Lob von Eizenstat
Nach der Kritik das Lob: Der frühere US-Unterstaatssekretärs Stuart Eizenstat äussert sich zum Schlussbericht der Bergier-Kommission.
Im Vergleich mit ähnlichen Historiker-Kommissionen anderer Länder stehe jene der Schweiz punkto Tiefe, Gründlichkeit und Selbstkritik an der Spitze, erklärte Eizenstat in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».
Die Schweiz dürfe auf die Bergier-Kommission stolz sein, erklärte Eizenstat weiter. Der damalige US-Unterstaatssekretär hatte mit seiner Mitwirkung an zwei kritischen Berichten zur Weltkriegs-Vergangenheit der Schweiz die ganze Debatte mit in Gang gebracht.
Kommissionsarbeit wichtiger als Entschädigungszahlungen
Er sei überzeugt, dass die Schweiz gestärkt aus der schmerzlichen Analyse der Kommission hervorgehen werde, erklärte Eizenstat in dem Interview weiter. Er stellte zudem die Bedeutung der Bergier-Kommission über die Entschädigungs-Zahlungen der Schweizer Banken.
Es sei zwar wichtig, das Opfer des Holocaust ihr Geld zurückerhalten würden. Am wichtigsten aber sei es, die eigene Vergangenheit einer kritischen Analyse zu unterziehen, so Eizenstat weiter.
Schade, dass es 50 Jahre dauerte
Positiv am Bergier-Bericht sei, dass dieser sich nicht auf die Bankkonten beschränkt habe, sondern die Flüchtlingepolitik, die allgemeinen Beziehungen der Schweizer Wirtschaft und die Rolle der Nationalbank ebenfalls ins Visier genommen habe.
Schade sei dagegen, dass diese Analyse erst 50 Jahre nach Kriegsende an die Hand genommen worden sei. «Denn in dieser Zeit hat sich in der Schweiz eine Geisteshaltung etabliert, die es der Öffentlichkeit schwerer macht, die Ergebnisse des US-Berichts von 1997 und des Bergier-Berichts zu akzeptieren», befand Eizenstat weiter.
Eizenstat räumt Fehler ein
Der ehemalige Unterstaatssekretär räumte ferner ein, in seinen beiden Berichten von 1997 und 1998 missverständliche Formulierungen gewählt zu haben, die in der Schweiz für Aufregung gesorgt hätten.
Er bezog sich dabei einerseits auf seine Aussage im Vorwort zum ersten Bericht, wonach die Neutralität im Zweiten Weltkrieg unmoralisch gewesen sei. Damit habe er einzig ausdrücken wollen, dass die Neutralität in jener Zeit, «angesichts des Bösesten, das die Welt je gesehen hat», problematisch gewesen sei und in einem Konflikt zur Moral gestanden habe.
Die gleichenorts gemachte Aussage, die neutralen Staaten hätten zur Kriegsverlängerung beigetragen, war laut Eizenstat ebenfalls «ungünstig formuliert». Das Vorwort des Berichts führe aber aus, dass der kumulative Effekt der Handlungen aller neutralen Staaten den Krieg verlängert habe.
Kritik an Blocher
Eizenstat übte auch Kritik an SVP-Nationalrat Christoph Blocher. Dieser habe aus den Entschädigungszahlungen politisches Kapital geschlagen und so seine Partei zur zweitstärksten in der Schweiz gemacht.
swissinfo und Agenturen
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