Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Haben Sie bei der aktuellen Umfrage der SRG unter Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern mitgemacht? Es gab einige interessante und überraschende Ergebnisse.
Ausserdem hat das Parlament diese Woche entgegen dem Wunsch der Regierung beschlossen, internationale Adoptionen nicht zu verbieten. Die Fluggesellschaft Swiss hat ihren Schokoladelieferanten für Passagiere der Business Class gewechselt. Und was machte Fifa-Präsident Gianni Infantino im Parlament?
Viel Vergnügen bei der Lektüre!
Wie ist die Stimmung unter den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern? Laut einer gross angelegten Umfrage sind sie sehr zufrieden, stehen jedoch einigen Aspekten ihres Heimatlands kritisch gegenüber.
Zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren hat das Forschungsinstitut gfs.bern eine detaillierte Meinungsumfrage unter der Schweizer Bevölkerung durchgeführt – sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Was die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer betrifft, gaben 84% der Befragten an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein (im Vorjahr waren es 82%).
Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer lassen sich den Meinungsforschenden zufolge in zwei Hauptgruppen einteilen: aus beruflichen Gründen Ausgewanderte und Pensionierte. Bemerkenswert ist, dass erstere einen grösseren Leistungsdruck verspüren als Arbeitnehmende in der Schweiz, während letztere ihre finanzielle Situation pessimistischer einschätzen als Pensionierte in der Schweiz.
Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sehen die Schweiz überwiegend mit positiven Gefühlen und idealisieren das Land teilweise. Dies gilt jedoch nicht für das politische System: Politikerinnen und Politiker geniessen weniger Vertrauen, da viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer der Meinung sind, dass sich die politischen Vertreterinnen und Vertreter zunehmend von der Bevölkerung entfremdet hätten.
Warum war US-Präsident Donald Trump am Sonntag in der Rolex-Suite bei den US Open? Und warum hat Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Mittwoch Fifa-Präsident Gianni Infantino ins Parlament eingeladen?
Hat die Schweizer Regierung, die bisher keine Fortschritte bei der Senkung der von Trump gegen die Schweiz verhängten Zölle in Höhe von 39% erzielen konnte, nun endlich beschlossen, die Infantino-Karte auszuspielen? Das Wirtschaftsministerium teilte dem öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sender SRF mit, es gebe keinen Kommentar dazu. Parmelin und Infantino kennen sich seit Jahren und stehen in regelmässigem Kontakt.
Dennoch fand das Treffen zu einem interessanten Zeitpunkt statt. Seit Wochen wird spekuliert, dass Infantino, der mit Trump befreundet ist, sich im Zollstreit für die Schweiz einsetzen könnte. Parmelin flog am vergangenen Wochenende mit einem «optimierten Angebot» nach Washington. Auf die Frage von SRF, wie die Gespräche verlaufen seien, antwortete dieser lediglich, dass alles wie geplant verlaufen sei.
Angesichts der mangelnden Fortschritte der Regierung scheinen Schweizer Unternehmen nun die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Am Sonntag verfolgte Trump das Finale des US-Open-Tennisturniers in New York in der Rolex-Suite neben Rolex-Chef Jean-Frédéric Dufour.
«Die Einladung, die Stirnrunzeln hervorruft: Warum Rolex Trump bei den US Open für sich gewinnen will», lautete die Überschrift eines Artikels auf der Uhren-Website Le Nouveau Réveil. Der Artikel stellte einen direkten Zusammenhang mit den Zollproblemen der Schweiz her.
In der ersten Woche der Herbstsession des Parlaments hatten die Abgeordneten alle Hände voll zu tun. Eine der überraschenderen Entwicklungen war, dass die Regierung aufgefordert wurde, ihre Pläne für ein Verbot internationaler Adoptionen zu überdenken.
Am Mittwoch sprach sich der Nationalrat mit überwältigender Mehrheit dafür aus, die Adoption von Kindern aus dem Ausland weiterhin zuzulassen. Konkret forderte es die Regierung auf, «unverzüglich» auf ihren Entscheid vom Januar zurückzukommen und statt eines Verbots internationaler Adoptionen deren Kontrolle und Transparenz zu verstärken. Dies solle das Risiko von Missbrauch verringern, hiess es.
Laut einer von der Regierung zitierten Expertise wurden zwischen 1970 und 1999 vermutlich mehrere tausend Kinder durch Kinderhandel, gefälschte Dokumente, fehlende Angaben zur Herkunft oder andere illegale Praktiken zur Adoption in die Schweiz gebracht.
Ebenfalls in dieser Woche beschloss der Ständerat unter anderem, einen Regierungsvorschlag zur Attraktivitätssteigerung der höheren Berufsbildung zu unterstützen, die Kurzarbeit auszuweiten, um den Auswirkungen der US-Zölle entgegenzuwirken, sowie die Regierung dazu zu verpflichten, den Staat Palästina nicht anzuerkennen. Darüber hinaus verankerte das Parlament den Grundsatz der gewaltfreien Erziehung im Schweizer Recht.
Swiss International Air Lines (Swiss) ersetzt in der Business- und Premium-Economy-Klasse die beliebten Lindor-Schokoladekugeln – offenbar nicht edel genug – durch Pralinés von Aeschbach.
Passagiere der Economy Class erhalten weiterhin kleine Schokoladetafeln von Frey, einer Tochtergesellschaft der Migros. Laut der Nachrichtenplattform Watson verlassen täglich rund 54’000 Stück dieser Schoggitafeln die Fabrik im Aargau.
Im vorderen Teil des Flugzeugs, wo die Sitze teurer sind, gelten die Frey-Schöggeli jedoch als zu simpel. In der Business- und Premium Economy-Klasse verteilte das Personal bisher Lindor-Kugeln. Swiss erklärte jedoch, man wolle «den Schokoladeservice verbessern» und stattdessen Pralinés von Aeschbach Chocolatier aus Luzern verteilen.
Laut Watson ist der Verlust dieses Vertrags für Lindt finanziell nicht dramatisch. Generell bringen diese Aufträge den Schokoladeherstellern keine grossen Einnahmen, sondern dienen hauptsächlich als Marketing-Schaufenster.
Passagiere der First Class müssen sich jedoch keine Sorgen um eine plötzliche Änderung ihrer Schokoladegewohnheiten machen, denn Swiss wird ganz vorne im Flieger weiterhin Pralinés und Spezialitäten des Zürcher Chocolatiers Sprüngli anbieten. Darüber hinaus soll die charakteristische Schokolade von Frey in allen Klassen erhältlich bleiben.
Die kommende Woche
Am Montag ist der Internationale Tag der Demokratie, an dem in der Schweiz zahlreiche Veranstaltungen stattfinden werden.
Am Mittwoch veröffentlicht die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, zu der auch Swissinfo gehört, die Ergebnisse ihrer zweiten Umfrage vor den Abstimmungen vom 28. September über die E-ID und die Abschaffung des Eigenmietwerts.
Am Donnerstag werden in Basel mehrere Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
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