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Italiens Staatschef Ciampi in der Schweiz

Keystone

Der italienische Präsident Carlo Azeglio Ciampi weilt seit Mittwoch zu einem zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz.

Der Gast aus Italien wurde nach seiner Ankunft auf dem Flughafen Bern-Belpmoos in der Bundesstadt vom Gesamtbundesrat mit militärischen Ehren empfangen.

Nach der militärischen Ehrenbezeugung auf dem Bundesplatz und dem offiziellen Empfang durch den Gesamtbundesrat standen Gespräche mit einer Delegation der Regierung auf dem Programm. Am zweiten Tag wird Bundespräsident Couchepin seinen Gast am Donnerstag ins Tessin führen.

Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi hofft, dass sich die Schweiz aktiv an der Diskussion über die Zukunft Europas und der EU beteiligen wird. Für Italien sei die Schweiz seit je ein Land der Freiheit, der Demokratie, des Wohlstandes und der Hoffnung, sagte Ciampi bei seiner Ansprache im Bundeshaus.

Die engen historischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien müssten im Interesse Europas und der Welt noch verstärkt werden.

Europa und der Euro seien für die Schweiz eine Realität, so Ciampi weiter. Die geografischen Grenzen seien aufgegangen. Allein die europäische Integration könne im Zeitalter der Globalisierung Wohlstand, Sicherheit und Freiheit garantieren.

Bundespräsident Couchepin erklärte in seinem Willkommensgruss, die moderne Schweiz sei ohne die italienischen Mitbürger und Mitbürgerinnen nicht denkbar. Diese schlügen die Brücke zum Kulturraum der italienischen Halbinsel, sagte der Bundespräsident weiter.

Schatten im Vorfeld

Im Vorfeld der Staatsvisite hatte die vorübergehende Festnahme zweier italienischer Parlamentarier am letzten Donnerstag in Lugano einen leichten Schatten auf Ciampis Besuch geworfen.

Die beiden Parlamentarier waren in Zusammenhang mit der mutmasslichen Schmiergeldaffäre «Telekom Serbia» auf der Suche nach Beweismaterial ins Tessin gereist. Gegen die beiden Abgeordneten und vier Begleitpersonen ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Verdachts auf verbotene Handlungen für einen fremden Staat.

Als einen «Sturm im Wasserglas» bezeichnet der Schweizer Botschafter in Rom, Alexis Lautenberg, den «Polit-Skandal».

Die Schweiz und Italien betonten, dass dieses Ereignis keinen Einfluss auf die ausgezeichneten Beziehungen zwischen beiden Ländern habe – im Gegenteil.

Bilaterales, Aussenpolitik und Wirtschaft

Nach dem offiziellen Empfang des italienischen Präsidenten durch den Gesamtbundesrat standen am Nachmittag Gespräche mit einer Delegation der Regierung auf dem Programm.

Diskutiert werden die bilateralen Beziehungen der Schweiz zur EU sowie aktuelle aussenpolitische und wirtschaftliche Fragen.

Die Verkehrspolitik wird eines der ganz heissen Themen sein. Die Schweiz investiert Milliarden in die alpenquerende Bahn. Diese Investitionen werden sich aber nur auszahlen, wenn Italien in nützlicher Frist die Bahnstrecken auf seiner Seite der Alpen so anpasst, dass verladene grosse Lastwagen die italienischen Tunnels passieren können.

«Die Eisenbahnstruktur hat in den Jahren des ökonomischen Booms etwas gelitten, weil Italien, wie die anderen europäischen Länder auch, das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung des Individualverkehrs auf der Strasse gelegt hat», sagt der italienische Botschafter in Bern, Lorenzo Ferrarin.

Trotzdem versichert Italien, seinen Verpflichtungen gegenüber der Bahn nachzukommen.

Nach den Gesprächen werden Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und ihr italienischer Amtskollege Franco Frattini ein Abkommen über die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit unterzeichnen.

Augenschein im Tessin

Der zweite Besuchstag ist einer Reise ins Tessin gewidmet. Couchepin und Ciampi werden dort unter anderem der Universität der italienischen Schweiz in Lugano einen Besuch abstatten.

«Es gibt zwar noch keine konkreten Projekte, aber es soll eine Basis für die Zusammenarbeit der Universität der italienischen Schweiz mit den italienischen Universitäten in der Lombardei geschaffen werden,» erklärt der Schweizer Botschafter in Rom, Alexis Lautenburg.

Der letzte Staatsbesuch aus Italien in der Schweiz hatte 1996 stattgefunden. Damals war Oscar Luigi Scalfaro Präsident Italiens.

swissinfo und Agenturen

1. Tag
Gespräche mit einer Delegation des Bundesrats
Ministertreffen mit Micheline Calmy-Rey und ihrem Amtskollegen Franco Frattini
Unterzeichnung eines Abkommens über die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit
2. Tag
Exkursion ins Tessin und Besuch der Universität der italienischen Schweiz

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