Russische Sberbank expandiert nach Osteuropa
WIEN/MOSKAU (awp international) – Die grösste russische Bank Sberbank expandiert nach Osteuropa. Am Donnerstag unterschrieben die Russen in Wien einen Kaufvertrag für die Ost-Tochter der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), die Volksbank International (VBI), teilten beide Geschäftspartner mit. Die beim europäischen Banken-Stresstest durchgefallene ÖVAG verkaufte das Osteuropa-Geschäft nach eigenen Angaben, um ihr Eigenkapital zu erhöhen und Risiken zu reduzieren.
Das veräusserte Banken-Netzwerk umfasst neun Banken in acht Ländern mit rund 600.000 Kunden. Es gehörte bisher zu 51 Prozent der ÖVAG, zu 24,5 Prozent der deutschen DZ Bank/WGZ Bank und zu 24,5 Prozent der französischen BPCE S. A. Die Sberbank übernimmt die VKI nun zu 100 Prozent für einen Preis von 585 bis 645 Millionen Euro – je nach Geschäftsentwicklung 2011. Der Kauf soll bis Mitte Februar nächsten Jahres abgeschlossen sein. Vom Verkauf ausgenommen ist die in die roten Zahlen geschlitterte Rumänien-Tochter der VBI.
«Die Strategie für Mittel- und Osteuropa ist klar: Wir wollen hier vertreten sein», begründete Sberbank-Chef German Gref am Donnerstag das neue Engagement. Bisher waren die Russen in Europa nur in der Ukraine und in Weissrussland mit eigenen Tochterbanken präsent. Mit dem Neuerwerb kommen nun noch die Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien hinzu.
Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA bekundete Gref auch Interesse an einer weiteren Expansion in die Türkei und nach Polen. Für konkrete Käufe sei es aber noch zu früh.
Die VBI hatte nach einem Verlust von 21,8 Millonen Euro 2010 im ersten Halbjahr 2011 rund 14,8 Millionen Euro Gewinn nach Steuern gemacht. Nach Angaben von VBI-Vorstandschef Friedhelm Boschert liegt die Bankengruppe in einem Aufwärtstrend./mib/DP/jha/