Tourismus – im Bann des 11. Septembers
Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 windet sich die Weltwirtschaft mühsam durch konjunkturelle Täler.
Auch die Luftfahrt- und Reisebranchen sind seither in starke Turbulenzen geraten. Die weltweiten Überkapazitäten haben sich noch deutlicher manifestiert.
Der fortlaufende Konzentrationsprozess in der Luftfahrtbranche scheint auch eine direkte Folge der sich anbahnenden Rezession zu sein.
Die Reisebranche wurde in diesem Abwärtssog mitgerissen. Das Business erlebte kurz nach dem 11. September einen totalen Absturz.
Reisebüros: Konsequenzen noch nicht absehbar
Die Buchungs-Situation der Schweizerischen Reisebüros hat sich nach den ersten zwei Monaten des Jahres 2002 wieder leicht verbessert. Walter Kunz, Pressesprecher des Schweizerischen Reisebüroverbandes, bezeichnet auch den Auftragseingang im Juni 2002 als sehr schwach. Er fragt sich, ob dafür vielleicht auch die Fussball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea dafür verantwortlich sei?
Die Nachfrage nach den in früheren Jahren gut gebuchten Familienpackages im Juli und August sei auch rückläufig.
Walter Kunz macht hierfür nicht in erster Linie den 11. September 2001 verantwortlich. Gründe hierfür sieht er vor allem in der sich abzeichnenden Rezession und der anhaltenden Börsenbaisse. Er vermutet auch, dass die Bevölkerung im Moment mehr spart.
2002 als touristische Übergangsphase
Für Walter Kunz wird das Jahr 2002 als Übergangsjahr in die Geschichte der Branche eingehen. Die Reisebüros müssten sich Mühe geben, ohne allzu grosse Blessuren über die Runden zu kommen, sagt er.
Mittelfristig werde das Reisen wieder ein Wachstumsmarkt, da es bei der Bevölkerung nach wie vor einen grossen Stellenwert besitze.
Änderungen bei der Wahl der Destinationen wird es laut Walter Kunz immer wieder geben. Diese Veränderungen würden kurzfristig erfolgen, und auf Naturkatastrophen und terroristische Ereignisse reagieren.
So sei das hochwasserversehrte Dresden momentan leider keine Destination mehr. Hingegen habe es für Tunesien nach dem Anschlag auf die Synagoge in Djerba nur wenige Annullierungen gegeben, sagte Walter Kunz.
Kuoni: Verhalten optimistischer Ausblick
Hans Lerch, CEO des Reisekonzerns Kuoni, führt für den schleppenden Geschäftsgang des Jahres 2002 verschiedene Erklärungen ins Feld:
Die militante Rhetorik der US-Regierung und ihrer Verbündeten im Krieg gegen den Terrorismus, dann aber auch konjunkturelle Schwierigkeiten sowie der unbefriedigende Gang der Börse.
Wenn das Sicherheitsdenken nicht mehr so hoch wie jetzt auf der Prioritätenliste stehe, so ist Lerch überzeugt, werden Langstrecken-Arrangements garantiert wieder an Attraktivität gewinnen.
Hotelplan: Hoffnung auf guten Herbst
Hans-Peter Nehmer, Mediensprecher der Hotelplan-Gruppe, berichtet, dass der Reiseveranstalter im Jahr 2001 auf Rekord-Kurs gewesen sei, bis zum 11. September….
Danach folgte ein totaler Absturz. Aufgrund der komplett veränderten Ausgangslage hat Hotelplan die Erwartungen für das Jahr 2002 deutlich heruntergeschraubt.
Hotelplan erlitt Kapazitätseinbussen von 15% im Winter und 10% im Sommer. Der Veranstalter hofft nun auf den Herbst. Dass mit dem Herbstgeschäft die Rückstände des Jahres jedoch noch aufgeholt werden könnten, glaubt der Hotelplan-Mann nicht.
Last Minute-Angebote erfreuen sich laut Hans-Peter Nehmer einer grossen Nachfrage.
Strasse und Schiene populärer
In näherer Zukunft verlagere sich der Reisemarkt eher auf Strasse und Schiene. Es werde zwar weiterhin Flugreisen geben, aber es zeichne sich eine Verschiebung zu den anderen Sektoren ab, wagt Nehmer eine Prognose.
Er schätzt, dass die stagnierenden oder rückläufigen USA-Buchungen nur kurzfristig ein Problem seien. Mittelfristig rechnet auch er mit einer Erholung.
Die optimistische Prognose des Hotelplan-Manns: «Wenn der Preis stimmt, werden die Schweizer reisen!»
Etienne Strebel
Die Luftfahrt- und Reise-Branchen müssen seit dem 11. September 2001 mit tieferen Umsatzzahlen und einem härteren Konkurrenzkampf leben.
Die Konsequenzen sind noch nicht absehbar.
Das Jahr 2002 gilt als touristisches Übergangsjahr.
Strasse und Schiene werden populärer.
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