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Opel/Europa bietet GM Millionen - Warnung vor Subventionswettlauf

Dieser Inhalt wurde am 23. November 2009 - 06:40 publiziert

HAMBURG/BERLIN (awp international) - Europa feilscht um die Rettung der Opel-Werke: Grossbritannien, Spanien, Belgien und Polen stellen der US- Mutter General Motors (GM) Hilfen in Milliardenhöhe in Aussicht. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte jedoch unmittelbar vor dem Brüsseler Opel-Gipfel vor einem Subventionswettlauf.
Grossbritannien soll GM nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" Kreditbürgschaften von mehr als 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt haben. Spanien soll 300 bis 400 Millionen Euro angeboten, Polen Steuererleichterungen versprochen haben. Nach Ansicht von Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz war aber kaum Bereitschaft zu erkennen, sich in dem von GM erhofften Umfang zu beteiligen. "Polen hat kein Geld und gibt keins, in Spanien wird es nicht annähernd so viel geben, wie GM erhofft." In Belgien liegen versprochene Staatshilfen von mehr als 500 Millionen Euro auf dem Tisch.
BRÜDERLE FORDERT KONZEPT
Brüderle sagte der Deutsche Presse-Agentur dpa zu möglichen Hilfen anderer Länder mit GM-Werken: "An meiner Haltung hat sich nichts geändert. Es liegt im Interesse aller beteiligten Staaten, einen Subventionswettlauf zu vermeiden."
Zuvor hatte er betont, Opel habe dasselbe Recht wie alle anderen Unternehmen, einen Antrag auf Unterstützung aus dem Deutschlandsfonds zu stellen. Ein solcher Antrag werde gegebenenfalls pflichtgerecht und ergebnisoffen geprüft. "Aber sie müssen ein Konzept entwickeln", sagte er mit Blick auf die US-Mutter General Motors. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte Klarheit über die Sanierungspläne: Der US-Autobauer müsse Klarheit schaffen, wie er seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht werden wolle, sagte er der "Bild am Sonntag". "Aus Detroit ist in diesen Tagen zu hören, GM brauche kein Staatsgeld für Opel. Da sage ich nur: Umso besser!"
ERFÜLLT OPEL VORAUSSETZUNGEN FÜR DEUTSCHLANDFONDS?
Der Deutschlandfonds ist mit 115 Milliarden Euro gefüllt und bietet nach dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen Kredite und Bürgschaften. Doch die Chancen von Opel, an Gelder aus dem Fonds zu kommen, stehen nach Einschätzung der Monopolkommission eher schlecht. "Offensichtlich erfüllt Opel die Voraussetzungen nicht", sagte der Vorsitzende der Kommission, Justus Haucap, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Wer die Kriterien nur halbwegs ernst nehme, dürfe Opel nicht mit Steuergeldern retten: "Es wäre eine Farce, Kriterien aufzustellen und dann freihändig Subventionen zu verteilen." Die Opel-Misere habe eindeutig vor der Krise begonnen, die Kunden seien "vorher davon gelaufen".
Auch EU-Industriekommissar Verheugen warnte vor Staatshilfen: Staatliche Beihilfen seien ein Eingriff in den Wettbewerb und daher verboten, sagte er dem "Spiegel". Mögliche Hilfszusagen einzelner Länder nannte er "alarmierend". Die EU-Kommission könne Hilfen in Ausnahmefällen genehmigen. Sie dürften aber nicht an den Erhalt von Arbeitsplätzen an einem bestimmten Ort geknüpft sein.
BRÜDERLE LOBT VERHEUGEN
Verheugens Worte fanden Zustimmung bei Brüderle: "Insofern begrüsse ich die klare Haltung von EU-Kommissar Verheugen", sagte der Minister der dpa. "Wir sollten allmählich in die normalen Bahnen der sozialen Marktwirtschaft zurückkehren", forderte er. Die Rettung eines Unternehmens durch den Staat bedürfe einer sorgfältigen Begründung. "General Motors hat sich entschieden, Opel doch zu behalten", sagte Brüderle. Damit seien alle Zusagen des Bundes, die mit einem Opel- Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna verbunden waren, hinfällig.
An diesem Montag kommt GM-Europachef Nick Reilly in Brüssel auf Einladung von EU-Industriekommissar Verheugen mit Spitzenvertretern der EU-Länder mit Opel-Standorten zusammen. Reilly hatte in Polen, Grossbritannien, Belgien und Spanien für Unterstützung geworben. GM will die Fixkosten nach den bisherigen Plänen in Europa um 30 Prozent und die Kapazität um 20 bis 25 Prozent reduzieren. Nach Reillys Angaben sollen innerhalb eines Jahres 9000 bis 10 000 der rund 50.000 Stellen in Europa abgebaut werden. Reilly, als Übergangslösung auf dem Chefsessel, soll nach "Spiegel"-Informationen vom stellvertretenden Chef von Mercedes-Benz, Rainer Schmückle, abgelöst werden.
UNTERSTÜTZUNG AUS NRW
Unterstützung bekam Brüderle derweil aus Nordrhein-Westfalen: "Es muss doch jedem Mittelständler die Tränen in die Augen treiben, wenn er sieht, wie die deutsche Politik GM den Blankoscheck noch hinterherträgt", sagte FDP-Fraktionschef Gerhard Papke der "WirtschaftsWoche". Hilfe sei nur für die Schaffung neuer Arbeitsplätze erwünscht.
ch/cru/ir/tst/DP/nl

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