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Schweizer Atomenergie laut Greenpeace weiter von Russland abhängig

Keystone-SDA

Schweizer Atomkraftwerke sind über vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine bei ihrer Brennstoffversorgung nach wie vor stark von Russland abhängig. Russisches Uran durch kasachisches zu ersetzen, reicht laut Greenpeace nicht aus, die Abhängigkeit zu kappen.

(Keystone-SDA) Der Aargauer Energiekonzern Axpo habe eine Partnerschaft mit Kazatomprom, dem führenden kasachischen Unternehmen im Uransektor, angekündigt, teilte die Umweltorganisation Greenpeace am Donnerstag mit. Ziel sei es, die Verbindungen zu Russland entlang der gesamten Lieferkette zu stoppen. Bislang bezog Axpo den Brennstoff für die beiden Reaktoren des Kraftwerks Beznau vollständig aus Russland und für den Reaktor in Leibstadt zur Hälfte.

Auch wenn sich die Abbauorte änderten, bleibe das russische Unternehmen Rosatom unverzichtbar, bedauert die Umweltorganisation. Denn der Grossteil des in kasachischen Minen geförderten Urans werde über eine Route durch Russland exportiert, die in St. Petersburg ende. Dort werde es auf russische Schiffe verladen und in europäische Häfen transportiert.

Die internationale transkaspische Transportroute – die von Südostasien nach Europa führt – könnte eine Alternative sein, weise jedoch logistische Mängel auf und sei zudem erheblichen geopolitischen Risiken ausgesetzt, so Greenpeace.

Keine Rückverfolgbarkeit

Uran entziehe sich zudem jeglicher lückenlosen Rückverfolgbarkeit. Es sei austauschbar und werde im Anreicherungsprozess aus verschiedenen Quellen gemischt. Mehrere Lieferanten von Axpo verarbeiteten von Rosatom geliefertes Uran.

Die über Russland exportierten oder durch Russland transportierten Mengen machten das Land für die Branche unverzichtbar. Dies erkläre, warum seit Beginn des Krieges in der Ukraine noch kein Land Sanktionen gegen Rosatom verhängt habe, schrieb Greenpeace weiter.

Die Entscheidung für Atomenergie «treibt uns in die Fänge Russlands statt uns davon zu befreien». Nur ein Übergang zu erneuerbaren Energien, ermögliche es, im Energiesektor vollständig unabhängig und souverän zu werden, folgert Florian Kasser, Experte für Nuklearfragen bei Greenpeace Schweiz.

Axpo: Lieferkette diversifiziert

Die Axpo erklärte am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die Brennstoffversorgung von Leibstadt und Beznau sei aufgrund von Reserven seit 2022 nicht mehr auf russische Quellen angewiesen. Axpo habe im Februar 2025 nach umfangreichen Verhandlungen die Lieferkette diversifiziert und neue Verträge zur Brennstoffbeschaffung mit Uranförderunternehmen aus Kanada und Kasachstan abgeschlossen. Weiterverarbeitet werde dieses Uran in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich sowie den USA.

Ausserdem gebe es seit Frühling 2026 keine laufenden Verträge mehr, die Uran aus Russland beinhalten würden. Laut Axpo gibt es keine direkten oder indirekten finanziellen Flüsse nach Russland oder an russische Parteien aus den Verträgen mit Kazatomprom.

Seco: Keine Sanktionen

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte seinerseits, dass die Europäische Union bislang keine Sanktionen in Bezug auf Uran und Material für Kernkraftwerke verhängt hat. Auch der Transit von Uran aus anderen Ländern (wie Kasachstan) durch russisches Hoheitsgebiet unterliege keinen Sanktionen.

Die Bundesgesetzgebung erlaubt es dem Bund nicht, eigenständig Sanktionen zu verhängen. Sollte die EU die Einfuhr von russischem Uran verbieten, würde der Bundesrat die betreffende Massnahme sorgfältig prüfen, teilt das Seco der Nachrichtenagentur Keystone-SDA weiter mit.

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