Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
Schweizer Munition für die Ukraine? Was bis vor Kurzem noch als undenkbar galt, wird plötzlich diskutiert.
Freundliche Grüsse aus Bern
An Tabu gerüttelt: Schweizer Munition an die Ukraine?
Deutschland wollte Munition, die aus der Schweiz stammt, ins Kriegsgebiet schicken. Der Bund hat aber sein Veto eingelegt. Das hat für Diskussionen gesorgt, nicht nur in Deutschland, sondern auch hierzulande.
Der Präsident der Mitte-Partei, Gerhard Pfister, kritisierte darauf den Bundesrat und plädierte dafür, die Munition an die Ukraine liefern zu lassen. Nun fragt man sich: Darf man einem Land, das sich gegen einen Aggressor verteidigt, keine Waffen und Munition verkaufen – aber einem Land wie Saudi-Arabien, das immerhin den Jemen angegriffen hat, schon? Und wie kann man das rechtlich (und moralisch) rechtfertigen?
Zudem: Eine Viererdelegation des Nationalrats will schon in den nächsten Tagen ins Kriegsgebiet reisen. Die höchste Schweizerin, die grüne Nationalratspräsidentin Irène Kälin, will mit drei Kollegen in die Ukraine reisen – das wäre der erste offizielle Besuch in der Ukraine seit Kriegsbeginn.
- Der Tages-Anzeiger schreibtExterner Link über die brisante Debatte.
- Hier geht esExterner Link zum Bericht über die deutsche Waffenlieferung in der Sonntagszeitung. (Paywall)
- Über die anstehende Ukraine-Reise hat der Tages-Anzeiger geschriebenExterner Link.
Wie ein junger Schweizer die russischen Truppen beobachtet – und ein einflussreicher Analyst wurde.
Untersuchungen, wie Kriege und Konflikte medial abgedeckt werden, füllen ganze Bibliotheken. Seit einigen Jahren gibt es ein neues Phänomen, das über das Beobachten hinaus geht und die (zahlreichen) Beobachter:innen zu Akteur:innen macht: Osint.
Osint steht für Open Source Intelligence. Damit sind datengetriebene analytische Erkenntnisse gemeint, die auf öffentlich zugänglichen Quellen basieren. Ein Beispiel: Ein Bild eines zerstörten Flughafens in der Ukraine kann mittels Bilderkennungsprogrammen identifiziert werden. Oder der Standort einer zerstörten Brücke kann mittels ihrer Umgebung lokalisiert werden.
Dazu braucht es nur einen Laptop, Internet und etwas Zeit. Die NZZ hat einen 22-jährigen Mann aus Biel porträtiert, der in den letzten Monaten via Twitter seine Analysen teilte – umsonst und verifizierbar, wie in der Branche üblich. Diese sind auf höchstem Niveau; selbst die russische Armee scheint sie ernst zu nehmen. Er hat mehrmals bemerkt, wie die Russen nach einer Publikation seine Datenquellen angegangen sind.
- Lesen Sie hierExterner Link das Porträt in der NZZ. (Paywall)
- Die andere Forschungsgeschichte: Wie der Krieg die Arktisforschung gefährdet.
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Macron wiedergewählt: Eine Reportage aus dem Grenzgebiet.
Emmanuel Macron hat als erster Staatschef seit 20 Jahren die Wiederwahl geschafft. Er hat sich mit rund 58% von der rechtsextremen Marine Le Pen abheben können – weniger deutlich als vor fünf Jahren, aber immerhin.
Wie sehr sich die Politik in Frankreich verändert hat, wird anhand einer aufschlussreichen Reportage klar: Das Basler Medium Bajour fing den Wahlsonntag im angrenzenden Huningue ein – wo beispielsweise ein Mann dem Reporter erklärte, weshalb er als Araber nun für Le Pen stimmte.
Die Frage stellt sich nun: Was passiert 2027? Manche fürchten sich vor einer weiteren Polarisierung des Landes, die dazu führt, dass dann wirklich ein/e Extremist:in an die Macht kommt. Wir werden sehen – in fünf Jahren kann sehr viel geschehen.
- Lesen Sie hierExterner Link die Reportage von Bajour.
- Arroganz schlägt Inkompetenz: Die Wahlanalyse von WatsonExterner Link.
- Meine Kollegin Pauline Turuban hat eine Presseschau dazu gemacht. (Auf Französisch)
- Und noch ein Hinweis aus einer anderen Grenzregion: Wir haben einen neuen Blog von zwei Forschern, die im ewigen Eis nach Spuren von Mikroplastik suchen – unsere Feldnotizen aus der Antarktis.
Das Krypto-Land Schweiz sucht händeringend nach Fachkräften.
Die Schweizer Blockchain-Branche expandiert so schnell, dass ihr die Fachkräfte ausgehen. Die Zahl der Unternehmen, die in der Branche hierzulande tätig sind, ist von 300 im Jahr 2017 auf rund 1200 gestiegen.
Sie beschäftigen inzwischen über 6000 Mitarbeiter:innen. Mittlerweile haben sie jedoch Mühe, geeignetes Personal zu finden.
Universitäten geben nun mit neuen Angeboten Gegensteuer. Bereits zwanzig Hochschulen haben das Thema in ihre Lehrpläne aufgenommen – Tendenz steigend.
- Lesen Sie hier den Artikel meines Kollegen Matthew Allen.
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