Mutmasslicher Brandstifter steht in Affoltern vor Jugendgericht
Ein heute 19-Jähriger muss kommende Woche wegen einer Brandserie vor dem Jugendgericht Affoltern erscheinen. Er soll massive Sachschäden verursacht haben. Einer der mutmasslichen Mittäter war bei der Feuerwehr.
(Keystone-SDA) 2024 sorgte eine Serie von Bränden im Bezirk Affoltern für Verunsicherung. Einer der mutmasslichen Brandstifter muss sich am kommenden Donnerstag vor dem Jugendgericht in Affoltern am Albis verantworten, wie die «NZZ» am Mittwoch berichtete.
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ebenfalls vor. Demnach soll der Schweizer, der zur Tatzeit im Frühling 2024 erst 17 Jahre alt war, in Bonstetten eine ganze Serie von Bränden gelegt haben.
Der Jugendliche handelte bei seinen Taten gemäss Anklage nicht allein. Die Jugendanwaltschaft geht von drei Mittätern aus. Gegen diese werden getrennte Strafverfahren geführt.
1,4 Millionen Franken Schaden angerichtet
Die Jugendanwaltschaft klagt den 19-Jährigen unter anderem wegen mehrfacher Brandstiftung, Diebstahl und Hausfriedensbruch an. Sie fordert als Sanktion eine persönliche Leistung von 90 Tagen. Die Hälfte dieser Arbeitsleistung soll unbedingt vollzogen werden, für die restlichen 45 Tage wird der bedingte Vollzug bei einer Probezeit von zwei Jahren beantragt.
Der Jugendliche sass Ende Mai 2024 für drei Tage in Untersuchungshaft und musste danach während mehr als drei Wochen eine Fussfessel tragen.
Bei der gesamten Brandserie, die laut Oberstaatsanwaltschaft rund ein Dutzend Feuer umfasste, entstand ein Gesamtschaden von bis zu 1,4 Millionen Franken. Personen kamen nie zu Schaden. Brisant ist zudem ein Detail: Gemäss damaligen Angaben der lokalen Feuerwehr war einer der verhafteten jungen Männer selbst dort Mitglied.
Die Feuer wurden immer grösser
Die Deliktserie des Jugendlichen nahm den Akten zufolge Ende März 2024 ihren Anfang. Der Beschuldigte soll damals mit einem Mittäter in Bonstetten bei einer Holzbeige Anzündhilfen deponiert und in Brand gesetzt haben. Danach hätten sich die beiden entfernt.
Nur dank des raschen Eingreifens der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf den Wald verhindert werden. Dieses Vorgehen soll sich in den Folgewochen an derselben Strasse noch zwei Mal wiederholt haben.
Gegen Ende April eskalierte das Verhalten der Täter gemäss Anklage zusehends. Sie sollen ein Schrebergartenareal betreten und in einem Unterstand brennbares Material deponiert haben. Das vom Hauptbeschuldigten entzündete Feuer griff auf ein Gartenhaus über, was zu erheblichen Sachschäden führte. Auch hier brannte der Unterstand beim Eintreffen der Feuerwehr bereits lichterloh.
Vollbrand einer Scheune
Der gravierendste Vorfall ereignete sich Anfang Mai 2024. Die Täter sollen sich in der Nacht Zutritt zu einer Scheune in Bonstetten verschafft und diese angezündet haben. Das Feuer breitete sich unkontrolliert aus, was zu einem Vollbrand führte.
Dabei wurden gelagertes Material und das angrenzende Grundstück massiv beschädigt. Die Sachschäden für diesen Vorfall summieren sich gemäss den Forderungen der Gebäudeversicherung und der Privatklägerschaft auf über eine Viertelmillion Franken.
Den vorläufigen Abschluss der Serie bildete gemäss Anklage der Diebstahl eines E-Trottinetts in Bubikon wenige Tage später. Die nun auf vier Personen angewachsene Gruppe soll das gestohlene Gefährt nach Bonstetten transportiert, neben einer Parkbank abgestellt und mit Motorenbenzin übergossen haben.
Auch hier entfernten sich die Beteiligten sofort. Es bestand die Gefahr, dass das Feuer auf Bäume und Gebäude hätte übergreifen können. Die Verhandlung vor dem Jugendgericht findet wie üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch Medienvertreter sind nicht zugelassen.