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10-Millionen-Initiative: Umfrage sieht Kopf-an-Kopf-Rennen

Die Silhouetten von Menschen auf einer Dachterrasse bei Sonnenuntergang
Unklare Aussichten: Die 10-Millionen-Initiative polarisiert stark. Keystone / Urs Flueeler

Etwas mehr als einen Monat vor dem Urnengang stellt sich bei der 10-Millionen-Initiative eine Pattsituation ein. Und die Änderung des Zivildienstgesetzes findet eine knappe Mehrheit. Das prognostiziert die erste SRG-Trendumfrage zu den Abstimmungen am 14. Juni.

Die Kampagnen nehmen langsam an Fahrt auf, und das Stimmungsbild zeigt sich durchzogen: Stand heute ist der Ausgang über die Abstimmung um die Volksinitiative «Keine 10 Millionen Schweiz!» offen. «Wir sehen ein Patt auf allen Ebenen», sagt Lukas Golder vom Institut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG durchgeführt hat.

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Dass die Initiative stark polarisiert, zeigt sich daran, dass die Meinungen zu einem grossen Teil schon gemacht sind: 79% der Teilnahmewilligen geben eine feste Stimmabsicht für oder gegen die Vorlage an. Zwar liessen sich gewisse Unterschiede nach Alter, Geschlecht oder Einkommen beobachten, diese fallen jedoch insgesamt moderat aus, so Golder. Zentral sei die Parteibindung.

SVP-nahe Personen stehen praktisch geschlossen hinter der Initiative, Linke lehnen sie ähnlich deutlich ab. Im politischen Zentrum ist sie jedoch umstritten.

Eine wichtige Rolle kommt also den Unentschlossenen zu, die zurzeit 6% ausmachen. Und auch der Mobilisierungsfähigkeit der beiden Lager. «Mobilisierung ist das grosse Thema bei dieser Vorlage», sagt Golder. Die beabsichtigte Stimmbeteiligung liegt mit 50% über dem langjährigen Durchschnitt von 47,1%.

Anders zeigt sich das Bild bei den Schweizerinnen und Schweizer im Ausland: 55% sind dagegen oder eher dagegen, und der Anteil der (eher) Zustimmenden ist mit 38% deutlich tiefer als im Inland. «Ein typisches Muster, da die Auslandschweizer-Community in der Migrationsfrage eher die Chancen sehen», sagt Golder. Aber auch hier zeigt sich ein Anteil von Unentschlossenen, der sich in der gleichen Grössenordnung bewegt wie im Inland.

Warum sich der Auslandschweizerrat vor der Initiative fürchtet, können Sie hier lesen:

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Bilaterale III und «Keine 10-Millionen-Schweiz»: Auslandschweizer fürchten sich vor den Folgen

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Die Delegierten des Auslandschweizer-Rates tauschten sich mit den Mitgliedern der Parlamentarischen Gruppe «Auslandschweizer» über die neuen Verträge zwischen der Schweiz und der EU sowie die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» aus.

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Gefragt nach der Einschätzung, ob die Initiative angenommen wird, geht eine sehr knappe Mehrheit von 51% der Befragten davon aus, dass sie abgelehnt wird. Die Kampagne wird nun an Fahrt aufnehmen – es kann mit einer äusserst knappen Entscheidung gerechnet werden.

Das Pro-Argument der überlasteten Infrastruktur, die unter dem Bevölkerungswachstum leide, überzeugt bei der Befragung am meisten. Auch jenes, wonach eine Begrenzung des Wachstums notwendig sei, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu schonen.

Die überzeugendsten Argumente der Contra-Seite umfassen den bilateralen Weg mit der EU, der nicht gefährdet werden soll, Stichwort Personenfreizügigkeit. Sowie die Frage nach Fachkräften und der Wohlstand der Schweiz, die durch eine Deckelung der Bevölkerung bedroht wären.

Schätzungen gehen von rekordverdächtigen 15 Millionen Franken aus, die beide Seiten in den Abstimmungskampf investieren – wobei das Nein-Lager etwas mehr aufwendet. Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und die SP sind die zahlungskräftigsten Akteure, während auf der Ja-Seite hauptsächlich die SVP die Finanzen der Kampagne bestreitet.

Hier finden Sie unsere Übersicht zur Initiative:

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Eine knappe Mehrheit ist für die Änderung des Zivildienstgesetzes

Ebenfalls zur Abstimmung kommt das Zivildienstgesetz. Hier sieht die Trendumfrage eine Mehrheit von 52% für die Änderung. Dagegen ist vor allem die Linke, was wenig erstaunt – sie hat auch das Referendum gegen die geplante Gesetzesänderung ergriffen. «Das Meinungsbild ist hier jedoch deutlich weniger gefestigt als bei der 10-Millionen-Iniatitive», sagt Martina Mousson von gfs.bern. Diese Vorlage stehe nicht im Zentrum.

Der Bundesrat und eine Mehrheit des Parlaments sind der Ansicht, dass zu viele Männer Zivildienst statt Militärdienst leisten. «Man könnte denken, es bestünde eine freie Wahl zwischen Armee und Zivildienst», sagte der Bundespräsident und Verteidigungsminister Guy Parmelin vorgängig zur Gesetzesrevision. Der Zivildienst soll aber die Ausnahme sein, und nicht eine Alternative.

Die langfristige Sicherung der Armee ist gemäss der Umfrage das stärkste Argument für die Vorlage, die höhere Zugangshürden zum Zivildienst vorsieht. «Der geopolitische Kontext spielt natürlich in die Kampagne hinein», so Mousson.

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Die gegnerische Seite im Ausland ist ähnlich stark wie jene in der Schweiz. Die (eher) Ja-Seite hingegen ist mit 43% deutlich schwächer. Dafür ist aber der Anteil Unentschlossener mit 16% ebenfalls deutlich höher als im Inland.

Bei Behördenvorlagen nimmt der Ja-Anteil während der Kampagne tendenziell zu, die Ausgangslage bleibt jedoch noch offen. Da der Vorsprung begrenzt und die Meinungsbildung noch nicht sehr fortgeschritten ist, kann es in der Kampagnenphase durchaus zu Verschiebungen kommen.

Im Zentrum steht der Mobilisierungseffekt der 10-Millionen-Initiative: Die Dynamik und die Diskussionen dieser Kampagne können die weitere Meinungsbildung zum Zivildienstgesetz noch beeinflussen.

Die zweite SRG-Umfrage wird am 3. Juni publiziert.

Hier finden Sie unsere Übersicht zum Zivildienstgesetz:

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Für die erste SRG-SSR-Trendbefragung des Forschungsinstituts gfs.bern wurden zwischen dem 20. April und dem 3. Mai 2026 19’728 Stimmberechtigte befragt. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2,8 Prozentpunkte.

Editiert von Pauline Turuban

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