Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Wie viel verdienen Sie in Ihrem Gastland? 6984 Franken pro Monat, so viel verdient ein durchschnittlicher Haushalt in der Schweiz. Zu reden geben hierzulande auch immer noch die Auslandreisen des Bundespräsidenten, und ein erstes Schweizer AKW geht bald vom Netz. Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen!
Herzliche Grüsse aus Bern
Ein Schweizer Bundespräsident auf heiklem Terrain. Ueli Maurer weilt ab morgen in Moskau. Es ist bereits die vierte grosse Reise in Maurers Präsidialjahr, die hierzulande viel zu reden gibt.
Es ist ein Drahtseilakt, den die Schweizer Diplomatie versucht. Sie will Wirtschafts- und Finanzinteressen und den gerne betonten Einsatz der Schweiz für die Menschenrechte unter einen Hut bringen.
Bundespräsident Ueli Maurer sorgt mit seinen Auslandbesuchen in seinem Präsidialjahr regelmässig für Kritik. Zuerst war es China, später Saudi-Arabien. Beides Länder, die gelinde gesagt nicht als Freunde der Menschenrechte gelten.
Und nun also Russland, dessen Präsident auch nicht dafür bekannt ist, dass er seine Kritiker mit Samthandschuhen anfasst. Mit solchen Begegnungen mit Autokraten sende die Schweiz falsche Signale, finden die einen. Mit allen zu sprechen sei eine Qualität der Schweizer Aussenpolitik und heisse noch lange nicht, dass man alles gutheisse, sagen die anderen.
- Die Übersicht über Maurers Auslandbesuche finden Sie im Artikel meiner Kollegin Kathrin Ammann.
- Über die Kritik zu Maurers Reise nach ChinaExterner Link im Rahmen des Projekts «Neue Seidenstrasse» berichtete SRF News im April.
- Zum Besuch in Saudi-Arabien schrieb die Finanz und Wirtschaft kürzlichExterner Link: «Noch vor einem Jahr, kurz nach dem Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi, wäre ein solches Treffen nicht in Frage gekommen.»
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Stecker raus, und aus die Maus: In einem Monat ist das AKW Mühleberg für immer vom Netz. Eine Premiere: Es ist das erste der fünf Schweizer Kernkraftwerke, das ausser Betrieb genommen wird.
Lange Zeit war es das umstrittenste Atomkraftwerk der Schweiz: Mühleberg, nur 13 Kilometer von der Bundesstadt Bern entfernt. Die Beziehung der Bernerinnen und Berner zu «ihrem» AKW war von Anfang an getrübt. Nun sind seine Tage definitiv gezählt. In genau einem Monat wird Mühleberg für immer abgeschaltet.
Ein halbes Jahrhundert lang dauerte die Kontroverse um das AKW. Dass es nun vom Netz genommen wird, ist hingegen kein politischer Entscheid. Vielmehr habe die Betreibergesellschaft entschieden, dass sich eine umfassende Nachrüstung der AKW-Sicherheit nicht mehr lohne, wie Der Bund in seinem umfassenden Rückblick auf 50 Jahre Mühleberg schreibt.
Noch im Februar 2011 sprach sich das Berner Stimmvolk knapp für einen Neubau aus. Dann kam Fukushima. Die Kontrollen wurden auch in der Schweiz verstärkt, und Mühleberg wurde endgültig zum Problemfall. So kam es schliesslich zum rein rationalen Entscheid, das AKW am 20. Dezember 2019 stillzulegen.
- Die ganze Geschichte des AKW Mühleberg in Der BundExterner Link. (Paywall)
- Wie genau die Demontage des AKW ablaufen wird, hat mein Kollege Peter Siegenthaler kürzlich recherchiert.
- 2016 hat sich das Schweizer Stimmvolk deutlich gegen eine Laufzeitbeschränkung für Schweizer Atomkraftwerke ausgesprochen, weshalb die verbleibenden vier AKW (darunter die Reaktoren Beznau I und II, die zu den dienstältesten der Welt gehören) weiterhin betrieben werden können.
Haben Sie Kinder? Was tun Sie, wenn Ihr Kind nicht gehorcht? «Körperstrafen sind noch immer verbreitet», schreibt die Neue Zürcher Zeitung am Tag der Kinderrechte.
30 Jahre ist es her, dass die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes eingeführt wurde. Seither hat sich viel zu Gunsten der Rechte von Kindern getan. Die grosse Revolution der Konvention ist laut Jean Zermatten, dass Kinder seither als eigenständige Personen betrachtet werden, die von Geburt an Rechte besitzen.
Zermatten, der als erster Schweizer im UNO-Ausschuss für die Rechte des Kindes sass und diesen später auch präsidierte, sieht aber noch einiges im Argen. So etwa zeigt er sich im Gespräch mit SWI swissinfo.ch schockiert über die Situation bei der Betreuung von Kindern mit einer Behinderung in unterentwickelten Ländern.
Und auch hierzulande leiden Kinder. Körperstrafen sind laut der NZZ «noch immer ein Teil der hiesigen Erziehungskultur». Aber auch physischer Missbrauch in Form von Liebesentzug, Beschimpfungen und Bedrohungen sei weiterhin verbreitet. Erziehungsmassnahmen, welche die Kinderrechts-Konvention eigentlich untersagt.
- Das Interview, das meine Kollegin Katy Romy mit Jean Zermatten führte, lesen Sie auf swissinfo.ch.
- Der erwähnte Artikel in der NZZExterner Link. (Paywall)
- Ein weiterer heikler Punkt ist die Inhaftierung von Kindern, die kürzlich in der Schweiz zu einer Kontroverse geführt hat. Darüber berichtete meine Kollegin Marie Vuilleumier.
- Mitteilung der BundesbehördenExterner Link.
Wie viel verdient ein Durchschnittshaushalt in der Schweiz? 2017 waren es genau 6984 Franken pro Monat, wie das Bundesamt für Statistik mitteilt.
Die Schweiz – ein reiches Land? Das Klischee scheint sich zu bestätigen. Ein Blick auf die neusten Zahlen des Bundesamt für Statistik (BFS) zeigt: Fast 7000 Franken verdient ein Privathaushalt in der Schweiz pro Monat.
Doch wer genauer hinschaut, merkt, dass ziemlich viel davon wieder abgegeben werden muss. So werden in der Schweiz etwa die Steuern und Krankenkassenbeiträge nicht bereits vor der Auszahlung vom Lohn abgezogen. Rund 30% des Bruttoeinkommens müssen dafür aufgewendet werden. Weitere 50% gehen für Konsumausgaben wie Essen, Wohnen und Energie weg.
- Der Artikel zum Thema auf Watson.chExterner Link.
- Noch mehr Grafiken gibt es im Artikel der Aargauer ZeitungExterner Link. (Paywall)
- Die Mitteilung des Bundesamts für StatistikExterner Link.
Wir haben einige Schweizerinnen und Schweizer gesucht, die global etwas bewegen wollen, und zehn gefunden, die ihre und unsere Welt etwas besser zu machen versuchen.
Ökologie, Einwanderung, neue Technologien: Die grossen Herausforderungen unserer Zeit werden nicht immer von der Politik beantwortet. Sondern von Bürgern und Bürgerinnen, die konkret versuchen, Lösungen im Hier und Jetzt zu finden.
Wir haben zehn solche Schweizer Persönlichkeiten porträtiert und möchten Sie Ihnen hier vorstellen:
- Was wäre, wenn Sie mit Ihrem Smartphone Menschen in Ihre Welt beamen könnten? Für «HoloMe», ein Schweizer Start-up in London, ist das die Zukunft der Kommunikation.
- Dass aus gebrauchtem Kunststoff neue Flaschen hergestellt werden, ist nicht neu. Aber Prothesen? Wie zwei Schweizer Designer das Leben anderer Menschen verbessern.
- Veronica Almedom kam als Baby mit ihrer Familie aus Eritrea in die Schweiz. Heute setzt sie sich für die Menschenrechte der geflüchteten Eritreerinnen und Eritreer ein.
- Weitere Porträts finden Sie hier.
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