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Bombardierte Satellitenschüssel

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Es herrscht wieder Krieg in Europa.

Bis vor einigen Tagen hätte ich nicht gedacht, dass ich ein Briefing je so beginnen müsste. Heute Morgen hat jedoch Russland eine grossflächige Invasion in die Ukraine begonnen. Es ist der erste grössere Konflikt auf europäischem Boden seit den Balkankriegen der 1990er-Jahre.

Solidarische Grüsse aus Bern

Bombardierte Satellitenschüssel
Copyright 2022 The Associated Press. All Rights Reserved

Russischer Einmarsch in die Ukraine. Eine erste Übersicht.

Vor Sonnenaufgang hat Russland seine Invasion der Ukraine begonnen. Aus Kiew, Odessa und Mariupol wurden früh Bombeneinschläge gemeldet, russische Militäreinheiten scheinen aus Russland, Belarus und der Krim eingefallen zu sein.

Wie in jedem Konflikt ist die Lage zunächst unübersichtlich und wird durch Propaganda und Falschmeldung verzerrt. Eines ist jedoch klar: Es handelt sich um einen Angriff auf das ganze Land – die Kämpfe beschränken sich nicht auf die Grenzregion zu den Separatistengebieten im Osten der Ukraine.

Der ukrainische Präsident Selenski hat den Kriegszustand ausgerufen, die Nato hat ihre Verteidigungspläne für Osteuropa aktiviert. Eines ist schon jetzt klar: Heute ist ein Wendepunkt in der neuesten europäischen Geschichte. Die nächsten Tage werden entscheidend für die Zukunft des Kontinents sein.

Ignazio Cassis
Keystone / Anthony Anex

So fallen die Reaktionen in der Schweiz und weltweit aus.

Die EU hat einscharfes Sanktionspaket angekündigt: «Die EU wird das härtestes Sanktionspaket beschliessen, das sie je beschlossen hat», so der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell. Heute Abend wollen alle 27 Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel zusammenkommen. Auch die USA haben Sanktionen angekündigt.

China unterstützt Russland rhetorisch und kritisiert Waffenlieferungen des Westens, der damit angeblich die Lage angeheizt habe. Iran hat sich klar auf die Seite Russlands positioniert. In der UNO ist der Ton jedoch klar: Praktisch alle Staaten kritisieren das russische Vorgehen.

Und die Schweiz? «Heute ist ein trauriger Tag»; mit diesen Worten begann der Bundespräsident Ignazio Cassis die Pressekonferenz begonnen. Der Bundesrat verurteile das Vorgehen Russlands aufs Schärfste, die Massnahmen gegen die Umgehung der EU-Sanktionen in der Schweiz werden verschärfen. Anschliessend präzisieren Beamte: Im Finanzbereich passe man sich grösstenteils den EU-Sanktionen an. Dazu warte man jedoch zunächst auf die europäischen Rechtstexte, anhand derer man weitere Beschlüsse fassen werde. Die Umsetzung dauere, da es ein technokratischer Vorgang sei. Klar ist jedoch: Die Schweiz geht hier erneut einen eigenen Weg und wird nicht die amerikanischen und europäischen Sanktionen vollständig übernehmen.

Autoschlangen in Kiew
Keystone / Sergey Dolzhenko

Was sagen Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz?

Es leben rund 6500 ukrainische Staatsangehörige in der Schweiz – viele von ihnen hat die Schreckensnachricht heute Morgen ebenso unerwartet erreicht, wie viele andere auch.

Viele haben noch Verwandte in der Ukraine, die Ungewissheit nagt nun an ihnen. Zugleich versuchen sie einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine Frau bringt das folgendermassen auf den Punkt: «Russland stellte sich immer als «grossen Bruder» der Ukraine dar. Sieht so brüderliche Liebe aus?«

Indianer und Europäer
Library of Congress

Zum Schluss ein historischer Rückblick: Der Krieg gegen die amerikanischen Indianer:innen und die Rolle eines Schweizers dabei.

Die sogenannte «Entdeckung der neuen Welt» hatte für die Einheimischen fatale Folgen, wie man seit längerem weiss. Laut Schätzungen gab es grosse Gebiete in Nord- und Südamerika, an denen bis zu 90% der Indianer nach der Ankunft der Europäer starben.

Das hatte vor allem mit dem Einschleppen von Krankheiten zu tun, die dort unbekannt waren und die Menschen keinen Immunschutz aufgebaut hatten. Was weniger bekannt ist, ist dass solche Krankheiten teilweise auch bewusst gestreut wurden – als biologische Kriegsführung sozusagen.

Auch Schweizer Söldner machten dabei mit, wie das Beispiel von Henry Bouquet (1719–1765) sichtbar wird: Er wollte mithilfe von Decken, die zuvor den Pocken ausgesetzt waren, verfeindete Indianerstämme infizieren. Heute würde man wohl von Kriegsverbrechen sprechen.

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