Urs von Däniken: «Verachtung aller Werte»
Die Anschläge in den USA stellen nach den Worten des obersten Schweizer Staatsschützers Urs von Däniken nicht eine neue Qualität von Terrorismus dar, sondern vielmehr den schrecklichen Höhepunkt einer Serie von Ereignissen, wie sie erstmals beim Bombenanschlag vom 19. April 1995 auf das Behördenhochhaus von Oklahoma-City zum Ausdruck gekommen ist.
In die gleiche Serie gehören nach der Einschätzung von Daenikens die Bombenanschläge vom 7. August 1998 auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi. «Auch hier wurde wahllos angegriffen», sagte er. Im Falle der jüngsten Anschläge in den USA seien allerdings erstmals zivile Flugzeuge als Tatwaffen eingesetzt worden.
Über die Täterschaft wollte Urs von Daeniken am Mittwoch aber nicht spekulieren. «Alle möglichen Aussagen über irgendeinen Verdacht auf die Täterschaft wäre spekulativ», sagte der Chef der Hauptabteilung Dienst für Analyse und Prävention (DAP) im Bundesamt für Polizei. «Die Art und die Skrupellosigkeit, mit der unschuldige Opfer und rein zivile Ziele angegriffen wurden, zeigt in der Tat eine noch nie da gewesene Verachtung aller Werte. Das Leben zählt nichts mehr.» Es sei nun die Arbeit der Ermittlungsbehörden herauszufinden, was für Ideen oder Motive dahinter steckten.
Aus dem Ablauf der Ereignisse könne aber sicher geschlossen werden, dass es sich bei den Tätern um eine gut organisierte Gruppe gehandelt habe. «Sie waren sicher zu allem entschlossen und hatten eine ausserordentlich hohe Motivation mit einem selbstzerstörerischen Ansatz», sagte von Daeniken. Bei der Vorbereitung müsse die Gruppe über die nötigen Zugänge für Erkundungen und über logistisch-organisatorische Voraussetzungen verfügt haben.
Auf die Konsequenzen für die Prävention und allfällige zusätzliche Vorkehren in der Luftraum-Überwachung in der Schweiz angesprochen, sagte der Chef der DAP-Hauptabteilung, für eine Überprüfung der Massnahmen sei es noch zu früh. Es gehe nun darum, eine sehr sorgfältige Auswertung vorzunehmen und dann zu prüfen, wie weit die Vorsichtsmassnahmen ausreichend seien.
Grundsätzlich gelte aber, dass in einer offenen und demokratischen Gesellschaft immer Risiken verblieben. «Der Preis einer offenen und liberalen Gesellschaft ist, dass man verletzlich bleibt», sagte von Daeniken und fügte hinzu: «Wir haben die Aufgabe, rechtsstaatlich zu handeln und nicht in die Methoden des Polizeistaats zu verfallen.»
Der oberste Staatsschützer sagte weiter, dass seine Abteilung seit den Anschlägen vom Dienstag selbstverständlich immer in Kontakt mit den US-Behörden stehe. «Es geht nun vor allem darum, zu schauen, was passiert ist. Dann werden relativ rasch umfangreiche Fahndungsmassnahmen einsetzen», sagte von Daeniken.
swissinfo und Agenturen
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