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Eine Schülerin an der Wandtafel

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Ich persönlich hätte gerne schon vor der Oberstufe Französischunterricht gehabt. Doch damals war das noch nicht so vorgesehen. Heute können Kinder in der Deutschschweiz schon in der Primarschule mit Fremdsprachen beginnen, meist mit Englisch, später folgt Französisch. Dieses Modell gerät ins Wanken.

Daneben berichten die Schweizer Medien heute über den Abbruch einer wichtigen Gesundheitsstudie zu Schadstoffen und den überraschenden Rücktritt des Nestlé-Konzernchefs.

Freundliche Grüsse

Französischbuch für Schülerinnen und Schüler
Immer mehr Kantone wollen den Frühfranzösisch-Unterricht an der Primarschule kippen. Keystone / Gaetan Bally

Der Kanton Zürich will Französisch künftig erst ab der Sekundarschule unterrichten. Dieser Entscheid könnte weitreichende Folgen für die Sprachpolitik der Schweiz haben und erntet Kritik aus Bundesbern und der Romandie.

Die Zürcher Kantonsrät:innen der Mitte, der SVP, der GLP und der EVP sind der Ansicht, dass Kinder in der Primarschule kaum Französisch lernen. Laut SRF sind die Politiker:innen der Meinung, dass Sekundarschüler:innen die grammatikalisch komplexe Sprache schneller und effizienter erlernen könnten. Deshalb soll der Französischunterricht in die Oberstufe verschoben werden.

Dagegen ausgesprochen haben sich SP, AL sowie die Grünen. Wenn der grosse Kanton Zürich das Frühfranzösisch abschaffe, sei das ein markantes und bedenkliches Zeichen gegen die sprachliche Kohäsion und die Identität des Landes, sagte ein Kantonsrat in seinem Votum. Auch die Zürcher Regierung wollte Frühfranzösisch beibehalten. Eine Mehrheit des Parlaments hörte nicht auf die Warnungen und unterstützte den Vorstoss. Damit folgt Zürich dem Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) hält den Entscheid des Zürcher Kantonsparlaments für «ein beunruhigendes Signal», wie sie in einem Interview mit RTS sagt. Sollte der Kanton Zürich aus dem HarmoS-Konkordat austreten, erwägt der Bundesrat ein Sprachengesetz. Dieses würde vorschreiben, dass in der Primarschule zuerst eine Landessprache unterrichtet werden muss. In Zürich wäre dies Französisch statt Englisch.

Ein Glas Leitungswasser
Kann man in der Schweiz noch bedenkenlos Leitungswasser trinken? Keystone / Georgios Kefalas

Die Schweiz verzichtet auf eine umfassende Langzeitstudie zu den Gesundheitsfolgen von PFAS und Pestiziden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat das Projekt aufgrund von Sparmassnahmen gestoppt – ein Entscheid, der bei Forschenden und der Politik auf Kritik stösst.

Die «Schweizer Gesundheitsstudie» hätte 100’000 Personen über einen Zeitraum von 20 Jahren begleitet. Geplant waren regelmässige Tests auf Schadstoffe wie PFAS, auch «Ewigkeitschemikalien» genannt. Doch das BAG hat das Projekt aus finanziellen Gründen gestoppt, wie aus einer Antwort des Bundesrats hervorgeht. Die Studie hätte laut BAG jährlich zehn bis zwölf Millionen Franken gekostet – bei einer Laufzeit von 20 Jahren wären also insgesamt bis zu 240 Millionen Franken angefallen.

Laut SRF nahmen 789 Freiwillige aus den Kantonen Waadt und Bern an der Pilotstudie zur inzwischen eingestellten Gesundheitsstudie teil. Dabei wurden in sämtlichen Blutproben PFAS-Chemikalien nachgewiesen. In 3,6% der Proben wurde ein für die Gesundheit relevanter Schwellenwert überschritten.

Der assoziierte Professor für Pharmakogenetik an der Universität Bern, Carlo Largiadèr, spricht von einer grossen verpassten Chance. Es würden laufend neue Stoffe in den Umlauf kommen, aber die Beobachtungsdaten würden fehlen. «Die Daten der Gesundheitsstudie wären für Politik und Prävention sehr wertvoll gewesen», so Largiadèr. Die Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt nennt den Abbruch kurzsichtig. Es sei günstiger, in Prävention zu investieren als in teure Spätfolgen. Ihre Partei will das Projekt im Parlament retten.

Laurent Freixe (links) und Paul Bulcke (rechts) an einer Pressekonferenz im Frühling 2025.
Laurent Freixe (links) und Paul Bulcke (rechts) an einer Pressekonferenz im Frühling 2025. Keystone / Jean-Christophe Bott

Eine nicht gemeldete Liebesbeziehung hat Nestlé-Konzernchef Laurent Freixe den Posten gekostet. Für den Konzern ist der plötzliche Abgang ein weiterer Schlag mitten in einer Phase strategischer Unsicherheit. Ein Schweizer übernimmt.

Der Verwaltungsrat von Nestlé hat CEO Laurent Freixe mit sofortiger Wirkung entlassen. Laut SRF wurde er wegen einer «nicht offengelegten romantischen Beziehung» zu einer ihm direkt unterstellten Mitarbeiterin entlassen. Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke nennt die Entscheidung «notwendig» – Nestlé wolle seine «Werte und Governance» wahren. Freixe muss ohne Abgangsentschädigung gehen.

Der Chefwechsel kommt für Nestlé im ungünstigsten Moment, schreibt Blick. Zwar hatten die Nestlé-Aktien nach einem schwachen Jahr 2024 ein sehr starkes erstes Quartal 2025 und waren für längere Zeit der grösste Gewinner des Aktienindexes SMI, mittlerweile haben sie jedoch einen grossen Teil ihrer Gewinne wieder eingebüsst. In Freixes einjähriger Amtszeit hat Nestlé an der Börse fast 16% an Wert verloren, so der Blick. So tief wie in diesen Tagen sei der Aktienkurs zuletzt vor fast zehn Jahren gewesen.

Neu übernimmt der Schweizer Philipp Navratil, bislang Nespresso-CEO. Er ist seit über 20 Jahren bei Nestlé tätig und seit Anfang dieses Jahres Mitglied der Konzernleitung. Bulcke lobt ihn als «dynamischen Leader mit inklusivem Managementstil». Navratil spricht von einem «Privileg, Nestlé in die Zukunft zu führen» und will die eingeschlagene Strategie fortsetzen.

Ein Sturmgewehr
Ungenutzte Sturmgewehre sollen eingezogen werden, das fordert ein Vorstoss. Keystone / Gaetan Bally

Der Bundesrat unterstützt die Forderung der SP, alte Armeewaffen von Privaten einzuziehen, wenn diese seit mehr als zehn Jahren nicht mehr für den Schiesssport genutzt werden. Damit setzt er ein Zeichen gegen die Risiken, die von ungenutzten Militärwaffen ausgehen.

Die Bewaffnung von Milizsoldaten zu Hause ist eine Schweizer Eigenheit – und war lange unumstritten. Über Jahrzehnte erhielten sie dazu überdies eine Büchse mit so genannter Taschenmunition, wie CH Media berichtet. Erst der Femizid an der Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet 2006 und weitere Fälle häuslicher Gewalt mit Ordonnanzwaffen lösten ein Umdenken aus.

Während bürgerliche Kreise immer wieder die Rückgabe von Taschenmunition forderten, sieht der Bundesrat keinen Bedarf, diese wieder auszugeben. Stattdessen unterstützt er den Schritt der SP, ungenutzte Sturmgewehre zurückzuholen.

Mit Blick auf häusliche Gewalt zeigt eine Studie, dass vor allem ältere Männer mit Armeewaffen überdurchschnittlich häufig als Täter auftreten. SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf fordert daher den Einzug dieser Waffen als Präventionsmassnahme – ein Anliegen, das der Bundesrat teilt. Gleichzeitig arbeitet die SP an einer Initiative gegen patriarchale Gewalt, die neben finanziellen Mitteln auch verbindliche Mindeststandards für Schutz und Prävention in der Verfassung verankern will.

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