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Spitzenmedizin gibt es nicht nur in Uni-Spitälern

Herzoperation im Stadtspital Triemli in Zürich.

(Keystone)

Hoch spezialisierte medizinische Eingriffe werden in der Schweiz in zahlreichen Spitälern durchgeführt. Das zeigt eine Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Mindestfallzahlen für medizinische Eingriffe pro Betrieb und Jahr sollen laut der Studie die Patientensicherheit und die Behandlungsqualität erhöhen.

Nur Transplantationen, Eingriffe am Nervensystem und Operationen am Kinderherzen wurden im Jahr 2005 praktisch ausschliesslich in Unispitälern vorgenommen, wie das BFS am Donnerstag mitteilte.

93% der 255 Nierentransplantationen wurden in Unispitälern durchgeführt, bei den 437 Kinderherzchirurgiefällen waren es 100%.

Bei diversen anderen hoch spezialisierten Eingriffen mischen aber auch kleinere Spitäler mit: Im vorletzten Jahr zählte das BFS zum Beispiel 2099 chirurgische Eingriffe an Herzklappen. 49% davon wurden in Unispitälern durchgeführt, der Rest in anderen Kliniken, vor allem Zentrumsspitälern.

Tumorbehandlungen verstreut

Bei der Onkologie ist die Rolle der Unispitäler noch weniger dominant: Knochentumore etwa wurden in nicht weniger als 82 Kliniken behandelt, Weichteiltumore in 127. Die Unispitäler weisen die grössten Fallzahlen auf. Bei den Knochentumoren etwa weisen daneben nur zwei Betriebe mehr als 20 Behandlungsfälle auf.

Insgesamt zählt das BFS rund 30 verschiedene Eingriffe zur hoch spezialisierten Medizin. Die Auswahl basiert auf Arbeiten der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), welche die Spitzenmedizin auf weniger Spitäler konzentrieren möchte.

Das Vorhaben führte zu Unstimmigkeiten. Vor allem die Kantone Zürich auf der einen sowie Basel-Stadt und Bern auf der anderen Seite sind sich nicht einig, welche Leistungen in welchen Unispitälern angeboten werden sollen. Momentan läuft eine Anhörung für eine neue Vereinbarung. Die Kantone können sich bis Ende Jahr äussern.

Tiefe Zahlen pro Spital

Laut BFS sind sich die GDK, Zürich, Basel und Bern immerhin einig, dass Mindestfallzahlen für spezialisierte Eingriffe die Qualität erhöhen können. Die Idee dahinter: Wer mehr Übung hat, operiert in der Regel sicherer. Weil die Spitzenmedizin häufig teure Apparaturen erfordert, würde eine Konzentration auch Geld sparen.

Das BFS stellte fest, dass in der Spitzenmedizin im Jahr 2005 rund 70% aller Spitäler eine Mindestfallzahl von 20 Eingriffen nicht erreichten. Zum Vergleich: In Deutschland werden für ausgewählte Eingriffe Mindestfallzahlen vorgeschlagen, die sich zwischen 10 und 25 pro Betrieb bewegen.

Teure Transplantationen

Die Statistiker berechneten auch, dass die Spitzenmedizin kein ausserordentlicher Kostenfaktor im Gesundheitswesen ist. Die 21'000 Eingriffe kosteten insgesamt 536 Mio. Franken. Das heisst: Für 2% der Behandlungen in Akutspitälern wurden 3,8% der Kosten aufgewendet.

Teuer sind allerdings die Transplantationen: 800 Fälle kosteten 80 Mio. Franken - im Durchschnitt also 100'000 Franken pro Fall. Ins Gewicht fallen daneben vor allem die Eingriffe am Herz-Kreislauf-System mit Kosten von 211,5 Mio. Franken. Ihre Fallzahl ist mit 7537 Eingriffen aber entsprechend hoch.

swissinfo und Agenturen

Kontroverses Thema

Die Spitzenmedizin in Universitätsspitälern ist seit einiger Zeit ein kontroverses Thema.

2004: Die Kantone vereinbaren die Reduktion der hoch spezialisierten Medizin auf wenige Zentren (Interkantonale Vereinbarung über die Koordination und Konzentration der hoch spezialisierten Medizin, IVKKM).

Damit würden Kosten gespart. Die IVKKM sollte ab 2008 Organ-Transplantationen, Herzchirurgie, pädiatrische Kardiologie sowie grossflächige Verbrennungen regulieren.

2005: Der Kanton Zürich beschliesst, dieser Vereinbarung nicht beizutreten, weil er eine Konzentration auf zwei Zentren bevorzugt.

Mai 2006: Bern und Basel beschliessen, die Herzchirurgie ab 2007 gemeinsam zu betreiben.

November 2006: Basel und Bern präsentieren ein Gutachten, das eine Netzwerklösung vorschlägt.

Dezember 2006: Der Kanton Zürich präsentiert eine Expertise, wonach die Spitzenmedizin in möglichst vielen Bereichen auf maximal zwei Zentren konzentriert werden soll.

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