Verpatzte Qualifikation
Der olympische Halfpipe-Wettbewerb verlief für die Schweizer enttäuschend: Weder Gian Simmen noch Therry Brunner und Marcel Hitz schafften den Sprung unter die besten 12.
Das Scheitern von Titelhalter Gian Simmen – er verpasste die Qualifikation wegen zwei Stürzen – chmerzte nicht nur den Athleten selber. Der Misserfolg von Hitz kam nicht unerwartet, Brunners Knock-out hingegen enthielt einen besonders bitteren Beigeschmack: Der Zuozer büsste als Siebter des zweiten Durchgangs seinen möglichen Platz im Kampf um Gold um einen einzigen Rang ein.
Beim hochkarätigen Flug-Festival der weltbesten Snowboarder waren die Schweizer nur Zaungäste. Der Nachweis, auch vier Jahre nach der olympischen Premiere noch zu den Trendsettern zu gehören, konnten die Schweizer nicht erbringen – da änderte Brunners knapper und Simmens vermeidbarer Ausfall nichts.
Simmens Malheur beim 900er
Zweimal schien Simmen auf direktem Kurs Richtung Final, zweimal stürzte er beim Versuch, im unteren Teil der im Vergleich zum europäischen Standard viel flacheren Pipe eine zweieinhalbfache Rotation (900er-Frontside) zu zeigen. Zwei ärgerliche Fehler bei einem Trick von mittlerer Schwierigkeit kosteten dem ISF-Tour- Champion die Qualifikation.
«Im Training ist mir dieser Sprung dreimal gelungen. Alles lief wie am Schnürchen, deshalb bin ich auch nicht nervös geworden, als ich im ersten Lauf stürzte», erklärte der beste Schweizer Halfpipe- Spezialist der vergangenen Jahre. «Es gibt schwierigere Tricks. Deshalb ärgerten mich diese Fehler besonders.»
Simmen verbarg den Frust über das unerwartet frühe Out denn auch keineswegs. Kurz nach der Zielpassage schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und verliess das Gelände , um sich auf der öffentlichen Piste den Ärger vom Leib zu fahren. «Ich war einfach enttäuscht, dass mir zwei solch dumme Fehler passiert sind.»
Zu ehrgeizige Ziele ?
Wenn einem Fahrer vom Weltklasseformat Simmens praktisch an der selben Stelle zweimal das gleiche Malheur unterläuft, drängt sich die Frage auf, ob er dem immensen Druck nicht gewachsen war. Hatte er gar selber zuviel gewollt, sich zu fest auf diese eine Veranstaltung in Park City fixiert?
Der Aroser winkte ab: «Natürlich wollte ich hier gut abschneiden, war im Training etwas nervös. Aber die Nervosität und der Druck hielten sich in Grenzen.»
Brunner: «Ich habe mir nichts vorzuwerfen»
Ebenso bitter wie die frühe Verabschiedung Simmens war das Ausscheiden von Therry Brunner. Der zweite Schweizer Trumpf hätte eigentlich stechen müssen, bot zwei exzellente Vorstellungen, scheiterte letztlich aber an der kleinlichen Benotung der fünf Richter. Brunner brauchte sich nichts vorwerfen zu lassen, an seinen Sprüngen war nichts auszusetzen, die Höhe hätte bestimmt einer höheren Bewertung entsprochen.
«Im Skifahren hätten mir wohl zwei Hundertstel zur Finalteilnahme gefehlt», umschrieb Brunner die knappe Differenz zum Rest der Konkurrenten. Das Niveau sei bei diesen olympischen Spielen einfach enorm hoch, Fehler seien bei einer derartigen Dichte an potenziellen Siegfahrern schlicht nicht mehr zu korrigieren.
Von einem Debakel mochte er aber trotz der enttäuschenden Bilanz der klassischen Snowboard-Nation Schweiz nicht sprechen: «Nein, nein, wir alle haben hier eine gute Show geboten und unser Land würdig vertreten. Mit einem Quäntchen mehr Glück sieht hier doch alles ganz anders aus.»
Unbeschriebenes Blatt
Dass sich Marcel Hitz auf Kosten weitaus prominenterer Schweizer Rider für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, vergrösserte seinen Bekanntheitsgrad ausserhalb der Landesgrenzen offenbar nur um Nuancen. In Salt Lake City schien sich für den zurückhaltenden Luzerner fernab des olympischen Dorfes jedenfalls niemand zu interessieren.
Zumindest für die amerikanischen Organisatoren blieb Hitz, der überraschend lange im Rennen um einen Finalplatz mitmischte, im Wortsinn ein unbeschriebenes Blatt.
Sven Schoch, Park City (sda)
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