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Schweizer Behörden ermitteln im Fall Lockerbie

Gut elf Jahre nach dem Lockerbie-Attentat hat der Fall bei der Schweizer Justiz neues Interesse geweckt. Seit kurzem läuft wegen des Verdachts auf Sprengstoffdelikte und Verstösse gegen das Kriegsmaterialgesetz eine Voruntersuchung.

Gut elf Jahre nach dem Lockerbie-Attentat hat der Fall bei der Schweizer Justiz neues Interesse geweckt. Seit einigen Tagen läuft wegen des Verdachts auf Sprengstoffdelikte und Verstösse gegen das Kriegsmaterialgesetz eine Voruntersuchung.

Ein entsprechender Antrag der Bundesanwaltschaft (BA) an die eidgenössische Untersuchungsrichterin Monique Saudan datiert vom 19. Januar 2000 und richtet sich formell gegen unbekannt. Sie habe nun ein Verfahren eröffnet, weil ihr neue Erkenntnisse vorlägen, sagte Saudan der Nachrichtenagentur sda am Dienstag (07.03.) auf Anfrage.

Seit vergangenen Oktober ist Saudan damit betraut, für die im Lockerbie-Verfahren federführenden schottischen Behörden ein weiteres Rechtshilfegesuch zu bearbeiten. Dabei habe sie bisher nicht bekanntes Material sichten können, erklärte Saudan. So stiess sie auf Schweizer Spuren zu einem Terrorismus-Fall.

Deshalb will sie zwei in den Schubladen der Bundesanwaltschaft ruhende Verfahren noch einmal genau unter die Lupe nehmen, die sonst eingestellt worden wären. Zu den Erfolgchancen äusserte sich Saudan zurückhaltend. Weitere Details wollte sie nicht bekannt geben. Im Zentrum des Interesses dürfte aber die Mebo AG stehen.

Von dem Zürcher Unternehmen stammte gemäss der Anklageschrift zum Fall Lockerbie die elektronische Zeitschaltuhr, mit der am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie die Bombe in der PanAm-Maschine 103 gezündet worden war. Bei dem Attentat starben 270 Menschen.

Am 3. Mai beginnt nach jahrelangem Tauziehen der Prozess gegen die zwei mutmasslichen Attentäter. Dieser findet auf neutralem Boden, im niederländischen Zeist, statt. Aus der Schweiz wird dafür weiteres Material erwartet: «Abklärungen zu finanziellen Aspekten sind noch im Gange», verriet Saudan.

Im Prozess soll Mebo-Chef Edwin Bollier als Zeuge auftreten. Den Verdacht, den libyschen Attentätern ein wichtiges elektronisches Bauteil für deren Bombe geliefert zu haben, weist dieser weit von sich. Via Internet betreibt er eine intensive Kampagne, die vom FBI gefundenes Beweismaterial als Fälschung entlarven soll.

Wegen dem Fall Lockerbie verhängten die Vereinten Nationen 1992 Sanktionen gegen Libyen. Diese wurden 1999 aufgehoben, als Libyen der UNO-Forderung Folge leistete und die zwei Tatverdächtigen unter der Bedingung auslieferte, dass der Prozess auf neutralem Boden stattfinde. Die mutmasslichen Attentäter bekennen sich unschuldig.

swissinfo und Agenturen

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