Post erzielt mehr Gewinn trotz sinkender Briefmengen
Die Schweizerische Post hat im ersten Halbjahr 2026 den Gewinn gesteigert. Zuwächse im Paketgeschäft und ein besseres Ergebnis bei Postfinance kompensierten den anhaltenden Rückgang bei den Briefen und den Schaltereinzahlungen.
(Keystone-SDA) Das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte im Vergleich zur Vorjahresperiode von 118 auf 173 Millionen Franken, wie die Post am Donnerstag mitteilte. Der Konzerngewinn sprang von 74 auf 139 Millionen Franken. Der Betriebsertrag stieg leicht auf 3,67 Milliarden Franken. Als Haupttreiber für das verbesserte Resultat nannte die Post das Logistik-Kerngeschäft: Die Kundinnen und Kunden verschickten 5,6 Prozent mehr Pakete als im Vorjahreszeitraum.
Zudem hätten die kommunizierten Preismassnahmen und Sparprogramme, darunter der Abbau von rund 437 Vollzeitstellen, gegriffen. Einen wesentlichen Beitrag leistete laut Mitteilung auch die Tochtergesellschaft Postfinance, deren EBIT von 135 auf 167 Millionen Franken stieg.
Historischer Tiefstand bei Briefen
Trotz des Gewinnsprungs warnte Finanzchef Alex Glanzmann in der Mitteilung vor Euphorie: Von jedem Franken Umsatz blieben der Post weiterhin weniger als 5 Rappen Ebit. Mit diesem Ertrag finanziere die Post die Grundversorgung, die jährlich rund 365 Millionen Franken koste, sowie Investitionen in die Infrastruktur und digitale Angebote.
In den ersten sechs Monaten 2026 sei das Briefvolumen erneut um fünf Prozent zurückgegangen. Damit betrage das Minus im Zehnjahresvergleich bereits 38 Prozent. Die Bareinzahlungen am Schalter sanken im ersten Halbjahr um elf Prozent und liegen heute um 68 Prozent unter dem Wert von vor zehn Jahren.
Als Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten baue die Post ihre digitalen Dienstleistungen aus. Die Nutzung der Post-App stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 57,6 Prozent, wie es weiter hiess. Das Angebot «Meine digitale Post» zähle über 1,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. 630’000 davon liessen sich ihre Briefe inzwischen rein digital zustellen – «drei Mal so viele wie vor einem Jahr».
Das Geschäftsfeld «Digital Services» vergrösserte seinen operativen Verlust von 29 Millionen auf 40 Millionen Franken. Auch das Netz eigenbetriebener Filialen (Postnetz) sei mit einem Minus von 50 Millionen Franken defizitär geblieben.
Kritik von der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft Syndicom kritisierte in einer Mitteilung den Abbau beim Service Public und die Sparmassnahmen beim Personal. Die steigenden Paketmengen führten seit Jahren zu einer hohen Arbeitsbelastung in nicht mehr tragbarem Ausmass. Die Geschäftsentwicklung der Post liefere keinen Grund für weiteren Druck aufs Personal und Abbau bei der postalischen Grundversorgung.