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Raphaël Comte, der Benjamin im Ständeratssaal

Raphaël Comte, jüngster Ständerat der Schweiz. Keystone

Der junge Neuenburger hat einen fulminanten Aufstieg hinter sich: Mit seinen 30 Jahren gehört Comte bereits der kleinen Kammer an, wo er derzeit im Ständerat seine erste Session erlebt.

Der freisinnige Raphaël Comte hat einen prominenten Sitz übernommen: Vorgänger Didier Burkhalter ist im letzten September in den Bundesrat gewählt worden.

Der stets proper gekleidete Jung-Ständerat sorgt für viel Aufsehen, Porträts waren in Zeitungen vom Westschweizer Le Matin bis zum Zürcher Tages-Anzeiger zu lesen.

Der Jungpolitiker wohnt noch bei seinen Eltern in Corcelles-Cormondrèche. Er stammt aus einer Familie, in der traditionell politisiert wird. Comte studiert Rechtswissenschaften.

Geht es um eine Charakterisierung, tauchen die Attribute «fleissig» und «glanzlos» auf. Bereits im Neuenburger Kantonsparlament war Raphaël Comte der Benjamin. Wird er auf seine Jugendlichkeit angesprochen, entgegnet er, dass sich sein politisches Programm keineswegs auf diesen Aspekt beschränke.

Gegen die Partei-Hierarchie

Nach seiner Wahl hätten einige Vertreter des alten Neuenburger Freisinns das Gesicht verzogen, sagt ein Journalist der Neuenburger Tageszeitung L’Express. Doch er unterstreicht, dass die neue Partei nach der Vereinigung des Freisinns mit den Liberalen dem neuen Magistraten viel verdanke.

Comte spielte nicht nur eine wichtige Rolle bei der Parteifusion, sondern hat sich auch stark für eine Fusion von Neuenburgischen Gemeinden eingesetzt. Die Formulierung «Mehr Effizienz» ist sehr oft aus seinem Mund zu hören.

Ein Technokrat?

Diesen Vorwurf macht ihm zumindest ein anderer junger Neuenburger Polit-Jungspund. «Er hat zwar eine Vision für Gemeindefusionen. Aber er wollte diese von oben nach unten durchführen, mittels einer kantonalen Abstimmung, bei der es um die Zusammenfassung zu fünf oder sechs grösseren Gemeinden gegangen wäre», sagt Baptiste Hurni, Vizepräsident der Neuenburger Sozialdemokraten.

Selber befürwortet er die Variante eines Plebiszits, bei dem sich die Bewohner der betroffenen Gemeinden äussern könnten.

Dem Journalisten von L‘ Express ist noch ein anderer Umstand an Comte aufgestossen. «Im Kantonsparlament hat er oft gleich abgestimmt wie die Schweizerische Volkspartei, insbesondere, was Steuerpolitik sowie die Sanierung der Finanzen und Schulden betrifft.»

Sozialdemokrat Hurni seinerseits hofft, dass Comte als Vertreter eines Randkantons, der von der Krise schwer getroffen wurde, in Bern humanistischere Positionen vertrete, mit denen er näher bei den Menschen liege.

«Humanismus ist das Gleichgewicht zwischen der Wirtschaft und dem Sozialen», sagt Comte. Bevor Reichtum verteilt werden könne, müsse dieser erst geschaffen werden. Erstes Ziel der Wirtschaft ist immer, dass die Menschen leben können», sagt Raphaël Comte.

Eigenständig

In Bern hat er bereits ein erstes Zeichen gesetzt. Im Gegensatz zu seinen Parteikollegen lehnte er die Verschärfung des Arbeitslosengesetzes ab, von der vor allem Junge und Randregionen betroffen sind. Aber nicht aus humanistischen Gründen, wie Comte klarstellt.

«Der Vorschlag trägt wenig zur Gesundung der Finanzen bei, die ich unterstützen würde. So werden aber Aufgaben nur auf die Kantone und Gemeinden abgewälzt.»

Carole Wälti, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Am 29. September 1979 in Neuenburg geboren.

2000 kam er in die Legislative der Gemeinde Corcelles-Cormondrèche, seit 2008 gehörte er der Exekutive an.

Auf kantonaler Ebene wurde er 2001 mit 22 Jahren ins Kantonsparlament gewählt, als jüngster Politiker der Neuenburger Geschichte.

2004 wurde er Präsident der Neuenburger FDP.

Im Januar 2010 gewann er die Wahl um den Neuenburger Ständeratssitz von Didier Burkhalter.

Comte schlug die Grüne Francine John-Calame und Pierre Hainard von der rechtsbürgerlichen Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Raphaël Comte erfuhr von swissinfo.ch, dass 685’000 Schweizer im Ausland leben.

Die Idee eines 27. Kantons für Auslandschweizer bezeichnete er als «interessant». So könnte die Fünfte Schweiz ihre Meinung wirkungsvoller einbringen, als dies momentan der Fall sei, so Comte.

Er hat sich auch vorgenommen, der elektronischen Stimmabgabe (E-Voting) neuen Schub zu verleihen, deren Einführung auf nationaler Ebene seit langem harzt.

«In meinem Kanton funktioniert sie problemlos», unterstreicht er.

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