Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
In der Woche, in der die Nordlichter Teile der Schweiz erleuchteten, herrschte beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) grosse Aufregung. Der «Dominator von Davos», wie die Neue Zürcher Zeitung US-Präsident Donald Trump nannte, nutzte seine Rede, um praktisch jeden und alles zu beleidigen, einschliesslich seiner Gastgeber.
US-Präsident Donald Trump hielt am Mittwoch am WEF eine 70-minütige Rede, an der er gegen Europa schoss und seine Grönland-Ambitionen bestätigte.
Trump tauchte im Schweizer Bergort Davos auf, «eine Beleidigungsbazooka schwingend», schrieb The Guardian. «Er machte sich über Emmanuel Macrons Pilotensonnenbrille lustig, tadelte Mark Carney (‹Kanada lebt nur wegen den Vereinigten Staaten›), behauptete, dass die Schweizer ‹nur wegen uns gut sind› und stichelte gegen Dänemark, weil es Grönland während des Zweiten Weltkriegs ‹in sechs Stunden› verloren habe.»
«Bin nur ich das oder ist das selbst für trumpsche Standards ein neuer Tiefpunkt absurden, zusammenhanglosen, fakenfreien Gebrabbels?» postete Cédric Wermuth, Co-Präsident der Sozialdemokratischen Partei (SP).
«Er ist gekommen, er hat gepoltert, gedroht und sich selbst gelobt», fasste SRF in einer Analyse zusammen. «Es wurde einmal mehr klar, dass der US-Präsident in seiner eigenen Fiktion lebt. Eine Fiktion, die für den Rest der Welt zunehmend zu einem gefährlichen Ritt wird.»
«Letztlich erhielt man mit Trumps Davoser Rede, was zu erwarten war», so das Schweizer Newsportal Watson. «Für das Image des Weltwirtschaftsforums war es eine zweischneidige Angelegenheit. Statt Lösungen zu liefern, verdeutlichte sie nur, warum gerade so vieles auf dieser Welt in die falsche Richtung geht.»
Während Trump Beleidigungen gegen die Schweiz und Finanzministerin Karin Keller-Sutter schleuderte, bemühte sich die Schweizer Regierung verzweifelt darum, ein Zollabkommen mit den USA über 15% zu unterzeichnen, und war dabei sehr zurückhaltend, um den US-Präsidenten nicht zu verärgern.
«Die Strategie des Bundesrats für die kommenden beiden WEF-Tage ist ziemlich klar: Man möchte beim Zollabkommen mit den USA einen Schritt weiterkommen und dabei US-Präsident Donald Trump keinesfalls verärgern», sagte der SRF- Bundeshausredaktor am Dienstag. «Das heisst auch, dass die Landesregierung Trumps Grönlandpläne kaum scharf kritisieren wird.» SRF prognostizierte zudem, dass die Regierung Trumps Einladung zu seinem sogenannten «Friedensrat» voraussichtlich nicht ablehnen wird. Dieses wird von vielen Diplomatinnen und Diplomaten als Gegenprojekt zur UNO gesehen.
Im August legte Trump einen Zollsatz von 39% für die Schweiz fest – deutlich höher als die Sätze, die er der Europäischen Union (15%) und dem Vereinigten Königreich (10%) auferlegt hat. Am Mittwoch schien er zu bestätigen, dass die Schweizer Zahl persönlich motiviert war: Während seiner Rede am WEF sagte er, er habe den Satz zunächst auf 30% festgelegt, ihn nach einem hitzigen Telefongespräch mit Keller-Sutter, die im vergangenen Jahr das rotierende Schweizer Bundespräsidium innehatte, aber auf 39% erhöht. Trump sagte, sie sei «sehr repetitiv» und «so aggressiv» gewesen – «sie hat mich einfach auf dem falschem Fuss erwischt».
An einer anderen Stelle seiner Rede griff Trump die Schweiz erneut an und sagte: «Sie sind nur wegen uns gut», was laut der New York Times Aufschreie beim Publikum auslöste.
Die Schweiz will zwar ein Abkommen unterzeichnen, aber es gibt Grenzen. «Der fehlende Respekt gegenüber der Schweiz und ihrer Präsidentin im vergangenen Jahr ist inakzeptabel», sagte Aussenminister Ignazio Cassis am Donnerstag, einen Tag nach der Rede. Besonders beunruhigend sei, fügte er hinzu, dass auf Trumps Kommentare ein bilaterales Treffen folgte, «als ob nichts geschehen wäre. Daran sind wir nicht gewöhnt. Das geht auf die Nerven. Aber wir müssen einen kühlen Kopf bewahren».
Ebenfalls am Donnerstag sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin, er habe «sehr konstruktive Gespräche» mit dem US-Handelsbeauftragten Jamie Greer über ein Handelsabkommen geführt. Parmelin kündigte an, dass eine erste Runde technischer Verhandlungen so bald wie möglich in Bern stattfinden werde.
Während neue Details über die Tragödie von Crans-Montana sowie das Handeln der Behörden und des Besitzerpaars ans Licht kommen, wächst die Kritik in der ausländischen Presse. Wir haben mit internationalen Journalisten gesprochen, die über die Geschichte berichten.
«Die italienische Haltung ist, dass Erwachsene junge Menschen schützen», sagte Carmelo Abbate, Journalist und Kommentator bei der italienischen Mediaset. «Aber hier haben Erwachsene aus Gier und Fahrlässigkeit viele junge Menschen in eine Falle geführt.» Sechs Italiener gehörten zu den 40 Todesopfern des Feuerinfernos in der Bar «Le Constellation» an Silvester, weitere zehn Italienerinnen und Italiener waren unter den 116 Schwerverletzten.
Serge Enderlin, Schweiz-Korrespondent der französischen Tageszeitung Le Monde, wies darauf hin, dass die wichtigsten Informationen nicht von den Institutionen, sondern von der Presse veröffentlicht wurden. «Die dysfunktionale Haltung der Behörden wurde ziemlich schnell offensichtlich, also nimmt man an, dass einige Dinge vertuscht wurden.»
Am Dienstag berichtete das Westschweizer Fernsehen RTS, dass Schweizer Sicherheitsinspektoren seit Jahren über Gesundheits- und Sicherheitsprobleme im «Le Constellation» Bescheid wussten.
Henry Samuel, Paris-Korrespondent des Daily Telegraph, sagte, viele Leserinnen und Leser der britischen Zeitung stellten die Frage, ob Geld und Beziehungen im Ferienort und generell in der Schweiz Schweigen erkaufen könnten. Samuel fügte hinzu: «Die Schweiz gilt seit langem als undurchsichtige Steueroase für reiche Leute, die nicht zu viele Fragen gestellt haben wollen.»
Diese Woche wurden die Betreibenden der Bar, Jacques und Jessica Moretti, von der kantonalen Staatsanwaltschaft befragt. Jacques Moretti wurde unterdessen nach Zahlung einer Kaution von 200’000 Franken aus der Untersuchungshaft entlassen.
Die Braunviehkuh Veronika hat Forschende in Erstaunen versetzt, indem sie einen Besen verwendete, um sich an bestimmten Körperstellen zu kratzen. Eine solche Werkzeugnutzung war bei Rindern bisher nicht bekannt.
«Die Entdeckung erschüttert die gängige Verspottung der ‘dummen Kuh’», sagte Studienleiterin Alice Auersperg vom Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehungen in Wien, das von der Schweizer Messerli-Stiftung finanziert wird.
Auersperg sagte, sie habe eine E-Mail mit einem Video von Veronika in Aktion erhalten. «Wir sind bei solchen Videos immer vorsichtig – im Zeitalter der Deepfakes weiss man nie, ob Videos echt sind», sagte sie. Deshalb reisten die Forschenden in die Südsteiermark, wo Veronika lebt. «Wir dachten, es könnte ein oder zwei Tage dauern, bis wir dieses Verhalten beobachten können, aber als wir auf die Weide gingen, nahm Veronika innerhalb von Sekunden einen Stock mit ihrer Zunge auf, hielt ihn im Maul und begann, sich damit zu kratzen», sagte sie.
«Es gibt keine Hinweise darauf, dass Veronikas Fähigkeiten ein Beweis für die Evolution einer bedrohlichen neuen Spezies von Super-Kühen sind», beruhigte The Guardian seine Leserinnen und Leser.
Die kommende Woche
Am Dienstagabend werden an den Solothurner Filmtagen die Nominierungen für den Schweizer Filmpreis bekanntgegeben. Die Nominierten müssen aber bis zum 27. März warten, um zu erfahren, ob sie gewonnen haben.
Viele Schweizer Unternehmen geben in der kommenden Woche ihre Zahlen für 2025 bekannt, darunter Lonza (am Mittwoch) und Glencore, Roche, Emmi, Givaudan und ABB (am Donnerstag).
Am Freitag und Samstag findet in Luzern erneut das Wissenschaftsfestival «Aha. Ein Festival für Wissen» statt und richtet sich an «ein breites und neugieriges Laienpublikum».
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