PRESSE/EU will Anleger besser schützen
HAMBURG (awp international) – Um den Anlegerschutz nach der Finanzkrise zu verbessern, plant die Europäische Union einem Pressebericht zufolge strengere Regeln für Pflichtprospekte bei Wertpapieremissionen und Börsengängen. Anleger könnten demnach Schadensersatz fordern, wenn die Kurzfassung des Wertpapierangebots nicht «alle wesentlichen Angaben enthält, die die Anleger für fundierte Anlageentscheidungen und für einen Vergleich mit anderen Anlageprodukten benötigen», berichtet die «Financial Times Deutschland» am Montag unter Berufung auf ein Papier der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft.
Hintergrund ist dem Bericht zufolge, dass Privatanleger die oft kiloschweren Prospekte gar nicht lesen. Im September hatte die EU-Kommission die Überarbeitung der Prospektrichtlinie angestossen. Darüber beraten jetzt die Mitgliedsstaaten. Während viele Länder die Haftung für die Kurzfassung begrüssten, sei Deutschland skeptisch, sagten Diplomaten.
Kritik komme besonders von Unternehmen, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren. «Man kann den Anlegern nicht vorgaukeln, das Lesen der Zusammenfassung reiche völlig für die Anlageentscheidung aus, und sie darin durch Einführung einer Vollständigkeitshaftung auch noch bestärken», sagte Rüdiger von Rosen, Vize des Verbands European Issuers. Die EU will dagegen den Schutz auch für vermögende Anleger ausbauen: Die Prospektpflicht soll künftig für alle Wertpapiere gelten, die in Losgrössen bis 100.000 Euro angeboten werden. Bisher liegt die Schwelle bei 50.000 Euro./fn/tw