimmungen des Aktienrechts widersprochen.
Besonders die «Anerkennungsprämien» hätten «allein der Bereicherung der Begünstigten» gedient, nicht dem Wohl des Unternehmens, hatte das Gericht in Düsseldorf im Februar erklärt. Es handle sich um «bewusste Schädigungen des Gesellschaftsvermögens und um schwer wiegende Pflichtverletzungen», hatte es geheissen.
Alle wussten Bescheid
Mannesmann-Chef Essers Darstellung, wonach mit den Prämien seine Leistungen besonders hinsichtlich des Börsenkurses honoriert werden sollten, ist nach Ansicht der Staatsanwälte widerlegt. Ebenso seine Aussage, er habe auf die Sonderzahlungen keinen Einfluss genommen.
Esser und Aufsichtsratchef Funk hätten sich als Gegenleistung für ihre Zustimmung zu einer Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone erhebliche Sonderzahlungen zusichern lassen und sich so über ihre nach dem Aktienrecht festgelegten Zuständigkeiten hinweggesetzt.
Zwickel und Ackermann hätten die Beschlüsse mit durchgesetzt, obwohl sie von deren Rechtswidrigkeit gewusst hätten, argumentiert die Staatsanwaltschaft.
Frist von 2 Monaten
Die Anklageschrift umfasst 460 Seiten, die Prozessakten 31 Bände. Die Ankläger haben 61 Zeugen benannt, darunter auch Wirtschaftsprüfer des damals für Mannesmann tätigen Wirtschaftsprüfers KPMG.
Das Düsseldorfer Landgericht hatte den Verteidigern im Februar eine zweimonatige Frist für Stellungnahmen eingeräumt, bevor es einen Entscheid fällen würde, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird und damit in einen der spektakulärsten Wirtschafts-Strafprozesse in Deutschland mündet.
swissinfo und Agenturen
Joe Ackermann gilt als erfolgreichster Schweizer Banker in Deutschland.
Er ist einer von sechs Angeklagten in der Mannesmann-Affäre.
Es geht um Zahlungen in Höhe von 60 Mio. Euro bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone.
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