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PRESSE/HSH-Eigner uneins über Umgang mit Vorstandschef Nonnenmacher

HAMBURG (awp international) – Die Eigentümer der HSH Nordbank sind sich uneins über die Gangart gegenüber dem umstrittenen Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher. Nach Informationen der «Financial Times Deutschland» (Freitagsausgabe) lehnte die Stadt Hamburg am Donnerstag die Initiative Schleswig-Holsteins vom Vortag ab. Kiels Wirtschaftsminister Jost de Jager hatte den 47-Jährigen in einem Brief aufgefordert, bis Freitagnachmittag aufzuklären, in welchem Umfang er Landespolitiker habe beobachten lassen, und ihm mit der Demission gedroht. Hamburgs Finanzsenator Carsten Frigge hält diesen Vorstoss dem Bericht zufolge für falsch.
«Die Gremien der Bank befassen sich bereits intensiv mit dem Thema, wir werden deren Ergebnisse abwarten und dann entscheiden, ob etwas zu tun ist. Grundsätzlich gilt: Als Eigentümer einer Aktiengesellschaft kann man dem Vorstand nicht einfach Anweisungen geben», sagte sein Sprecher der FTD. Hamburg und Schleswig-Holstein halten nach einer überlebenswichtigen Finanzspritze über 3 Milliarden Euro inzwischen zusammen 85,5 Prozent an der Landesbank.
Durch den Konflikt droht der HSH Nordbank ein beispielloses Führungschaos. Kiel verdächtigt den Chef der Staatsbank, mithilfe der Detektei Prevent Daten über Landespolitiker gesammelt zu haben. Wörtlich heisst es in dem Brief de Jagers, der der «FTD» vorliegt: Im Raum stehe der Vorwurf, «dass auch Veranstaltungen überwacht wurden, bei denen hochrangige Vertreter des Landes Referenten waren. (…) Sollten sich die in der Presse erhobenen Vorwürfe bestätigen und mithin Personen aus den Bereichen der Anteilseignerkreise überwacht worden sein, wäre dies ein inakzeptabler Vorfall.»
Um das beurteilen zu können, stellt de Jager in dem Brief Nonnenmacher insgesamt elf detaillierte Fragen. Das Ultimatum an den HSH-Chef ist in Teilen im Ton einer beamtenrechtlichen Anweisung verfasst. So heisst es in dem Brief etwa wörtlich, seine Antworten würden bis zum «Dienstschluss» am Freitag erwartet. Für Nonnenmacher besonders prekär: De Jager kündigt an, seine Antworten einer «eigenständigen politischen Bewertung» zu unterziehen. Das lässt ihm mehr Spielraum als etwa eine aktienrechtliche Bewertung, die Hamburg favorisiert. So könnte de Jager etwa argumentieren, dass eine Zusammenarbeit mit dem Vorstandschef aus Gründen der politischen Hygiene nicht mehr tragbar ist./zb

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