Sieg um 6 Hundertstel verfehlt
Die Walliserin Sylviane Berthod vergab den Sieg an der zweiten Abfahrt in Lake Louise äusserst knapp an die Italienerin Isolde Kostner.
Sylviane Berthod brachte Isolde Kostner, die schon tags zuvor triumphiert hatte, ganz schön ins Zittern. Bei der untersten Zwischenzeit hatte die Schweizer Frohnatur noch 16 Hundertstel vor der Südtirolerin gelegen.
Dass sie im Ziel sechs Hundertstel Rückstand auf die nun vierfache Siegerin von Lake Louise aufwies, war dann aber wenig überraschend. Einmal mehr «kehrte» Isolde Kostner das Klassement in dieser Abfahrt dank ihren unnachahmlichen Gleiter-Qualitäten im untersten Streckenabschnitt zu ihren Gunsten.
Mit der Wut im Bauch
Dieser minimen Differenz trauere sie denn auch nicht nach, sagte eine überglückliche Sylviane Berthod. «Diese sechs Hundertstel werde ich in einer der nächsten Abfahrten schon noch aufholen. Ich bin einfach froh, dass ich nach der Enttäuschung vom Vortag eine Reaktion zeigen konnte», meinte die Walliserin, die damit die Selektions-Kriterien (einmal Platz 7 oder zweimal Platz 15) für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Salt Lake City bereits als dritte Schweizer Speed-Spezialistin erfüllt hat.
Den 8. Platz in der ersten Abfahrt führte Sylviane Berthod darauf zurück, «dass ich nicht die gleiche Linie wie im Training gefahren war. Heute bin ich deshalb mit einer richtigen Wut im Bauch an den Start gegangen.»
Trotz allem Jubel wurde die 24-Jährige doch noch nachdenklich: «Ich widme diesen zweiten Rang Régine Cavagnoud. Es ist verrückt. Eigentlich sollte sie jetzt ja auch hier sein.»
Fehler im obersten Teil
Corinne Rey-Bellet, die dem 3. Rang einen 6. Platz folgen liess, und Catherine Borghi, die als Vierte des ersten Rennens auf Position 22 abrutschte, verpassten diesmal ein besseres Abschneiden wegen Fehlern im obersten Streckenteil. Beide wurden von Löchern in der Piste gebremst, die durch die neuerliche Pistenpräparation entstanden waren.
«Wenigstens wissen wir, woran es heute gelegen hat», sagten die beiden unisono. Vor allem Corinne Rey-Bellet dürfte sich aber bei einem Blick auf die Rangliste ärgern. Den Sieg verpasste sie um 37 Hundertstel, auf die drittplatzierte Weltmeisterin Michaela Dorfmeister fehlten ihr 15 Hundertstel.
Isolde Kostner holte mit dem Doppelsieg das nach, was von ihr schon vor einem Jahr erwartet worden war. Damals war sie in allen drei Trainings Bestzeit gefahren, musste sich dann aber in der ersten Abfahrt von der überraschenden Deutschen Petra Haltmayr noch geschlagen geben.
16. Doppelsiegerin
Dass eine Fahrerin zwei Abfahrten innert 24 Stunden gewinnt, kommt sehr häufig vor – mehr als jedes dritte Mal. In den nunmehr 43 Doppelrennen gab es schon 16 zweifache Siegerinnen.
In Lake Louise hatten dies vor Isolde Kostner bereits die Tessinerin Michela Figini (1989), die Deutsche Katja Seizinger (1997) und Renate Götschl (1998) vollbracht.
Von den Österreicherinnen vermochte neben Michaela Dorfmeister, die schon tags zuvor als Zweite die Ehre ihres Teams gerettet hatte, keine zu überzeugen. Für Renate Götschl wurde nach zwei Dritteln der Strecke zwar die schnellste Zeit gestoppt, am Ende blieb der Steirerin aber wiederum nur Rang 10.
Eine famose Leistung zeigte demgegenüber Mélanie Turgeon. Die Kanadierin, die sich bei ihrem Sturz in der ersten Abfahrt eine Schulterprellung zugezogen hatte und den rechten Arm kaum bewegen konnte, verpasste als Vierte das Podest um einen winzigen Hundertstel.
swissinfo und David Bernold (sda)
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