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Sika rettet Kunststoffverarbeiter Biro Edwin Bischof durch Übernahme (AF)

(Meldung vom Vorabend ergänzt mit Analystenstimmen und Aktienkurs)
Baar (awp) – Der Bauchemiehersteller Sika übernimmt die in Romanshorn ansässige Biro Edwin Bischof, einen Hersteller von Kunststoffprodukten. Biro produziert Spritzgussteile für die europäische Autoindustrie, unter anderem auch im Auftrag von Sika. Die Gesellschaft erzielte 2010 einen Umsatz von 35 Mio CHF und beschäftigt rund 150 Mitarbeitende. Einen Kaufpreis nannte Sika in einer Mitteilung vom Donnerstag nicht. Analysten reagieren am Freitag unterschiedlich auf die Neuigkeiten.
55% der von Biro gefertigten Produkte gehen laut Mitteilung in die Automobilindustrie, der überwiegende Teil davon an Sika. Das Unternehmen sei als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren vermehrt unter Druck gekommen; Sika sprach von einer «existenzbedrohenden Situation». Durch die Akquisition könne der Auftragshersteller auf eine neue finanzielle Grundlage gestellt werden.
Sika ermögliche mit diesem Schritt die Fortführung der Produktion und die Einhaltung der diversen Lieferverpflichtungen gegenüber den Partnern in der Automobilindustrie, hiess es weiter. Zusammen mit dem Management vor Ort werde Sika die Gesellschaft neu ausrichten und wo notwendig Restrukturierungen einleiten.
Die ZKB wertet die Nachricht als neutral. «Aufgrund der Tatsache, dass es sich entsprechend wohl um einen Notverkauf handelt, gehen wir von einem sehr tiefen Kaufpreis aus», schreibt die Bank. In Anbetracht der Grössenordnung werde der Zukauf für Sika unbedeutend eingeschätzt, so der Kommentar.
Anders sieht das die Bank Vontobel: «Wir begrüssen normalerweise Übernahmen von Sika, aber nicht diese», schreibt Analyst Serge Rotzer. Es handle sich bei dem Unternehmen um einen Zulieferer, der unter finanziellen Druck gekommen sei und nun dank der Übernahme überleben könne. Allerdings mache es Sinn, den Produktionsprozess von Sika zu sichern. Vontobel schätzt den Preis auf einen «hohen einstelligen Millionenbereich». Die Bilanz von Sika ermögliche solche Transaktionen, aber das Geschäft kreiere keinen Wert, sondern schütze Wert. Prognosen, «Buy»-Rating und Kursziel von 2’500 CHF bleiben unverändert.
Die Situation des Unternehmens wäre angesichts eines möglichen Konkurses wohl ein zu grosses Risiko für Sika gewesen, mutmasst die Bank Wegelin. Nichtsdestotrotz könnte die Integration dieses Zulieferers längerfristig Sinn machen. Auf kurze und mittlere Sicht könnten allerdings Kosten infolge von Restrukturierungen und Neuausrichtung entstehen. Sika selbst ist für Wegelin eine «Perle» im Baubereich. Kursrücksetzer könnten als günstige Einstiegsmöglichkeit für den Wachstumstitel gewertet werden.
Die Reaktion an der Börse fällt positiv aus: Die Aktien von Sika gewinnen um 9.45 Uhr in einem leicht freundlichen Gesamtmarkt 0,4% auf 2’043 CHF.
ra/cc/rt

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