Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Der Durchbruch ist geschafft! Diese Nachricht hört man derzeit eher selten, doch am Mittwoch feierten die Mineure den Durchschlag des 400 Meter langen Umfahrungstunnels zwischen Cham und Hünenberg im Kanton Zug.
Unterdessen hält die Ungewissheit über die US-Zölle an, das Schweizer Frauenfussballteam schreibt Geschichte, die Badegäste einer Schweizer Stadt sind geteilter Meinung über die neue Zutrittsregel in ihrem Freibad – und ein kleiner Hund wird weltweit als «Gletscherheld» gefeiert.
Herzliche Grüsse aus Bern
Die Verwirrung und Unsicherheit im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten hält an. Zwar wurde die Frist für die Handelsverhandlungen mit den USA verlängert, doch US-Präsident Donald Trump hat der Pharmaindustrie mit Zöllen von bis zu 200% gedroht.
Am Montag schickte Trump Briefe an 14 Länder, in denen er Zölle von bis zu 40% auf in die USA eingeführte Waren androhte. «Die Schweiz hat keinen Brief von US-Präsident Trump erhalten», bestätigte das Wirtschaftsministerium am Dienstag.
Trump verlängerte zudem die ursprünglich auf den 9. Juli gesetzte Frist für die laufenden Zollverhandlungen mit vielen Ländern, darunter auch mit der Schweiz, bis zum 1. August. Bis dahin gilt ein allgemeiner Zollsatz von 10%. Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen SRF, die Regierung sei «hoffnungsvoll», dass die Schweiz und die USA im Zollstreit «einen guten Abschluss oder zumindest einen ersten Schritt» erzielen würden.
Am Dienstag nahm Trump jedoch die Pharmaindustrie ins Visier und drohte damit, «sehr bald» Zölle von bis zu 200% auf Importe zu erheben. Die Schweiz ist ein wichtiger Pharmastandort und beherbergt multinationale Unternehmen wie Roche und Novartis. Dennoch stellte die Financial Times am nächsten Tag fest, dass sich die Aktien von Arzneimittelherstellern nach Trumps Drohung kaum bewegt hatten. «Das nimmt niemand ernst», sagte ein Analyst der FT. «Die Idee des Taco-Handels [Trump macht immer einen Rückzieher] herrscht immer noch vor.»
Das war ganz schön knapp! Die Schweiz hat sich erstmals für das Viertelfinale der Frauenfussball-Europameisterschaft qualifiziert – und das auf den letzten Drücker.
Dank des Ausgleichstreffers in der 92. Minute gegen Finnland am Donnerstagabend in Genf hat die Gastgeberin zum ersten Mal an einer Frauenfussball-EM die Gruppenphase überstanden.
«Bis zur letzten Sekunde wusste ich, dass wir ein Tor schiessen würden. Wir hätten viel mehr verdient gehabt und haben es am Ende auch bekommen», sagte die kurz zuvor eingewechselte Torschützin Riola Xhemaili. «Es ist ein historischer Tag für die ganze Schweiz.»
Vor dem Spiel wussten die Schweizerinnen, dass ihnen ein Unentschieden zum Weiterkommen reichen würde. Doch sie gerieten in der 79. Minute durch ein finnisches Penaltytor in Rückstand. Dank dem Xhemaili-Treffer endete das Spiel 1:1. Das Viertelfinale findet am Freitag in Bern statt – gegen die amtierenden Weltmeisterinnen aus Spanien, die bisher eine überragende Leistung gezeigt haben.
Muss man Wohnsitz in der Schweiz haben, um hier ein öffentliches Schwimmbad benutzen zu dürfen? Ja, sagen die Behörden einer Stadt in einem Fall, der in ganz Europa für Aufsehen sorgte.
Vergangene Woche hat die Stadt Porrentruy (Pruntrut auf Deutsch) im Nordwesten der Schweiz Personen, die nicht in der Schweiz wohnen oder keine Arbeitsbewilligung haben, die Benutzung ihres Freibads bis zum 31. August untersagt. Dies betrifft vor allem junge Franzosen, da die Grenze nur zehn Kilometer entfernt ist. Seit Beginn der Sommersaison wurden mehr als 20 Personen wegen unangemessenen Verhaltens aus dem Schwimmbad weggewiesen.
Zu den Vergehen gehören die Nichteinhaltung der Hygienevorschriften (Schwimmen in Unterwäsche) sowie die Beleidigung anderer Jugendlicher, so ein Lokalpolitiker gegenüber 24 heures. «Die Betroffenen reagierten auf die Verweise mit Beleidigungen, Drohungen und in einigen Fällen sogar mit körperlicher Gewalt», sagte er. Ausserdem fühlten sich einige junge Frauen bedroht, nachdem Jugendliche, von denen sie zuvor unsittlich berührt worden waren, sie bis zu ihren Fahrzeugen verfolgt hatten.
Am Donnerstag besuchte die Tribune de Genève Porrentruy, um herauszufinden, was die Einheimischen davon halten. Einige waren entrüstet, andere erleichtert. «Ich schäme mich, dass der Name meiner Stadt in allen Medien und in den sozialen Netzwerken wegen einer eindeutig fremdenfeindlichen Entscheidung auftaucht», seufzte eine Einwohnerin. «Heute Morgen habe ich sogar erfahren, dass die deutsche extreme Rechte das Beispiel unseres Schwimmbads nutzt, um ihren Hass auf Ausländerinnen und Ausländer zu verbreiten.»
Drei Freunde lobten jedoch den «mutigen» Entscheid der Behörden. «Ich habe die Nase voll von all den Leuten, die aus französischen Schwimmbädern abgewiesen wurden. Das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern ist einfach eine Frage des guten Benehmens. Wissen die nicht, wie man sich zu benehmen hat? Sie ruinieren das Leben der Menschen, die Steuern zahlen, um dieses Schwimmbad zu benutzen. Dann haben Sie hier nichts zu suchen!»
Ein sehr kleiner Hund sorgte diese Woche für ein grosses Medienecho, nachdem er dabei geholfen hatte, seinen in eine Gletscherspalte gestürzten Besitzer zu retten.
Der Mann war mit seinem Hündchen auf dem Feegletscher unterwegs, als eine Schneebrücke durchbrach und er acht Meter tief in eine Gletscherspalte stürzte, wie die Rettungsflugwacht Air Zermatt am Sonntag mitteilte. Der Mann konnte mit einem Amateur-Walkie-Talkie um Hilfe rufen.
Ihn zu lokalisieren, erwies sich aber als schwierig. Doch dann entdeckte das Rettungsteam eine kleine Bewegung auf einem Felsen. Dabei handelte es sich um einen winzigen Hund, den die Retter als Chihuahua bezeichneten. Die deutsche Bild-Zeitung vermutete jedoch, dass es sich um einen Papillon, eine Art Spaniel, handeln könnte. Nach Angaben des Rettungsteams bewegte sich der frierende Hund nicht vom Fleck und verfolgte jede Bewegung der Retter genau.
«Der Hund ist ein vierbeiniger Held, der seinem Herrchen in einer lebensbedrohlichen Situation möglicherweise das Leben gerettet hat», so Air Zermatt. Mann und Hund wurden in ein Spital in Visp gebracht.1 Die Geschichte wurde von Zeitungen auf der ganzen Welt aufgegriffen – von Indien bis in die USA.
Die kommende Woche
In der Freiburger Innenstadt beginnt am Montag das 11. Festival «Les Georges». Es bietet sechs Tage lang verschiedene Musikstile von Schweizer und internationalen Künstlerinnen und Künstlern.
Am Montag ist es auch genau 160 Jahre her, dass die Erstbesteigung des Matterhorns stattfand, eine kontroverse und tragische GeschichteExterner Link.
Am Donnerstag tritt die italienische Singer-Songwriterin Gianna Nannini beim Openair-Musikfestival «Moon & Stars» in Locarno auf.
Am Samstag wird das diesjährige Montreux Jazz Festival zu Ende gehen, nachdem es mit einer Hommage an Quincy Jones eröffnet worden ist.
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