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Qualitätsbewusste Schweizer

Von weniger Leistung im Gesundheitswesen wollen die Schweizer trotz hohen Kosten nichts wissen. swissinfo C Helmle

Steigende Prämien, zu teure Medikamente, zu viele Ärzte und Spitäler: Im Schweizer Gesundheitswesen krankt es an allen Ecken.

Doch eine Studie zeigt: Schweizerinnen und Schweizer wollen ein qualitativ hochstehendes Gesundheitssystem.

In rund einer Woche ist es wieder soweit. Bundesrätin Ruth Dreifuss wird die nächste Runde in der Spirale der stetig steigenden Krankenkassenprämien einläuten. Wie jedes Jahr werden die Erhöhungen wohl happig und der Aufschrei in den Medien laut sein.

Für immer mehr Menschen würden diese steigenden Prämien zum Problem, sagt beispielsweise das Initiativkomitee «Prämienverbilligung», das im Kanton Zug für eine soziale Verbilligung der Prämien kämpft.

Sowohl Regierung als auch alle Parteien sind sich einig: Es muss etwas getan werden, um die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Verschiedenste Vorschläge liegen auf dem Tisch. Die Einführung einer Einheitskasse ist dabei nur eines der möglichen Rezepte. Doch die Meinungen sind gespalten.

Kostenexplosion

Derweil scheinen die Kosten im Gesundheitswesen zu explodieren. Im Bundeshaus werden zur Zeit gleich mehrere «Baustellen» bearbeitet: 11. AHV-Revision, 4. IV-Revision, Pensionskassen-Mindestzinssatz, Krankenversicherungsgesetz und so weiter. Und überall werden die Prämien angehoben, die Zinssätze gesenkt.

Ein Bericht des Departements des Innern (EDI) kommt zum Schluss, dass bis ins Jahr 2010 zusätzliche 13 Mrd. Franken für die Sozialversicherungen benötigt werden. Geld, welches die Versicherten beisteuern müssen.

Im Bereich der Krankenversicherungen spricht das EDI davon, dass die Krankenkassenprämien über die nächsten Jahre stärker steigen werden als das Wirtschaftswachstum.

Keine Einschränkungen

Trotz der steigenden Kosten wünschen sich Schweizerinnen und Schweizer aber ein qualitativ hochstehendes Gesundheitssystem. Dies zeigen die Zahlen des Berner GfS-Forschungsinstituts im am Mittwoch veröffentlichten «Gesundheitsmonitor 2002».

1000 Personen wurden befragt – die Ergebnisse sprechen für sich: Keine der zur Zeit besprochenen Massnahmen zur Senkung der Kosten im Gesundheitsbereich findet die Gnade des Volkes.

Sowohl der vom Bundesrat beschlossene Ärztestopp wie die Abschaffung der freien Arztwahl in der Grundversicherung stossen bei den Versicherten auf taube Ohren, wie die im Auftrag der forschenden Pharma-Firmen der Schweiz (Interpharma) gemachte Studie belegt.

Solidarität wichtig

Trotz Kostenspirale: Der Solidaritätsgedanke der Krankenversicherung bleibt breit akzeptiert. 77% der Befragten wollen Haushalte mit niedrigem Einkommen weiterhin subventionieren. Die Idee, Prämien entsprechend dem eigenen Einkommen zu bezahlen, findet immer mehr Befürworter.

Abgelehnt wird hingegen eine zweckgebundene Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes zur Finanzierung des Gesundheitswesens. Ein Punkt, der derzeit auch im Parlament für rote Köpfe sorgt.

Trotz aller Kritik an der Politik: Eine Lösung der Probleme im Gesundheitswesen haben auch die Befragten nicht zu bieten.

swissinfo, Christian Raaflaub

Die Umfrage zeigte: 80% wollen Kopfprämie
72% wollen einkommens-abhängige Prämie
58% wollen keine höhere Mehrwertsteuer zur Prämienfinanzierung
84% finden die Medikamentenpreise zu hoch
57% kaufen Generika (billigere Nachahmer-Produkte)

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