Stadtzürcher Parlament setzt Detailhändler unter Druck
Das Stadtzürcher Parlament sorgt sich um das Abfallproblem rund um die Street Parade. Am Mittwoch hat es einen Vorstoss verabschiedet, der die Detailhändler unter Druck setzen soll. Vor allem mit Alkohol decken sich die Besuchenden jeweils in den Läden ein.
(Keystone-SDA) Mit «Bierdosen gepflastert» sei Zürich an der Street Parade jeweils, sagte Martin Busekros (Grüne) an der Sitzung vom Mittwoch. Gemüse- oder Frischproduktregale würden für Alkohol geleert. Die Detailhändler machten einen Riesenumsatz. Für die Entsorgung müsse aber der Verein Street Parade aufkommen.
Die Grünen forderten darum, dass die Läden in das Entsorgungskonzept eingebunden werden sollen. Die Stadt solle dies einfordern können, meinte Busekros. Eine Verpflichtung ging aber den meisten zu weit. Gegenüber einem Postulat, also einem Prüfauftrag, zeigten sie sich offener. Mit 76 zu 38 Stimmen überwies das Parlament das Geschäft an den Stadtrat.
Johann Widmer (SVP) blieb da erfolglos mit dem Hinweis, dass doch niemand kontrollieren könne, welche Dose aus welchem Laden komme. Auch sein Argument eines «Angriffs auf den Rechtsstaat» verfing nicht.
Gespräche schon geführt
Positiv gestimmt war der Rat auch, weil die Stadt bereits Gespräche mit den Detailhändlern führte. Wie Stadträtin Simone Brander (SP) sagte, setze der Stadtrat weiter auf Gespräche. Vier habe es schon gegeben. Zwang wolle sie aber nicht.
Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass an der Street Parade am 8. August Migros und Coop in ihren Filialen rund um das Zürcher Seebecken auf den Verkauf von Glasflaschen verzichten wollen. Die Grossverteiler reagierten damit auf die zunehmenden Probleme mit Scherben während des Grossanlasses.
In den vergangenen Jahren sorgten zerbrochene Flaschen an der Street Parade immer wieder für Schnittverletzungen bei den Tanzenden. Zudem verursachte das Glas einen enormen Reinigungsaufwand. Statt Glas setzen die Händler in den betroffenen Filialen nun auf PET-Flaschen und Aludosen. Ob die Detailhändler zu weiteren Schritten bereit sind, wird sich zeigen.
Der erste Schritt überzeugte zumindest drei Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Marco Denoth (SP), lvo Bieri (SP) und Karin Stepinski (Mitte) zogen ihren Vorstoss zurück, der einen runden Tisch forderte, bei dem auch ein Depotsystem und ein allfälliges Verbot für Glasgebinde diskutiert werden sollten. «Achtzig Prozent unserer Forderungen sind erfüllt», sagte Denoth.