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Angestellte lassen sich nicht kaufen

Ein gutes Arbeitsklima ist für die meisten Beschäftigten in der Schweiz wichtiger als ein möglichst hoher Lohn. Dies geht aus einer Umfrage von Universität und ETH Zürich hervor.

Fast die Hälfte der Befragten (49%) sind zufrieden oder gar sehr zufrieden mit ihrem Lohn. Dies zeigt das Schweizer Human-Relations-Barometer (HR-Barometer) 2008, das am Mittwoch von Wissenschaftern von Universität und ETH Zürich vorgestellt wurde. Unzufrieden oder sehr unzufrieden sind nur 13%. Die restlichen 38% mochten sich nicht entscheiden.

Ob sich ein Arbeitnehmer für eine Stelle entscheidet oder länger bei der gleichen Firma bleibt, hängt laut Studie nicht in erster Linie vom Lohn ab. Viel wichtiger sind andere Faktoren wie flexible Arbeitszeiten, Verantwortung, Arbeitsinhalte, Perspektiven und weiterführende Mitarbeitergespräche.

Relativiert wird diese Aussage bei Beschäftigten der untersten Lohnklassen. Hier hat der Lohn einen viel höheren Stellenwert, wie Bruno Staffelbach einräumte. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Zürich ist Mitherausgeber des HR-Barometers.

Stellenwechsel im Auge

Trotz der allgemeinen Zufriedenheit und obwohl jeder dritte Befragte die berufliche Karriere als «nicht wichtig» bezeichnet: Mehr als ein Drittel der 1370 Befragten in der Deutsch- und Westschweiz liebäugeln mit einem Stellenwechsel. Das sind 5% mehr als 2007.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist etwas geringer als früher. Sie wird grösser, je älter die Befragten sind. In der Westschweiz ist die Angst, den Arbeitplatz zu verlieren, generell grösser als in der Deutschschweiz.

Widersprüchliches stellten die Wissenschafter beim Thema Loyalität fest: Zwar wünschen sich die Beschäftigten vom Arbeitgeber mehr Loyalität. Die eigene Loyalität dem Unternehmen gegenüber sinkt aber. Die Arbeitnehmenden wollen ihre Karriere in die eigenen Hände nehmen – ungeachtet der Firmeninteressen.

«Erschreckendes Bild»

Der HR-Barometer gebe ein «erschreckendes Bild der Lohnlandschaft Schweiz, schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in einer Reaktion. Die Hälfte der Befragten sei mit ihrem Lohn nicht zufrieden. Bei den unteren Lohnklassen sei dieser Anteil noch viel höher. Ein Drittel der Angestellten wolle denn auch die Stelle wechseln, folgert der SGB.

Dies sei aber angesichts der Tatsache verständlich, dass in der Schweiz immer noch 700’000 Menschen weniger als 4000 Franken pro Monat verdienten. Der Gewerkschaftsbund pocht deshalb auf höhere Mindestlöhne.

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