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Eine Frau und ein Mann, daneben eine US-Flagge

Die Woche in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Die Woche war geprägt von den US-Zöllen und der Frage, ob es noch eine Reduktion der am 1. August von der US-Regierung angedrohten 39% geben würde? Die Hoffnung starb zuletzt, nachdem ein Kurztrip der Bundespräsidentin und des Wirtschaftsministers in die USA keine Früchte trug: Am 7. August um 6:01 Uhr morgens Schweizer Zeit traten die Zölle in Kraft. Am Donnerstagnachmittag bekräftigte der Bundesrat nach einer ausserordentlichen Sitzung, man wolle weiter mit den USA verhandeln.

Ausserdem verrate ich Ihnen den Namen des Chihuahuas, der die Rettungscrew auf einem Gletscher auf sein abgestürztes Herrchen aufmerksam machte und damit weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Herzliche Grüsse aus Bern

Ein Privatjet fliegt über der Sonne durch, Räder ausgefahren für die Landung
«Mission not accomplished»: Mit leeren Händen kehrten Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin am 7. August im Bundesratsjet aus den USA zurück. Keystone / Peter Schneider

Seit Donnerstagmorgen um 6:01 Uhr Schweizer Zeit gilt ein Zollsatz von 39% auf Exporte aus der Schweiz in die USA. Ein letzter Verhandlungsversuch der Bundespräsidentin und des Wirtschaftsministers war gescheitert. Der Bundesrat will aber weiterverhandeln.

Auch ein Kurztrip in die USA konnte die Schweiz nicht mehr vor dem US-Zollhammer retten. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin waren am Mittwoch nach Washington geflogen, um in einem letzten Versuch noch einen Deal mit US-Präsident Donald Trump zu machen.

Immerhin habe das «sehr gute Treffen» mit Aussenminister Marco Rubio, wie Keller-Sutter es nannte, einen direkten Zugang zur US-Regierung gebracht und die Möglichkeit, eine neue Offerte zu unterbreiten. «Die Gespräche mit den USA werden fortgeführt», sagte Keller-Sutter am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Für eine Lösung brauche es aber mehr Zeit.

Eine Einigung auf einen tieferen Zollsatz wäre wichtig: Mit 18,6% aller Exporte sind die USA bis heute das grösste Exportland der Schweiz. Viele hoffen noch, dass die Landesregierung mit Verhandlungen eine Senkung der Zölle erreichen kann, indem den USA gewisse Zugeständnisse gemacht werden. Dabei soll laut Parmelin ein geschlossenes Auftreten von Politik und Wirtschaft entscheidend sein.

In der Luft steht auch die Drohung der USA, auf Pharmaprodukte bis zu 250% Zölle zu erheben. Je nachdem, wie gross der Einbruch schliesslich ausfalle, «steuert die Schweizer Wirtschaft also auf eine Stagnation oder sogar eine Rezession zu», schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

Eine so genannte Flugzeugcargo-Einheit, zusammengehalten von einem grossen Netz
Viele Unternehmen haben noch in aller Eile Produkte in die USA verfrachtet, bevor der Zollhammer in Kraft getreten ist. Keystone / Gaetan Bally

Die Schweizer Exportwirtschaft ist seit dem Inkrafttreten der neuen US-Zölle im Krisenmodus. Sie befürchtet einen Stellenabbau in der Schweiz.

Nach aktuellen Einschätzungen von SRF News werden Uhrenhersteller, die Maschinenindustrie oder Produzenten von Präzisionsinstrumenten am stärksten von den Zöllen betroffen sein. Laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin sind rund 60% aller Schweizer Exporte in die USA davon betroffen. Immerhin: Vor dem 7. August verschiffte und bis zum 5. Oktober in die USA eingeführte Waren sollen von den Zöllen ausgenommen bleiben, wie es hiess. Vorerst nicht mit Zoll belegt werden Pharmaprodukte.

Die Wirtschaftsverbände befürchten einen Stellenabbau. Sie verlangen deshalb Unterstützung von der Regierung. Es ist auch die Rede von möglicher Kurzarbeit. Der Bundesrat stehe der Verlängerung der Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate positiv gegenüber, sagte Karin Keller-Sutter am Donnerstag.

Einige Firmen versuchen durch Lageraufbau in den USA und Umstellung ihrer Lieferketten gegenzusteuern, doch das geht nicht von heute auf morgen.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bezeichnet die Zölle als «weder gerechtfertigt noch nachvollziehbar» und warnt vor erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Der Industrieverband Swissmem spricht von einem «Horrorszenario» für exportorientierte kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU). Die Zölle würden zu Planungsunsicherheit führen, Investitionen hemmen und die Innovationskraft schwächen.

Infanterie-Rekruten beim Schiesstraining im Regen, kniend
Infanterie-Rekruten beim Schiesstraining in der Infanterie-Rekrutenschule der Schweizer Armee in Colombier, Kanton Neuenburg. Keystone / Christian Beutler

Sie leben in Frankreich und Deutschland – und dennoch absolvieren sie ihren Militärdienst in der Schweiz. Zwei Auslandschweizer durchlaufen aktuell die Rekrutenschule. Ein Entscheid, der viele überrascht. Was bewegt sie dazu?

In der Truppe fallen sie auf: Wenn das Wochenende naht, werden sie in Zivilkleidung nach Hause entlassen. Die Aargauer Zeitung stellte am Dienstag zwei junge Infanterie-Rekruten vor – der eine lebt in Frankreich, der andere in Deutschland.

Beide porträtierten jungen Männer fühlen sich eng mit der Schweiz verbunden, da sie hier arbeiten. Doch was motiviert sie zu einem freiwilligen Militärdienst? Thomas Ganière aus Frankreich erhofft sich durch den Dienst an Reife zu gewinnen. Samuel L. aus Deutschland sagt: Er möchte im Militär seine Grenzen kennenlernen – und vielleicht sogar verschieben.

Mit einem Augenzwinkern werden solche Auslandschweizer Rekruten in der Kaserne in Colombier im Kanton Neuenburg auch «Détachement touriste» genannt. Der Bericht zeigt auch: 80% der Auslandschweizer Rekrutinnen und Rekruten stammen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich. Insgesamt ist ihre Zahl überschaubar: 2024 haben gerade mal 78 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer die Rekrutenschule begonnen.

Ein kleiner Hund auf einem Gletscher
Der kleine Chihuahua Philipp mit Papillon-Anteilen wies den Rettern auf dem Feegletscher den Weg und wurde so zum Lebensretter. Air Zermatt

Diese Bilder gingen um die Welt. Ein Chihuahua rettete seinem verletzten Herrchen das Leben, indem er neben der Gletscherspalte ausharrte, in die der Mann gefallen war. Nun ist der Name des Hundes bekannt.

«Die bewegende Geschichte dieser tierisch guten Rettung ging um die Welt: Mehr als 650 Millionen Menschen hörten davon», schrieb die Air Zermatt am Dienstag in der Einführung zur neusten Episode ihres Podcasts «Alpha Zulu». Dabei verriet der Helikopter-Rettungsdienst auch gleich die Namen von Hund und Herrchen: Philipp heisst das tapfere Tier, Jan Gilar der Gerettete.

Acht Meter tief war Gilar Anfang Juli auf dem Feegletscher in eine Gletscherspalte gefallen und hatte sich dabei die Schulter ausgekugelt. Der Tscheche lebt seit Juni in Saas Fee im Kanton Wallis. Nur durch Glück sei er auf einer Eisbrücke gelandet und nicht noch tiefer gefallen, heisst es weiter im Podcast. Allein wäre er nie mehr hochgekommen.

Dank Philipp, der auf einem Stein neben der Gletscherspalte ausharrte, konnte die Air Zermatt den Mann nach 40 Minuten Suche orten. Ein Tourist hatte seinen Notruf per Walkie-Talkie gehört und Hilfe organisiert. «Ich werde nie mehr alleine ohne Ausrüstung auf einen Gletscher gehen», sagt Gilar im Podcast.

Ein Glashochhaus mit Schweizer Wappen drauf
Haben Sie eine Frage an den Schweizer Botschafter in Israel? Dank Swissinfo müssen Sie dafür nicht extra zur Botschaft in Tel Aviv fahren. EDA

Am 23. August finden in Bern die Swisscommunity DaysExterner Link statt – die neue Form des Auslandschweizer-Kongresses.

Mit dabei: die Schweizer Botschafter aus Neuseeland, Israel und Singapur/Brunei. Swissinfo wird eine Podiumsdiskussion mit den drei Herren moderieren – und bringt Ihre Fragen ein.

Was wollten Sie schon immer einmal von Ihrem Botschafter wissen? Wie erleben Sie die Arbeit der Schweizer Vertretung vor Ort? Welche Themen beschäftigen Sie in Ihrem Alltag in Ihrem Wohnland? Wo braucht es Veränderungen?

Hinterlassen Sie uns Ihre Fragen, Kommentare und Anregungen in dieser Debatte.

Ein Mann auf einer Bühne
Am 7. Februar 2025 überreichte Jackie Chan an den Critics Choice Awards im kalifornischen Santa Monica den Preis für den besten fremdsprachigen Film. AP Photo / Chris Pizzello

Die kommende Woche

Der Film prägt das Geschehen in der nächsten Woche. Bereits seit Mittwoch läuft das 78. Locarno Film Festival. Gestern stellte Oscar-Preisträgerin Emma Thompson ihren neusten Film vor. Heute Abend wird Action-Star Jackie Chan mit dem «Pardo alla Carriera» ausgezeichnetExterner Link. Am Dienstag wird das Bundesamt für Kultur (BAK) bekanntgeben, mit welchem Film die Schweiz ins Rennen um einen Oscar ziehen will. Am Freitag wird Schauspielerin Lucy Liu in Locarno erwartet, und am Samstag schliesslich werden die goldenen Leoparden für die besten Filme im Wettbewerb vergeben.

Der Abstimmungskampf um die Einführung einer E-ID wurde diese Woche vom Nein-Komitee bereits lanciert. Mit dieser staatlichen elektronischen Identität sollen Nutzerinnen und Nutzer Geschäfte mit Behörden und Unternehmen künftig sicher und effizient digital abwickeln können. Am Dienstag wird Bundesrat Beat Jans aufzeigen, warum die Landesregierung für die Einführung ist. Abgestimmt wird am 28. September 2025.

Erwähnenswert ist auch das offizielle Basler Rheinschwimmen, das am Dienstag um 18 Uhr beginnen wird. An dieser Veranstaltung lassen sich jedes Jahr Tausende Schwimmerinnen und Schwimmer gemeinsam den Fluss hinuntertreiben.

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