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Brega (awp/sda/dapd) - Nach wochenlangen Kämpfen gegen die Streitkräfte von Machthaber Muammar al Gaddafi haben die Aufständischen in Libyen ihre militärische Taktik geändert.
Waren die jugendlichen Rebellen zuvor recht unkoordiniert gegen die besser ausgebildeten und bewaffneten Regierungstruppen angerannt, planen sie ihre Angriffe nun genauer.
In den vergangenen Tagen platzierten sie mit Raketenwerfern bestückte Geländewagen an strategisch wichtigen Punkten an der Front, feuerten einige Salven in Richtung des Gegners und rückten dann einige Hundert Meter vor, um den Gegenschlägen von Gaddafis Truppen auszuweichen. Koordiniert wurden sie von Vorabkommandos mit Satellitentelefonen und GPS-Geräten.
Die militärisch unerfahrenen Kämpfer der Schabab (Jugend) zogen sich zum grossen Teil zum Training nach Benghasi zurück und desertierte Soldaten der regulären Streitkräfte übernahmen ihre Stellungen an der Front.
Und auch die Ausrüstung der Aufständischen hat sich in den vergangenen Tagen verbessert: Immer öfter setzen die Rebellen nun von den Regierungstruppen eroberte Raketenwerfer und Mörser ein.
"Wir haben den Befehl, bestimmte Stellungen zu halten", sagt Mansur Obeid, der als Vertreter des oppositionellen Übergangsrats die Kämpfe an der Front koordiniert. "Wir bekommen Verstärkung aus dem Osten und haben die Schabab-Kämpfer zum Training nach Benghasi geschickt."
Doch auch Gaddafi kann offenbar nur einen Bruchteil seiner Streitkräfte gegen die Rebellen einsetzen. Zwar stehen den rund 1000 Deserteuren und mehreren Hundert freiwilligen Kämpfern aufseiten der Aufständischen drei von Gaddafis Söhnen kommandierte Brigaden mit insgesamt 20'000 Mann gegenüber.
An der Front kämpft jedoch nur ein kleiner Teil der Eliteeinheiten. Die meisten sind im Belagerungsring rund um die Rebellenhochburg Misrata gebunden. "Ausserdem muss Gaddafi Kräfte im Süden und im Zentrum des Landes sowie im Rest von Tripolitania des Westens des Landes halten", sagt George Joffe vom Zentrum für Internationale Studien an der Universität Cambridge.
2009 verfügten die libyschen Streitkräfte laut einem Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien über 1914 Panzer. Experten gehen jedoch davon aus, dass aufgrund fehlender Ersatzteile lediglich die Hälfte davon einsatzbereit ist.
Von den relativ modernen Panzern vom Typ T-72 aus sowjetischer Produktion besitzen die Gaddafi-Truppen nur 181. Hinzu kommt, dass die NATO nach eigenen Angaben bei ihren Luftangriffen seit dem 19. März etwa ein Drittel der schweren Waffen der Streitkräfte zerstört hat.
Dennoch bezweifeln Experten, dass die Aufständischen die libyschen Regierungstruppen aus eigener Kraft schlagen können. Zum einen haben sie zu wenig ausgebildete Soldaten in ihren Reihen, zum anderen verfügen sie noch immer nicht über ausreichende schwere Waffen. So ist es äusserst unwahrscheinlich, dass es den Rebellen gelingt, Gaddafis stark befestigte Geburtsstadt Sirte zu erobern.
"Es hängt jetzt von den Luftangriffen ab. Oder wir brauchen mehr Truppen und Waffen", sagt Leutnant Muftah Omar Hamsa, der aufseiten der Aufständischen kämpft. "Wir brauchen Panzer, Raketenwerfer und Grad-Raketen."
Theodore Karasik vom Institut für Militäranalyse in Dubai zweifelt jedoch am politischen Willen für eine Ausweitung der Luftangriffe. Sollte sich die Situation nicht deutlich verschärfen, sind die Rebellen seiner Einschätzung nach auf sich gestellt.
"Sie brauchen mehr Disziplin und Ordnung in ihren Reihen sowie bessere Waffen, um gegen Gaddafis Truppen vorgehen zu können. Das scheint zum jetzigen Augenblick schwierig", sagt Karasik.
Mit den Luftangriffen hat die NATO den Aufständischen zunächst etwas Zeit verschafft. Nun könnten sie sich neu organisieren und schwere Waffen kaufen. Ob das ausreicht, um gegen Gaddafis Truppen bestehen zu können, ist jedoch unklar. "Wir können mit ihren Waffen nicht mithalten", sagt der Rebellenkämpfer Kamal Mughrabi. "Wenn die Flugzeuge nicht zurückkommen und angreifen, müssen wir uns zurückziehen."

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