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Nahost: Der Kampf der Zivilgesellschaft

Eine Jüdin und ein Palästinenser zusammen an einem Tisch in Bern. Ein Symbol. [Keystone] Keystone

Die Bürgerinitiativen zugunsten des Friedens mehren sich. Juden und Araber in der Schweiz haben zusammen ein Manifest verfasst

«Wir erwarteten, ein paar Dutzend Unterschriften sammeln zu können, jetzt habe wir bereits 400», freut sich der jüdische Journalist und Schriftsteller Pierre Hazan, Mitinitiator des «Manifests für einen gerechten Frieden im Nahen Osten».

Am Mittwoch legten die Autorinnen und Autoren des Textes vor dem eidgenössischen Parlament in Bern ihre Ideen dar. Das Manifest nahm seinen Anfang im Februar mit 200 Unterschriften jüdischer und arabischer Persönlichkeiten.

Offene Aktion

Darauf beschlossen die Initianten, mit einer allgemeinen Unterschriftensammlung weitere Unterstützung zu suchen. Und die bisher 400 zusammengekommenen Stimmen sind nicht das Ende, denn die Aktion geht auf der Webpage des Manifests weiter.

Allerdings scheinen 200 Unterschriften als Anfang nicht sehr viel, wenn man weiss, dass nahezu 70’000 Menschen jüdischer und arabischer Herkunft in der Schweiz leben. «Wir hatten nie im Sinn, an alle zu gelangen», betont der arabisch-stämmige Buchhändler und Herausgeber Alain Bittar.

Da der Text den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten einschliesslich Ostjerusalems verlangt, dürfte er bei der jüdischen Gemeinschaft nicht auf einhellige Akzeptanz stossen. Aber Hazan weist auf die Tatsache hin, dass nicht die beiden Gemeinschaften, sondern Bürgerinnen und Bürger, die in Sorge sind wegen der wachsenden Gewalt, die Initiative ergriffen haben.

«Wenn wir Frieden wollen, muss jedes Lager Konzessionen machen», meint Bittar. Und fügt spitzbübisch bei: «Was wir vorschlagen, gleicht sehr dem Plan von Prinz Abdallah, aber ich kann Ihnen versichern, dass wir uns nicht abgesprochen haben.»

Auch die Kirchen

Seit der Radikalisierung des Konflikts im Nahen Osten mehren sich solche Bürgerinitiativen in der Schweiz. Anfangs Jahr trafen sich Abgeordnete des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes mit Aussenminister Joseph Deiss, um ihm ihre Besorgnis kund zu tun.

Und seither fordert die Kirche regelmässig die offizielle Schweiz auf, jede Friedensinitiative im Nahen Osten zu unterstützen. Auch die katholische Kirche schloss sich an und prangert auf ihrer Webpage das eskalierende «Auge um Auge …» an.

Diese Sorge teilen auch die Hilfswerke, und sogar das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) beurteilte die Situation als schwerwiegend genug, um aus seiner üblichen Reserve herauszukommen.

«Normalerweise sind wir mit unseren diplomatischen Aktivitäten ziemlich diskret, um effizient arbeiten zu können», erklärt ein Sprecher des IKRK. «Aber diesmal erlaubten wir uns wegen der sehr ernsten Lage einige recht deutliche Mitteilungen.»

Das Gewicht der Genfer Konventionen

Wie reagiert die Schweizer Diplomatie auf diese starken Signale aus der Zivilgesellschaft? Bei seinem Treffen mit den protestantischen Kirchenvertretern soll Bundesrat Deiss zu verstehen gegeben haben, dass für ihn die Lösung in einer gemeinsamen Intervention der internationalen Gemeinschaft liege.

«Aber eigentlich schien er ebenso unsicher wie wir. Es scheint, dass die Leute im Aussenministerium schlicht nicht mehr wissen, was sie tun sollen», erinnert sich ein Teilnehmer des Treffens.

Am Mittwoch hat das Ministerium jedenfalls auf die Vorstellung des Manifests im Bundeshaus offiziell nicht reagiert. Aber seit mehreren Monaten hat Bern gegenüber der Regierung Sharon immerhin einen recht bestimmten Ton angeschlagen.

«Als Depositarstaat der Genfer Konventionen hat die Schweiz im Nahen Osten sicher eine grosse Rolle zu spielen», findet Bittar seinerseits.

swissinfo/Marc-André Miserez

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