Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Was wusste Villiger? Das ist das grosse Thema, welches das Land beschäftigt. Gemäss Dokumenten soll der Alt-Bundesrat gewusst haben, dass eine Firma in Zug manipulierte Chiffriergeräte verkaufte.
Herzliche Grüsse aus Bern
Wir schreiben Tag drei in der Affäre um die «Crypto-Leaks». Auch heute brachte keine Schweizer Zeitung ihre Frontseite ohne den Verschlüsselungs-Skandal. In der Karikatur des Tages-Anzeigers teilt Helvetia mit einem CIA-Sunnyboy das Bett.
Wie viel wusste Alt-Bundesrat Kaspar Villiger? Dokumente der CIA, die einigen Schweizer Medien vorliegen, scheinen darauf hinzuweisen, dass es eine Menge war. So soll er die Zuger Crypto AG, die Verschlüsselungsgeräte in alle Welt verkaufte, in einem Gespräch als «that CIA company» (diese CIA-Firma) bezeichnet haben.
Die Sendung «Rundschau» von Fernsehen SRF zitierte weiter aus einem CIA-Bericht, dass der damalige Bundesrat «weggeschaut und geschwiegen» habe. Villiger widerspricht vehement und erklärt: Er hätte «Handlangerdienste» für Drittstaaten, die den Ruf der Schweiz als verlässlich neutrales Land beschädigen könnten, niemals gedeckt.
Womit wir beim zentralen Stichwort wären, über das gegenwärtig diskutiert wird: die Neutralität – Herzstück der Schweizer Identität und der Schweizer Politik. Zwar sei die Schweiz nicht für das Handeln von Privatfirmen auf ihrem Territorium verantwortlich. Sollte der Bund oder der Geheimdienst aber informiert gewesen sein, sähe die Sache anders aus, sagt der Historiker Georg Kreis im Tagi.
- Heute hat die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments entschieden, die Affäre genauer zu untersuchen, wie verschiedene Medien berichten, unter anderen der BlickExterner Link oder der Tages-AnzeigerExterner Link.
- Die Affäre sei ein Stresstest für die Schweizer Neutralität, schreibt meine Kollegin Kathrin Ammann heute in ihrem Artikel.
- Die gestrige Sondersendung der «Rundschau» auf Fernsehen SRFExterner Link.
- SRF NewsExterner Link hat mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Crypto AG gesprochen. Er sagt: «Man konnte schon eins und eins zusammenzählen.»
- Die «Crypto-Leaks» sind beileibe nicht die erste Spionage-Affäre, in welche die Schweiz geriet. Hier finden Sie eine Chronologie der Fälle der letzten Jahrzehnte.
Mehr
Von der einen Affäre zur nächsten. Wegen der Beschattung von Spitzenmanagern muss Credit-Suisse-Boss Tidjane Thiam den Hut nehmen. Zum Abgang konnte er an seinem vorletzten Tag noch einen Erfolg feiern.
Nun ist klar, warum der scheidende Chef unbedingt noch bei der Präsentation der Jahreszahlen dabei sein wollte: Thiam konnte heute nämlich einen deutlich höheren Jahresgewinn der Grossbank Credit Suisse vermelden.
Fünf Jahre leitete Thiam die CS, die zweitgrösste Bank der Schweiz. Mit den guten Jahreszahlen sei dem Manager ein starker Abgang gelungen, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.
Gestolpert war Thiam über eine Beschattungs-Affäre. Auch wenn er gemäss eigener Aussage nichts davon gewusst hatte, übernahm er mit seinem Abgang schliesslich die Verantwortung für die Überwachung von Topkadern durch ein Detektivbüro.
- «Ein starker Abgang», titelt die Neue Zürcher ZeitungExterner Link ihren Artikel.
- Die CS-Medienkonferenz im Zeitraffer beim Tages-AnzeigerExterner Link.
- Für Thiam sei das Geschäftsjahr 2019 ein Rekord gewesen, schreibt Finews.chExterner Link.
- Und Inside Paradeplatz setzt noch einen drauf: «Ich bin der tollste CEO der ganzen Welt»Externer Link, titelt die Insider-Website.
Zwischen Friedensbemühungen und wirtschaftlichen Interessen. In diesem Zwiespalt steht die Schweiz gegenüber Jemen, einem Land, in dem seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg tobt.
Im März jährt sich die internationale Militärintervention in Jemen zum fünften Mal. Aus diesem Anlass haben sich meine Kolleginnen Kathrin Ammann und Sibilla Bondolfi etwas eingehender mit diesem Land beschäftigt. Experten sind der Meinung, die Schweiz als neutrales Land – falls nicht anders behauptet (siehe oben) – könnte zu einer friedlichen Lösung beitragen.
Die Neutralität der Schweiz wird allerdings nicht nur im Zusammenhang mit den «Crypto-Leaks» in Zweifel gezogen. So setzte die saudi-arabische Armee Schweizer Kriegsmaterial in Jemen ein. Und der Schweizer Bundespräsident reiste vergleichsweise kurz nach dem Mord am Journalisten Jamal Khashoggi durch die Saudis nach Riad.
Trotz allem scheint die Schweiz aber eine gute Ausgangslage in der Region zu haben, um als Vermittlerin bei Friedensbemühungen zu agieren, schätzen Expertinnen im Artikel von Kathrin. Denn neben der Neutralität spiele auch die humanitäre Tradition des Landes eine wichtige Rolle.
- Der Krieg in Jemen und was die Schweiz damit zu tun hat: Artikel von Kathrin.
- Sibilla sprach mit einem jemenitischen Journalisten, der in die Schweiz geflüchtet ist, über seine schwierige Arbeit.
- Eine Zeitreise: In den 1980er-Jahren bereiste die Schweizer Fotografin Monique Jacot wiederholt das Land – wie der Jemen einmal war.
Zum Schluss habe ich noch ein Auslandschweizer-Porträt für Sie gefunden, und zwar in der Aargauer Zeitung. Ein Schweizer baut in Thailand seinen Alterswohnsitz.
Eigentlich hätte er die Produktion einer Zinngiesserei in Thailand neu aufbauen sollen. Doch dies stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. Das Projekt misslang, die Giesserei musste dichtmachen.
Für den Schweizer Thomas Luescher allerdings wurde das berufliche Unglück zum persönlichen Glücksfall, auch wenn er noch einen Umweg über eine weitere Firmenpleite nehmen musste. «Nach der zweiten Pleite sagte ich mir: Wer nichts wird, wird Wirt. Also habe ich in Bangkok eine Gastwirtschaft aufgebaut», erzählt er in der AZ.
Die Beiz lief gut. Bald schon gründete Luescher ein weiteres Unternehmen, das er später verkaufen konnte. Es folgten die Heirat und die Geburt einer Tochter. Nun ist Luescher daran, für seine Familie ein Refugium auf dem Land zu bauen. Denn in der Grossstadt will er seine Tochter nicht aufziehen.
- Das Porträt in der Aargauer ZeitungExterner Link.
- Unter dem Hashtag #WeAreSwissAbroadExterner Link porträtierten wir ebenfalls verschiedene Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. In diesem Übersichts-Artikel von swissinfo.ch finden Sie einige davon, mit Links auf die kompletten Porträts.
Morgen ist Valentinstag. Rund um den Globus werden Rosen und vielleicht auch das eine oder andere Herz verschenkt.
Für die einen ist es ein wichtiger Tag im Jahr, für die anderen reine Geldmacherei: der Valentinstag. Auch von Land zu Land ist der Stellenwert des Valentinstags unterschiedlich.
Auf den Philippinen scheint er ein grosses Ereignis zu sein. Das würde zumindest den Wettbewerb der Schweizer Botschaft in Manila erklären. Zu gewinnen gibt es ein Valentinstag-Dinner in einem Schweizer Restaurant in der philippinischen Hauptstadt.
Die Teilnehmenden sollen in den Kommentaren zum Facebook-Post Externer Linkschreiben, welche Schweizer Spezialität sie denn essen möchten, falls sie das Tête-à-Tête gewinnen, und natürlich mit wem.
Was essen Sie am Valentinstag und mit wem? SWI swissinfo.ch möchte wissen, wie wichtig Ihnen der Valentinstag ist. Und wie wird er in Ihrem Aufenthaltsland zelebriert? Schreiben Sie uns.
Mehr
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards