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«Wir werden nicht untergehen!»

Gedenktafel für DEZA-Projektleiter Hans Bühlmann im Hof der 'Kolonie Nr. 35'. swissinfo.ch

Wird das Gefängnis-Projekt von Bila Cerkva weiter leben, wenn die Schweiz ihre Zahlungen einstellt?

Sowohl die Schweizer als auch die ukrainische Seite markieren Optimismus.

Man ist gegenseitig des Lobes voll. Da ist einmal Alexander Kirpatschov, Leiter des Modell-Gefängnisses von Bila Cerkva: Die Zusammenarbeit mit den Schweizern habe sich seit Projektbeginn im Jahre 1997 als «ausserordentlich wertvoll und konstruktiv» erwiesen.

Auf besondere Wertschätzung stösst der ehemalige Schweizer Gefängnis-Direktor Hans Bühlmann, der das Gefängnis-Projekt im Auftrag der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bern leitet.

Eine Gedenktafel im Innenhof der umgebauten Modell-Anstalt erinnert an Bühlmanns Verdienste für die Sache der Reform.

Vertrauen gewinnen

In den ersten zwei Jahren sei es darum gegangen, das gegenseitige Vertrauen aufzubauen, sagt Hans Bühlmann. «Gefängnisse sind in jedem Land ein sehr sensitiver Bereich.»

Er habe von Beginn weg jede belehrende Attitüde vermieden, sagt Bühlmann. «Wir diskutieren unter Kollegen auf professionellem Niveau. Die Ukrainer sind keine Amateure und wissen genau, welche Änderungen bei ihnen aufgrund der Umstände möglich sind.»

Quo vadis?

Gemäss Projektplanung endet das Schweizer Engagement in Bila Cerkva Mitte des nächsten Jahres. Ob und wie die DEZA die Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Departement für Strafvollzug weiterführen wird, ist derzeit noch nicht entschieden.

Das Modell-Gefängnis ist offenbar nicht mehr abhängig vom Geldstrom aus der Schweiz. «Die Gefängnis-Leitung denkt zunehmend unternehmerisch und kann das Projekt alleine weiterführen», ist Bühlmann überzeugt.

Tatsächlich lässt Kirpatschov im Gefängnis die Autos von Einwohnern aus Bila Cerkva reparieren, betreibt mit den Häftlingen eine Schneiderei, eine Bäckerei, eine Tischlerei und eine Metallwerkstatt. Allmählich steigen die Einnahmen.

Bereits heute bezahlt das Gefängnis die Gruppenleiter und die Berufsschul-Lehrer aus eigener Kraft. «Wir werden ohne die finanzielle Unterstützung aus der Schweiz nicht untergehen», erklärt Kirpatschov.

Und: Auch im Falle einer Wirtschaftskrise sei ein Rückfall in die düsteren Zeiten vor der Reform unvorstellbar. «Der Bewusstseins-Wandel, den das Gefängnis-Projekt ausgelöst hat, ist unumkehrbar.»

swissinfo/Felix Münger, Bila Cerkva

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