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Absperrband vor der Bar le Constellation

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Die Nachrichten rund um Crans-Montana reissen nicht ab. Gelöschte Videoaufnahmen sorgen für neue Fragen rund um die Brandkatastrophe in der Silvesternacht.

Und im Tessin nimmt das Parlament die Affäre «Hospita» unter die Lupe – eine parlamentarische Untersuchungskommission soll politische Verstrickungen aufklären.

Eine gute Lektüre. 

Überwachungskamera
In Crans-Montana gibt es ungefähr 250 Kameras im Dorf – nur sechs Stunden wurden von der Silversternacht gesichert (Symbolbild). Keystone / Jean-Christophe Bott

In der Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana reiht sich ein Fragezeichen an das nächste. Wie die NZZ heute berichtet, sind Videoaufnahmen von mindestens 250 öffentlichen Kameras gelöscht worden – obwohl sie für die Ermittlungen zentral gewesen wären.

Laut NZZ hat die Gemeindepolizei von Crans-Montana keinen Zugriff mehr auf die Aufnahmen der öffentlichen Videoüberwachung rund um die Silvesternacht. Zwar sicherte die Kantonspolizei Bildmaterial vom 1. Januar zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens, doch weiteres Videomaterial vom 31. Dezember sowie aus späteren Stunden ist verschwunden. Der Brand in der Bar «Le Constellation» brach um 1.26 Uhr aus. Die Staatsanwaltschaft wollte offenbar zusätzliche Aufnahmen, meldete sich jedoch erst am 15. Januar bei der Gemeinde – also nach der automatischen Löschung nach sieben Tagen. 

Problematisch ist die Löschung auch rechtlich. Das Polizeireglement der Gemeinde sieht vor, dass Aufnahmen für Ermittlungszwecke aufbewahrt werden müssen. Zudem erlauben kantonale Datenschutzrichtlinien und Bundesgerichtspraxis bei Straftaten Speicherfristen von bis zu hundert Tagen. Unklar bleibt, ob die Gemeindepolizei davon ausging, mit der Sicherung der sechs Stunden durch die Kantonspolizei sei der Auftrag erfüllt. Crans-Montana gilt im Wallis als Vorreiterin der Videoüberwachung und hatte deren Nutzen jahrelang betont. 

Zusätzliche Fragen wirft die private Videoüberwachung der Bar auf. Das Betreiberpaar erklärte, das System sei kurz vor dem Brand ausgefallen. Dem widerspricht jedoch ein Polizeibericht, der sich bei der Rekonstruktion der Ereignisse ausdrücklich auf Videoaufnahmen der Bar stützt. Zudem zeigen Recherchen von RTS, dass der Zustand der Bar bereits Tage zuvor prekär war: In Video- und Sprachnachrichten ist zu sehen, wie sich Deckenelemente lösen und mit provisorischen Mitteln befestigt werden. Für Anwälte von Opferfamilien sind diese Aufnahmen ein zentrales Beweisstück.

Tessiner Flagge
Die PUK soll untersuchen, inwiefern die beiden Lega-Mitglieder in die Affäre verwickelt sind. Keystone / Karl Mathis

Das Tessiner Parlament greift zu seinem schärfsten Instrument: Der Grosse Rat hat am Montag der Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zugestimmt. Sie soll die Affäre «Hospita» politisch aufarbeiten.

Das Parlament stimmte der Einsetzung der PUK mit 66 Ja-Stimmen zu – ein seltener Schritt im Tessin. Im Zentrum stehen die frühere Grossrätin Sabrina Aldi und der amtierende Regierungsrat Norman Gobbi. Beide waren zur fraglichen Zeit Mitglieder der Lega. Untersucht werden soll, ob politische Funktionen für private Geschäftsinteressen genutzt wurden, wie SRF berichtet. 

Konkret geht es um die Wahl eines Staatsanwalts im März 2024. Aldi war damals Vizepräsidentin der Justizkommission und schlug Alvaro Camponovo als einzigen Lega-Kandidaten vor, ohne offenzulegen, dass er der Sohn ihres direkten Vorgesetzten bei der Firma Hospita war. Camponovo wurde gewählt. Vorausgegangen war laut Tessiner Medien ein Geschäftsessen im Oktober 2023 mit Lega-Vertreter:innen, Hospita-Verantwortlichen und Camponovo. Kurz darauf wurde Aldi bei Hospita angestellt, Camponovo als Staatsanwalt der Lega nominiert. 

Parallel zur politischen Aufarbeitung laufen strafrechtliche Ermittlungen. Dem ehemaligen Hospita-Chef wird Veruntreuung vorgeworfen, das Unternehmen steht unter Zwangsverwaltung. Kritisch beleuchtet wird auch die Rolle von Regierungsrat Gobbi: Ihm wird vorgeworfen, parteiintern eine Untersuchung angestossen zu haben, noch bevor offizielle Ermittlungen begannen. Dadurch habe er versucht – so der Vorwurf –, Einfluss auf ein sensibles Geflecht zwischen Politik, Wirtschaft und Justiz zu nehmen, wie SRF berichtet. 

Franken
Der Schweizer Franken gilt nach wie vor als sicherer Hafen. Keystone / Gaetan Bally

Der Schweizer Franken legt deutlich zu und profitiert von der wachsenden Unsicherheit an den Finanzmärkten. Wie die Luzerner Zeitung schreibt, flüchten Anlegerinnen und Anleger angesichts des politischen Chaos in den USA erneut in sichere Häfen.

Der US-Dollar hat gegenüber dem Franken innerhalb eines Jahres mehr als 14 Prozent an Wert verloren. Allein in den letzten Tagen betrug das Minus über zwei Prozent, berichtet die Luzerner Zeitung. Parallel dazu erreicht der Goldpreis ein neues Allzeithoch von über 5000 Dollar pro Feinunze – ein weiteres Signal für die Flucht aus dem Dollar. 

Auslöser der jüngsten Marktbewegungen ist laut der Luzerner Zeitung weniger die Geldpolitik als die politische Verunsicherung unter US-Präsident Donald Trump. Angriffe auf Verbündete, neue Zollandrohungen und aussenpolitische Alleingänge liessen Zweifel an der wirtschaftlichen Verlässlichkeit der USA wachsen. Die Erwartung sinkender US-Zinsen schwächt den Dollar zusätzlich. 

Die Reaktion der Märkte erinnert an Trumps sogenannten «Befreiungstag» im Frühjahr 2025, als chaotisch angekündigte Zölle den Dollar einbrechen liessen. Ökonom:innen warnen vor dauerhaftem Vertrauensverlust. Die USA seien für viele Investor:innenen kein stabiler Anker mehr – im Gegensatz zum Franken, der erneut als sicherer Hafen gefragt ist. 

Bewohner in Brienz
Ein Bewohner von Brienz bringt Habseligkeiten in sein Haus zurück. Keystone / Gian Ehrenzeller

Nach über einem Jahr sind die Einwohnerinnen und Einwohner von Brienz/Brinzauls endlich zurück in ihr Dorf. Bereits letzte Woche hatte die Gemeinde die Aufhebung der Evakuierung angekündigt.

Die rund 80 Dorfbewohnenden können wieder in ihre Häuser, nachdem Geologinnen und Geologen Entwarnung gegeben haben. Gemeindepräsident Daniel Albertin spricht von «grosser Erleichterung», mahnt aber weiter Vorsicht. 

Vor Ort bleibt es still, wie eine Reportage von SRF zeigt: Viele Fensterläden sind geschlossen, nur wenige Menschen sind zurückgekehrt. Die langen Monate der Abwesenheit haben die Pläne und Wohnsitze der Brienzerinnen und Brienzer verändert. 

Einige Rückkehrende bringen Habseligkeiten zurück oder besuchen Gräber, andere zögern noch. «Brienz ist wieder zugänglich – der Neubeginn verläuft vorsichtig und behutsam», so SRF. 

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