Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Falls Sie sich geärgert haben, weil Ihr Wahlmaterial zu spät oder gar nicht angekommen ist, sind Sie nicht allein. Anscheinend gehen auch im Inland Kuverts verloren oder werden gar nicht erst verschickt. Zudem schauen wir heute zurück auf den Fichenskandal 1989 und nehmen den Jugendslang unter die Lupe.
Herzliche Grüsse aus Bern
Jede Stimme zählt: Eines der Grundprinzipien einer Demokratie. Schlampige Postdienste in ihren Wohnländern verhindern aber vielen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen. Doch das Problem scheint nicht nur im Ausland zu bestehen.
Toni Saller realisierte erst, dass er das Wahlcouvert nicht erhalten hatte, als er am Radio die Resultate der Ständeratswahl hörte. Dass im Ausland die Unterlagen oft nicht oder zu spät eintreffen, war ihm bekannt. Aber im Inland?
«Der Vorfall ist ein weiterer Kratzer in meinem Bild von der Schweizer Demokratie und passt in eine Entwicklung, die man als Abwärtsspirale der so gern gelobten ‚Schweizer Qualität‘ bezeichnen möchte», schreibt Saller in seinem lesenswerten Blogbeitrag auf Insideparadeplatz.ch.
Und weiter schreibt er: «Wir machen heute Wahlprognosen im Nachkommastellen-Bereich, sind aber nicht mehr in der Lage zu garantieren, dass jeder Bürger seinen Stimmzettel bekommt? Sind da die Prioritäten noch richtig gesetzt?«
- Der Beitrag von Saller auf Insideparadeplatz.chExterner Link.
- Über die neuste Entwicklung im Nachgang der Ständeratswahlen vom letzten Sonntag berichtete swissinfo.ch gestern.
- Hier finden Sie unsere umfassende Analyse der Wahlen 2019.
Wurden Sie damals auch fichiert? Es war die grösste politische Krise der Nachkriegszeit. Vor 30 Jahren erschütterte der so genannte «Fichenskandal» die Schweiz.
Am Anfang stand eine Untersuchung über die erste Bundesrätin der Schweiz – Elisabeth Kopp. Diese hatte ihrem Ehemann nahegelegt, einen Verwaltungsratsposten in einem Unternehmen niederzulegen, das unter Geldwäscherei-Verdacht stand. Die Untersuchungskommission deckte während ihrer Arbeit schliesslich die ganze Dimension des Überwachungsapparats auf.
900’000 Fichen waren angelegt worden. Zwei Drittel davon über ausländische Staatsangehörige. Die Bekanntgabe führte zu einem politischen Erdbeben. Tausende protestierten auf der Strasse. Der Skandal überschattete die 700-Jahr-Feierlichkeiten der Eidgenossenschaft.
- Unser freier Mitarbeiter Mattia Lento bietet in seinem Artikel einen guten Überblick über den Fichenskandal vor 30 Jahren.
- Aus dem Archiv: Bericht des Schweizer Fernsehens von 1995 über die Bespitzelung von Journalisten.
- Wo steht der Schweizer Geheimdienst heute? Dieser Frage geht meine Kollegin Sibilla Bondolfi in ihrer Recherche nach.
Schweizer Uhren waren bisher der Renner in Hongkong. Durch die anhaltenden Proteste der Demokratiebewegung sind nun aber die Uhrenverkäufe massiv eingebrochen.
Chinesinnen und Chinesen sind scharf auf Schweizer Uhren. Bei Kurzaufenthalten in Hongkong decken sie sich jeweils damit ein. Doch jetzt ist Hongkong erstmals seit über einem Jahrzehnt als wichtigster Markt hinter die USA und China gerückt.
Marktkenner schätzen, dass die Verkäufe übers ganze Jahr gesehen zwischen 50% und 70% einbrechen werden. und auch nach einer Beruhigung der Lage werde es wohl «sehr lange dauern», bis die Verkaufszahlen wieder auf dem Niveau vor den Protesten lägen, sagt ein Experte im Artikel meines Kollegen Samuel Jaberg.
Weltweit gesehen dürfte sich der Schaden in Grenzen halten. Chinesinnen und Chinesen kaufen fast jede zweite Schweizer Uhr der Welt. Sie würden nun halt auf andere Märkte ausweichen. So etwa nach Japan oder Singapur. Weltweit legten die Schweizer Uhrenexporte im Oktober sogar etwas zu.
- Der Artikel meines Kollegen Samuel auf swissinfo.ch.
- Die neusten Zahlen der Schweizer UhrenindustrieExterner Link.
- Auch die Handelszeitung berichtete kürzlichExterner Link basierend auf einem SDA-Artikel über die Marktverschiebung.
«Ey, Mann, chill…» Verstehen Sie dabei nur Bahnhof? Nicht schlimm: Jede Jugend hat ihre eigene Sprache. So entstand in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Ländern auch der «Balkan-Slang». Oft verschwinden solche Slangs wieder – wie die Mode.
Der Forscher Stephan Schmid hat den Jugendlichen in der Schweiz genau zugehört. Er meint: Beim Slang der Jugend geht es vor allem um Coolness, Provokation, Abgrenzung, Identität und Kultur – aber auch um Kreativität und Humor.
Beim «Balkan-Slang» werden – wie etwa im Albanischen üblich – zum Beispiel unbestimmte Artikel weggelassen. Wer jetzt eine Verluderung der Schweizer Dialekte befürchtet, den beruhigt der Forscher: Es sei durchaus möglich, dass dieser Slang wieder verschwinden werde wie eine Mode. «Sprachwandel gab es schon immer», sagt er im Artikel der CH-Media-Gruppe. «Und vor allem lässt er sich nicht aufhalten.»
- Der Artikel in den Zeitungen von CH MediaExterner Link.
- Testen Sie Ihre Jugendsprach-Kompetenz mit diesem QuizExterner Link.
- Ein interessantes Interview mit einem SprachforscherExterner Link erschien diesen Sommer in der Aargauer Zeitung, die auch zur CH-Media-Gruppe.
Es gibt viele Gründe, weshalb Schweizerinnen und Schweizer auswandern. Was ist Ihre Geschichte?
Die einen kehren der Heimat den Rücken, weil sie es sich in der Schweiz finanziell nicht mehr leisten können. Die anderen, weil sie sich im Ausland verliebt haben und das Land des Partners als neuen Wohnort wählen.
Und dann gibt es Schweizerinnen und Schweizer, die sich für eine Nonprofit-Organisation engagieren oder gleich selbst ein Hilfswerk aufbauen.
So auch Markus Bossard. Während seinem Einsatz für eine Nonprofit-Organisation in Kenia hat er sich verliebt und ist geblieben. Ursprünglich wollte er nur neun Monate bleiben. Das war 2017. Mittlerweile ist er verheiratet und betreibt einen kleinen Laden in Kisumu, einer Stadt im Westen Kenias.
Damit er seine Auserwählte Evaline heiraten konnte, musste er fünf Kühe bezahlen. Seine Geschichte finden Sie Externer LinkhierExterner Link.
Auch die Aargauer Bruno und Margrit Wicki sind in den 1970er-Jahren nach Tansania gereist, um zu helfen. Sie als Pflegerin, er als Mechaniker. Nach rund vier Jahren sind sie in die Schweiz zurückgekehrt. Zwei von ihren vier mittlerweile erwachsenen Kindern wurden in Afrika geboren. 2003 haben die Wickis ein neues Projekt in Tansania gestartet, seit 2008 leben sie nun in Afrika. Zurück kommen wollen sie nicht mehr: Ein beeindruckendes LebenswerkExterner Link.
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