Walfänger setzten sich durch
Walfang ist zwar verboten, aber trotzdem werden die Meerssäuger getötet. Dem wollte auch die Internationale Walfangkommission (IWC) keinen Riegel schieben. Die offizielle Schweizer Delegation ist enttäuscht, Tierschützer sowieso.
An der Jahres-Konferenz der IWC in London, die bis am Freitag (27.07.) dauerte, war für Konfliktstoff gesorgt. Walfang-Nationen wie Japan oder Norwegen verlangten die Aufhebung des Fang-Moratoriums, das seit 1986 die kommerzielle Waljagd verbietet. Andere Nationen würden hingegen lieber sehen, dass das Verbot überhaupt umgesetzt wird: Japan beispielsweise tötet weiterhin Wale aus wissenschaftlichen Gründen.
Ein Bewirtschaftungsplan hätte die beiden Positionen allenfalls besänftigen können. Laut dem Papier, das seit 1992 im Umlauf ist, würde der Walfang innerhalb enger Grenzen wieder erlaubt werden. Doch an der Konferenz wurde das Papier zurückgezogen; der Status Quo wird weitergeführt.
Schweizer Delegation ging zuversichtlich…
Noch Mitte Juli hatte sich der Leiter der Schweizer Delegation beim IWC, Thomas Althaus vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) gegenüber swissinfo optimistisch gezeigt: «Die Schweiz hat in der IWC eine vermittelnde und koordinierende Rolle. Wir wirken darauf hin, dass die Konfliktparteien nicht aufhören, sich an einen Tisch zu setzen.» Ziel der Schweizer Delegation sei es, einen Bewirtschaftungsplan zu erreichen.
… und wurde entäuscht
Dass dieser vorerst beerdigt wurde, enttäuscht Althaus. Die Gesprächskultur habe sich verschlechtert und die Kompromissbereitschaft sei geringer geworden, konstatierte der Delegationsleiter im Anschluss an die Konferenz. Er hofft, dass die IWC im nächsten Jahr einig werden wird.
Umweltschützer laufen Sturm
Neben dem Bewirtschaftungsplan wurden auch Schutzgebiete in Südpazifik und Südatlantik verworfen. «Das ist offensichtlich das Resultat von Japans Einfluss auf kleine und arme Länder», meint Sigrid Lüber, Präsidentin der «Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger» (ASMS). Sie wirft der Walfang-Nation eine «Yen-Diplomatie» vor, welche mehrere kleine Nationen im Austausch für Wirtschaftshilfe im Sinne Japans stimmen lasse.
Zerstrittene Walfreunde
Dabei sind die Wal-Schützer selber zerstritten, zumindest was den Bewirtschaftungsplan angeht. Während er für die einen eine sinnvolle Möglichkeit darstellt, die Walfang-Nationen international einzubinden, ist er für die andern lediglich ein Hintertürchen, um den kommerziellen Walfang wieder einzuführen.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch