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Gemeinsam auf Vertrauen bauen

Nationalratskandidierende afrikanischer Herkunft vor dem Bundeshaus in Bern. Keystone

Sie haben afrikanische Wurzeln, sie sind Schweizer und kandidieren für verschiedene Parteien für den Nationalrat. Sieben Afro-Schweizer haben in Bern ihre politischen Ziele vorgestellt.

Die fünf Männer und zwei Frauen reagieren damit auf diskriminierende und fremdenfeindliche Töne, die in der Wahlkampagne in den letzten Wochen zu hören waren.

Es gebe Kräfte im Land, die lieber Zwietracht säten und Angst predigten statt Vertrauen und Zuversicht, stellte Andrew Katumba, Zürcher Gemeinderat und Kandidat der Sozialdemokratischen Partei (SP), vor den Medien fest.

Es gelte «dumpfe Angst» in der Schweizer Bevölkerung zu nehmen: «Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut.»

Gemeinsam auf Vertrauen bauen: So lautet das Motto einer am Mittwoch gestarteten überparteilichen Wahlkampagne für sieben Nationalratskandidaten mit afrikanischen Wurzeln. Die fünf Männer und zwei Frauen kandidieren für verschiedene Parteien, hauptsächlich für die Grünen und die SP.

60’000 Menschen afrikanischer Herkunft lebten hier, insgesamt 1,5 Mio. Ausländerinnen und Ausländer. Aber dieser Fünftel der Bevölkerung ohne Schweizer Pass sei im eidgenössischen Parlament fast nicht vertreten, sagte Katumba.

«Wir wollen etwas für das Land machen»

«Mit dieser Pressekonferenz wollen wir zeigen, dass es viele gut integrierte Afro-Schweizer gibt, die sich am Leben in der Schweiz beteiligen wollen», sagt Ricardo Lumengo, Berner Grossrat und SP-Kanditat.

«Wir sind vor allem hier, weil wir etwas für dieses Land machen wollen», sagt auch Carl-Alex Ridoré, Freiburger Grossrat und SP-Kanditat. «Auch wenn wir schwarze Haut haben, interessieren uns nicht nur Fragen in Zusammenhang mit der Immigration. Wir interessieren uns für alles, was die Schweiz betrifft.»

«Beleidigung für die Schweizer»

Doch es scheine, als ob das Einwanderungsland Schweiz möchte, dass die Ausländerinnen und Ausländer unsichtbar bleiben. Die sieben Teilnehmenden an der Medienkonferenz verlangten ein Ende der Diskriminierung. Die ausländische Bevölkerung habe von fremdenfeindlichen Angriffen genug.

«Die SVP-Wahlkampagne zeugt von mangelndem Respekt», sagt Serge Sagbo, Kanditat der Christlichdemokratischen Partei (CVP) im Kanton Waadt. «Zahlreiche Personen, die sich stark um die Integration bemüht haben, sind frustriert. Dabei ist doch die kulturelle Vielfalt eine Bereicherung für die Schweiz.»

Eine «inakzeptable Beleidigung für die Schweizer» sei das Plakat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) mit weissen Schafen, die ein schwarzes Schaf aus der Schweiz bugsieren, sagte Alpha Dramé, Genfer Stadtrat und grüner Nationalratskandidat.

Weitere politische Ziele

Die überparteiliche Kampagne sei auch angesichts der in den letzten Wochen erfolgten Zuspitzung des Wahlkampfs erfolgt, heisst es an der Pressekonferenz. Diffamierungsaktionen gegen Minderheiten oder die ausländische Bevölkerung nähmen zu.

Die Kandidierenden afrikanischer Herkunft haben zusätzlich zur Offensive für Integration und Chancengleichheit weitere politische Ziele. Diese reichen von der Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben über die Bekämpfung der Jugendkriminalität bis zum Kampf gegen Verschmutzung und Erwärmung der Umwelt.

swissinfo und Agenturen

An der überparteilichen Wahlkampagne für Nationalratskandidierende mit afrikanischen Wurzeln nehmen folgende Personen teil: Félicienne Villoz Lusamba Muamba, Stadträtin Biel (Grüne), Nathalie Fellrath-Owanga, Grossrätin Kanton Neuenburg (SP), Ricardo Lumengo, Grossrat Kanton Bern (SP), Carl-Alex Ridoré, Grossrat Kanton Freiburg (SP), Andrew Katumba, Gemeinderat Stadt Zürich (SP), Mandu dos Santos Pinto (Grüne, Zürich), Serge Sagbo (CVP, Waadt), Alpha Dramé, Gemeinderat Stadt Genf (Grüne).

Im Kanton Waadt steht ein weiterer Kanditat mit afrikanischer Herkunft, Antoine Vonnez, auf einer gemeinsamen Liste der CVP, der Evangelischen Volkspartei (EVP)und der Eidgenössisch Demokratischen Union (EDU).

Im Kanton Genf setzt die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) den Kandidaten Ali Benouari auf die Liste, der algerischer Herkunft ist. Im Kanton Neuchâtel präsentiert die EDU Liliane Grimm.

Auf der SVP-Liste kandidieren drei Personen, die in Südafrika leben und eine Person mit Sitz in Nigeria, sagt die Schweizerische Volkspartei (SVP) gegenüber swissinfo.

Weiter kandidieren auf den Junglisten der Partei einige Kanditaten ausländischer Herkunft (Balkan, Italien).

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