Presseschau vom 31.03.2003
Der Krieg beschäftigt die Zeitungen: Wie geht es weiter, wie viel Leiden folgt noch?
Die US-Führung wird kritisiert. Sie habe sich von ihrem Wunschdenken leiten lassen, und an einen kurzen Krieg geglaubt.
«Krieg ausser Kontrolle», titelt der BLICK und betont, Tausende von Selbstmord-Attentätern stünden bereit. Zudem, so das Boulevardblatt, droht weiteres Ungemach: «Alliierte: Keine Rücksicht mehr auf Frauen und Kinder».
Auf der Frontseite des Berner BUND ist eines der Kinder zu sehen, das mit seiner Familie am Wochenende vor den Kämpfen in Basra geflohen war.
Die BUND-Kommentatorin kritisiert die gesamte amerikanische Führung:
«Regierungsvertreter weckten immer wieder die Erwartung, der Feldzug in Irak werde Wochen, nicht Monate dauern und die US-Truppen würden als Befreier bejubelt werden.»
Doch das sei mehr als Propaganda gewesen: «Vielmehr liess sich die US-Regierung von ihrem eigenem Wunschdenken leiten.» Und: «Die Fehleinschätzungen der Regierung führen zu einem längeren Krieg, mehr Toten und höheren Kosten.»
Mediengesellschaft USA
Die AARGAUER ZEITUNG verweist auf die Kritik in den USA selber:
«Wenn man bedenkt, wie schnell die öffentliche Meinung in der Mediengesellschaft USA umschlagen kann, so entwickelt sich hier für Rumsfeld und Bush ein Risikopotenzial, welches für das Erreichen ihrer Kriegsziele ebenso bedrohlich sein könnte wie die Republikanischen Garden.»
Auf einen weiteren Faktor weist LE TEMPS hin: «Images de guerre, guerre des images: le front des télévisions».
Bilder des Kriegs, Krieg der Bilder. Das Leiden sichtbar machen will auch die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey: Sie hat angekündigt, im Internet eine «Opferliste» zu veröffentlichen.
Die BERNER ZEITUNG findet diese Idee «unnötigen Aktivismus». Denn:
«Das Departement der Aussenministerin muss höllisch aufpassen, nicht falsche Zahlen zu veröffentlichen. Ein guter Rat zum Schluss – auch gut gemeint: Madame Micheline Calmy-Rey, calmez-vous un peu.»
Die Aussenministerin soll sich etwas beruhigen, so die BZ.
CVP bereit für Wahlkampf?
Positiver wertet der BUND die Parteiversammlung der Christdemokraten von diesem Wochenende: «CVP in Beisslaune», so der Titel.
Und die NEUE LUZERNER ZEITUNG doppelt gleich nach: «Besser als ihr Ruf», titelt sie, und attestiert der CVP einen guten Riecher und Glaubwürdigkeit.
«Zusammen mit der SP hat sie die US-Aggression nicht bloss bedauert, sondern auch verurteilt. Überdies in Sachen Waffenausfuhr politischen Druck auf den eigenen Bundesrat auszuüben, ist mutig und garantiert die nötige Aufmerksamkeit im Wahlkampf.»
Allerdings: An den Regionalwahlen dieses Wochenendes in Baselbiet und der Stadt Genf gewannen die Linke und die SVP. Die bürgerliche Mitte konnte sich nicht durchsetzen.
swissinfo, Eva Herrmann
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