Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer
Schweizer Flugzeuge waren an Einsätzen in Afghanistan beteiligt, bei denen Hunderte Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben kamen. Das zeigt eine aufwendige Recherche von SRF.
Herzliche Grüsse aus Bern!
Zur Abwechslung fange ich das heutige Briefing mal mit etwas Kultur an.
Wann waren Sie das letzte Mal im Kino? Noch vor der Pandemie? Seither hat sich auch in der Schweiz eine neue Mitsprache-Möglichkeit für das Publikum etabliert: Immer häufiger werden Testscreenings durchgeführt. Soll die Heldin sterben? Funktioniert der Witz mit der Lampe? Zuschauerinnen und Zuschauer können so die Handlung und den Ausgang eines Films kurz vor dessen Fertigstellung zum Teil noch wesentlich mitbeeinflussen.
An den diesjährigen Solothurner Filmtagen wurde ebenfalls eine solche Test-Vorführung durchgeführt. Dabei durften nur Personen ohne Bezug zur Filmbranche – also quasi ein durchschnittliches Filmpublikum – einen Film ansehen und sich anschliessend dazu äussern. Die Tickets gab es nur per Los.
Was meinen Schweizer Filmschaffende zu dieser in der Schweiz immer beliebter werdenden Praxis? Unser freier Mitarbeiter Max Borg fragte dafür etwas in der Szene herum. Wie es scheint, nutzen bekannte Regisseurinnen und Regisseure die Möglichkeit auch hierzulande immer häufiger, besonders bei Komödien. Denn da muss jeder Witz sitzen!
- Der Testscreening-Artikel von Max Borg.
- Gestern wurde übrigens ein Schweizer Film an der Berlinale mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet.
- Ein Beispiel: Hintergrund im CinebulletinExterner Link, der Zeitschrift der Schweizer Filmbranche (2018).
Nun zur Aktualität: Der Bundesrat berät heute über die Ukraine-Krise.
Welche Sanktionen ergreift die Schweiz gegen Russland, nachdem Präsident Wladimir Putin den Ukraine-Konflikt eskaliert hat? Bis kurz vor 17 Uhr hat sich die Landesregierung noch nicht dazu geäussert. Dafür gibt es zahlreiche Kommentare in den Schweizer Presseerzeugnissen.
So schreibt etwa der Kommentator der Neuen Zürcher Zeitung: «Die Neutralität ist für die Schweiz zu Recht ein hohes Gut. Aber wenn es um das Prinzip der territorialen Integrität und Souveränität von Staaten geht, kann und darf es keine neutrale Haltung geben. Da sollte auch die Schweiz zu harten Sanktionen Hand bieten.»
Der Bund hat einen Völkerrechtler um seine Meinung gebeten. Dieser sagt: «Auch als neutrales Land darf die Schweiz bei allen wirtschaftlichen Sanktionen mitmachen. Die politisch heikle Frage aber ist: Ist das auch sinnvoll? Oder soll sie sich darauf beschränken, die Umgehung dieser Sanktionen über die Schweiz zu verhindern – so wie sie es bei der Besetzung der Krim 2014 gemacht hat?»
- Für die aktuellsten Nachrichten zur Ukraine-Krise empfehle ich Ihnen den Live-Ticker von SRF NewsExterner Link.
- SRF News: Was macht die Schweiz?Externer Link
- Der Kommentar in der Neuen Zürcher ZeitungExterner Link (Paywall).
- Das Interview in der Zeitung Der BundExterner Link.
Wenn Schweizer Kriegsmaterial Menschenleben auslöscht.
Bei Luftschlägen in Afghanistan starben Hunderte Zivilpersonen. Mit dabei in der Luft: Pilatus-Flugzeuge des Typs PC-12 aus der Schweiz. Das zeigen Recherchen von SRF. Dazu analysierte ein Investigativteam Videos von den Angriffen. Ein Schweizer Flugzeug fungierte dabei jeweils «als fliegende Kommandozentrale, das die Bomber der afghanischen Luftstreitkräfte bei den Angriffen leitete», heisst es.
Die Angriffe wurden besonders in der Endphase des Afghanistan-Kriegs kurz vor der Machtübernahme der Taliban geflogen. Dabei kamen nicht nur Talibankämpfer ums Leben, die Bomben töteten auch Hunderte von unbeteiligten Menschen.
«Wusste die Firma Pilatus schon vor dem Einsatz der PC-12 in Afghanistan, dass die Flieger ins Kriegsgebiet gelangen?», fragte das Newsportal den Flugzeughersteller mit Sitz in Stans (Kanton Nidwalden). Diese und weitere Fragen von SRF wollte Pilatusnicht beantworten.
- Wie genau das Rechercheteam vorgingExterner Link, erfahren Sie heute auf SRF News.
- In diesem Video beschreibt SRF News den Weg der Pilatus-Flugzeuge von der Schweiz nach AfghanistanExterner Link.
- Hier finden Sie den Podcast zur umfangreichen Recherche von SRFExterner Link.
Wie soll es weitergehen mit der Beziehung der Schweiz mit der EU?
Für die Schweiz führt kein Weg an der Europäischen Union vorbei. Das sagt Gilbert Casasus im Interview meiner Kollegin Sibilla Bondolfi. Der Professor für Europastudien sieht die Schweiz in einer Reduit-Mentalität gefangen.
Reduit? Vielleicht sagt Ihnen das noch etwas. Für jüngere Leserinnen und Leser: Im Zweiten Weltkrieg hatten Schweizer Regierung und Armee geplant, sich im Fall eines Angriffs ins Alpengebiet zurückzuziehen, um von dort aus Widerstand gegen Nazi-Deutschland zu leisten.
Diese Mentalität sei es, die verhindere, dass sich die Schweiz öffne – gerade auch gegenüber Europa, sagt Casasus. Die Schweizerinnen und Schweizer «verhalten sich wie Personen, die auf dem Zugperron stehen und gucken, wie der Zug vorbeifährt, aber keine Möglichkeit haben, in den Zug einzusteigen».
- Das ganze Interview mit Gilbert Casasus lesen Sie hier.
- Warum die Schweiz nicht in die EU will: Sibilla hat kürzlich die wichtigsten Motive zusammengetragen.
- Aus unserem Archiv: So machen es andere Nicht-EU-Mitglieder.
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