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Miss Schweiz: Anatomie eines Erfolges

(Keystone)

Die 23-jährige Christa Rigozzi aus Monte Carasso im Kanton Tessin wurde am Samstag in Genf unter 14 Mitbewerberinnen zur Miss Schweiz 2006 gewählt.

Anders als in den meisten europäischen Ländern, erkürt die Schweiz in Zusammenarbeit mit den Massenmedien ihre Schönheitskönigin. Die soll ein Bild einer schönen, ehrgeizigen und weltoffenen Schweiz vermitteln.

Zwei Tessinerinnen nahmen an der vom Schweizer Fernsehen live übertragenen Miss-Wahl in der Genfer "Arena" teil und beide schafften es in den Final der drei Schönsten.

Doch hier, als nur noch das Publikum und nicht mehr die Jury entschied, musste sich die im Vorfeld favorisierte Xenia Tchoumitcheva aus Lugano geschlagen geben. Sie belegte den zweiten Rang. Dritte wurde die 21-jährige Sabine Heierli aus Teufen im Kanton Appenzell-Ausserrhoden.

Schönheitskönigin Rigozzi studiert Kriminologie und Strafrecht. Zu ihren Hobbys zählen Tanzen, Schwimmen, Lesen und Inline-Skaten. Sie ist 1,69 Zentimeter gross und hat die Masse 88-63-96 und lebt bereits seit sechs Jahren mit ihrem 28-jährigen Freund Giovanni zusammen.

Christa Rigozzi liess sich von ihrer Vorgängerin Lauriane Gilliéron die begehrte Krone aufsetzen.

Beispielloser Erfolg

Miss-Schweiz Lauriane Gilliéron, die gestern Abend ihre Krone an Christa Rigozzi weitergeben musste, hat während ihrer "Amtszeit" rund eine halbe Million Franken verdient. Soviel hat bislang noch keine Schweizer Schönheitskönigin erhalten. Was auch zeigt, dass Wettbewerb und Titel an Prestige gewonnen haben.

Mit Lauriane Gilliéron – der ersten Schweizer Schönheitskönigin aus der französischsprachigen Schweiz seit 11 Jahren – hat der Wettbewerb auch die welsche Schweiz erobert. In der Deutschschweiz genossen die Missen schon seit Jahren ein gewisses Prestige und gehörten zur Cervelatprominenz.

Der Beweis, dass die Miss Schweiz auch im Welschland angekommen ist: Die Wirtschaftszeitung Bilan zeigte die Waadtländerin kürzlich auf der Titelseite in der Pose einer Lauren Bacall.

Die Hollywood-Attitüden weisen auf eine weitere Schweizer Bestleistung der mehrsprachigen Hochschulabgängerin hin: Sie belegte Platz drei an der Wahl zur Miss Univers 2006.

So weit vorne war noch nie eine Schweizer Schönheit. Allerdings, zum Model wird es ihr nicht reichen. Sie sei mit 1, 68 Meter für dieses Metier zu klein, sagten nach der Miss-Univers-Wahl die Expertinnen.

Immerhin wurde Larry Flynt, der Herausgeber des Nacktmagazins Hustler und Konkurrent von Playboy, auf die schöne Schweizerin aufmerksam. Ohne Erfolg übrigens.

Schönheit mit Verantwortung

"Lauriane entschuldigt sich nicht für ihre Schönheit", meint der Chefredaktor von L'illustré Christophe Passer. "Sie ist ehrgeizig und hat ein entkrampftes Verhältnis zu ihrem Umfeld", begründet Passer den Erfolg der abtretenden Miss Schweiz.

Passer – sein Magazin ist Sponsor der Miss-Wahl in der Schweiz – sagt weiter: Der Anlass sei in den zehn Jahren des Bestehens entstaubt worden und komme heute, dank des Fernsehens, modern und zeitgemäss daher.

"Das Publikum belächle die Siegerin nicht mehr", sagt Passer. Heute schäme sich niemand mehr sein Glück in einer öffentlichen Veranstaltung zu suchen. Beispiele gebe es genug: "Pop Star" oder "Deutschland sucht den Superstar".

Andernorts in Europa – Frankreich vielleicht ausgenommen - mobilisiert eine Miss-Wahl die Massen nicht sonderlich. "In Italien kümmern sich die Leute nicht darum", findet der Anthropologe Fabrizio Sabelli. Er erinnert daran, dass noch in den 60er Jahren die Karrieren der Stars des transalpinen Kinos mit einer Misswahl begannen.

"Dass die Schweizer diese Art von Wettbewerb bewundern, hat etwas anachronistisches. Aber es sagt viel über die spezifischen Merkmale des Landes aus", sagt Sabelli.

Die Lust es der Welt zu zeigen

"Viele Schweizerinnen und Schweizer würden gerne Teil der Abenteuer dieses Planeten sein", erklärt uns Sabelli. "Auf der andern Seite stehen die Regierenden, welche sich der internationalen Szene nicht aktiv verpflichten wollen und dadurch eine Haltung kultivieren, welche durch strategische und wirtschaftliche Erwägungen diktiert wird."

Indem man sich für eine Miss-Wahl erwärmt, für den Tennisspiel Roger Federer, die Schweizer Fussballnationalmannschaft oder die Segler von Alinghi, teile die Schweiz der Welt mit, dass es sie gibt. Die Schönen und Erfolgreichen werden zu Bannerträgern der Schweizer Kultur.

Diese neuen jungen, dynamischen und erfolgreichen Helden formen mit am neuen Image der Schweiz. "Sie sind Teil des Marketing der Marke Schweiz und bieten Swiss Made in einer Zeit der Globalisierung", unterstreicht Fabrizio Sabelli.

swissinfo, Frédéric Burnand, Genf
(Übertragung aus dem Französischen: Urs Maurer)

Die Geschichte der Miss

Beim Wettbewerb um die Miss Universe, wo es um die schönste Frau der Welt geht, können lediglich Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren teilnehmen. Den Wettbewerb gibt es seit 1926 und er wird heute durch die US-amerikanische Fernsehkette NBC organisiert.

Miss Universe steht in Konkurrenz mit Miss Monde. Dieser Schönheits-Wettbewerb wurde 1951 in Grossbritannien ins Leben gerufen, um den Bikini als Bademode zu etablieren.

Den Wettbewerb Miss Schweiz gibt es in der Deutschschweiz seit 1976. Die Romandie folgte 1988.

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